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Fall Chaschukdschi: Pompeos Krisentreffen in Saudi-Arabien

Vor mehr als zwei Wochen verschwand der saudische Journalist Dschamal Chaschukdschi unter mysteriösen Umständen. Zu dem Fall gibt es viele offene Fragen. Auch für US-Präsident Trump steht viel auf dem Spiel. Nun durften türkische Ermittler endlich das Konsulat durchsuchen.



Pompeo in Saudi-Arabien
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair empfängt Mike Pompeo, Außenminister der USA, in Riad. Foto: SPA   Foto: dpa » zu den Bildern

Nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi wächst international der Druck auf Saudi-Arabien, Licht in den mysteriösen Fall zu bringen.

US-Außenminister Mike Pompeo kam in der saudischen Hauptstadt Riad mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zu Krisentreffen zusammen. Pompeo schlug aber auffallend sanfte Töne an. Türkische und saudische Ermittler schlossen zugleich eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul ab und begannen am Abend eine Suche im Privathaus des Konsuls. Der war türkischen Medien zufolge kurz zuvor nach Saudi-Arabien abgereist.

Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Chaschukdschi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde. Sie sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man schaue sich mögliche Spuren «giftiger Substanzen» genauer an. Die seien überstrichen worden.

Während der Durchsuchung des Konsulats nahmen Ermittler auch Proben im Garten, wie lokale Medien meldeten. Spürhunde seien im Einsatz gewesen. Zudem seien zwei Müllwagen ins Konsulat gefahren - weshalb, blieb zunächst unklar .

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte sich in der Affäre für eine internationale Abstimmung stark. «Wir wollen wissen, was da geschehen ist», erklärte er in Paris. «Wenn wir das wissen, werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen.» Er habe in dem Fall auch mit Pompeo telefoniert. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, verlangte die Aufhebung der Immunität von allen saudischen Diplomaten in der Türkei, die Ermittler befragen wollen.

Der 60 Jahre alte Chaschukdschi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskam. Chaschukdschi lebte seit mehr als einem Jahr im selbst gewählten US-Exil und schrieb unter anderem für die Zeitung «Washington Post» regimekritische Artikel über Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien bestreitet jede Verwicklung in den Fall. Mehrere US-Medien berichteten jedoch, das Königreich bereite eine Erklärung vor. Darin soll es unter anderem heißen, ein Verhör mit Chaschukdschi sei schiefgegangen. Dem Sender CNN zufolge soll es einen Plan gegeben haben, den Journalisten zu entführen, aber nicht zu töten. Eine solche Erklärung wäre der Versuch, den Druck von Riad zu nehmen.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Außenminister nach Riad geschickt, um die Aufklärung des Falles voranzutreiben. Möglicherweise wird Pompeo in die Türkei weiterreisen. Nach Pompeos Gesprächen in Riad äußerte sich das US-Außenministerium betont milde. Pompeo habe dem saudischen König für die starke Partnerschaft mit den USA und für dessen Einsatz für eine gründliche, transparente und schnelle Aufklärung im Fall Chaschukdschi gedankt. Nach dem Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman - kurz «MbS» genannt, der eine zentrale Rolle in der Führung des Landes spielt - hieß es, Pompeo habe die Sorge des Präsidenten über Chaschukdschis Verschwinden übermittelt, und dessen Wunsch nach Aufklärung.

Für das Weiße Haus steht in dieser Affäre viel auf dem Spiel, da sich Trump in seiner Nahost-Politik sehr stark auf das sunnitische Saudi-Arabien stützt. Seit Amtsantritt des US-Präsidenten hat sich das zuvor abgekühlte Verhältnis zwischen den beiden Partnern deutlich verbessert. Die USA und Saudi-Arabien sehen vor allem im schiitischen Iran einen gemeinsamen Feind, den sie Hand in Hand bekämpfen wollen. Die allererste Auslandsreise führte Trump im Mai 2017 nach Riad, wo ihm die saudische Führung einen fulminanten Empfang bereitete.

Dort verkündete der US-Präsident auch einen 110 Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit dem islamisch-konservativen Königreich. Trump will dieses Geschäft nicht gefährden, um «keinen Jobs zu schaden». Er verschärfte seinen Ton gegenüber Riad und fordert Antworten auf offene Fragen - will aber offensichtlich dennoch die guten Beziehungen zur Führung in Riad nicht aufs Spiel setzen. Trump äußerte die Vermutung, dass es sich möglicherweise nicht um ein staatlich beauftragtes Mörderkommandos gehandelt habe.

Parallel zu Pompeos Riad-Besuch reagierte der US-Präsident auch auf Berichte über finanzielle Verbindungen des Trump-Konzerns mit Saudi-Arabien. Er habe keinerlei finanzielle Interessen mit Blick auf das Land, schrieb Trump. Das alles sei nichts als «fake news».

Die Aufmerksamkeit richtet sich in der Affäre insbesondere auf den saudischen Kronprinzen. Der 33 Jahre alte Sohn des Königs ist der starke Mann des Landes und gilt als künftiger Herrscher. Während er einerseits Reformen vorantreibt und das Land gesellschaftlich liberalisiert, geht er mit härtester Hand gegen Kritiker vor. Auch Chaschukdschi kritisierte, dass die Führung in Riad zunehmend autoritär wird. Enge Beziehungen pflegt MbS zu Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragtem Jared Kushner.

Zugleich ist das Verhältnis zwischen der Türkei und Saudi-Arabien angespannt. Die Regierung in Ankara ging zwar diskret mit ihren Erkenntnissen um, lässt aber Informationen über den angeblichen Mord scheibchenweise und über anonyme Zeugen an die US-Regierung und Medien weitergegeben. Wieso, dazu gibt es vielfältige Vermutungen.

In der derzeitigen verzweifelten wirtschaftliche Lage könnte die Türkei darauf hoffen, dass der reiche Ölstaat Saudi-Arabien dem Land mit Investitionen hilft. Manche Beobachter mutmaßen, die Türkei fürchte, es sich mit Riad zu verscherzen. Noch immer ist unklar, aus welcher Quelle Informationen zu dem angeblichen Mord durchsickern. Mehrfach tauchte die Vermutung auf, die Türkei könnte das Konsulat verwanzt haben. Das brächte die Regierung dann nicht nur gegenüber der saudischen Regierung in Schwierigkeiten.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 10. 2018
06:45 Uhr

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17. 10. 2018
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