Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Brennpunkte

Fahrradfahren soll sicherer werden

Der Radweg ist zugeparkt, Autos ziehen beim Überholen dicht vorbei, Laster biegen riskant rechts ab - Fahrradfahren kann gefährlich sein, vor allem in der Stadt. Neue Vorschriften sollen das ändern.



Auf dem Rad
Auf dem Fahrradweg zwischen den Autos hindurch. Neue Vorschriften sollen das Radfahren sicherer machen.   Foto: Monika Skolimowska

Mehr Platz und mehr Rechte für Radler, strengere Regeln für Autos: Radfahren soll in Deutschland sicherer werden. «Das Rad ist gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs», sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Freitag.

Konkret will er mit mehreren Gefahrenquellen und Ärgernissen für Radfahrer Schluss machen. Sie sollen im Straßenverkehr auch schneller vorankommen als bisher. Es geht nicht nur um neue Halteverbote und Überholabstände für Autos, sondern zum Beispiel auch um grüne Pfeile an der Ampel. Zuerst berichtete die «Bild»-Zeitung darüber.

Die wichtigsten geplanten Änderungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) im Überblick:

SCHUTZSTREIFEN: In vielen Städten gibt es «Schutzstreifen» für Radler auf bestimmten Straßen - abgegrenzt mit einer weißen gestrichelten Linie auf der Fahrbahn. Autos dürfen dort schon jetzt nicht parken, aber bis zu drei Minuten halten. Auch das kann Radfahrer aber zu Ausweichmanövern zwingen und soll künftig tabu sein. Das Bußgeld fürs Parken auf Schutzstreifen (20 Euro) soll erhöht werden, ebenso fürs Parken in zweiter Reihe. Konkrete Summen wurden noch nicht genannt.

ÜBERHOLEN: Wenn Autos zum Überholen an Radlern vorbeiziehen, ist das manchmal eine gefährlich enge Sache. Konkret vorgeschrieben werden sollen daher mindestens 1,50 Meter innerorts, sonst sogar zwei Meter. Bisher spricht die StVO nur vage von «ausreichendem Seitenabstand». An engen Stellen sollen die Länder mit einem neuen Verkehrszeichen für Autos auch ein komplettes Radler-Überholverbot anordnen können.

ABBIEGE-UNFÄLLE: Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, wenn Lkw-Fahrer Radler oder Fußgänger beim Rechtsabiegen übersehen, die sich neben ihrem Fahrzeug befinden. Innerorts sollen Laster deswegen künftig in Schrittgeschwindigkeit rechts abbiegen müssen, also mit Sieben bis elf Kilometern pro Stunde.

GRÜNER PFEIL: Die kleinen Zusatzschilder, die an bestimmten Kreuzungen ein vorsichtiges Rechtsabbiegen an roten Ampeln zulassen, sollen künftig auch für Radler auf dem Radweg gelten. Ganz neu eingeführt werden soll ein extra Grünpfeil, der allein für Radfahrer gilt.

FAHRRADBEREICHE: Ähnlich wie Tempo-30-Zonen für Autos sollen künftig auch Fahrradzonen eingerichtet werden können. Für Lastenfahrräder sollen Parkflächen und Ladezonen ausgeschildert werden können.

PARALLEL-RADELN: Das Nebeneinanderfahren von Radlern soll künftig ausdrücklich erlaubt sein, sofern der Verkehr damit nicht behindert wird. Bisher müssen Räder grundsätzlich einzeln hintereinander fahren, nur in Ausnahmefällen ist es auch nebeneinander möglich.

EINBAHNSTRASSEN: Für Kommunen soll es leichter werden, Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freizugeben.

«Wir werden nun damit auf die Länder zugehen, damit diese für den Radverkehr wichtigen Maßnahmen schnellstmöglich in Kraft treten können», teilte Scheuer mit.

Radfahren vor allem in Städten kann riskant sein. 382 Fahrradfahrer kamen laut Statistischem Bundesamt 2017 in Deutschland ums Leben, 2018 waren es nach vorläufigen Angaben mindestens 50 mehr.

Scheuer will nun vieles umsetzen, was Radfahrer schon länger fordern - etwa den Überholabstand und Schritt-Tempo beim Rechtsabbiegen für Lastwagen. Wenn demnächst auch Elektro-Tretroller im Straßenverkehr unterwegs sind, dürfte es auf den Radwegen noch enger werden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat auch gefordert, Tempo 30 in Städten zur Regel zu machen und Tempo 50 zur Ausnahme - das findet sich in Scheuers Plänen aber nicht wieder.

Der Autofahrerclub ADAC begrüßte die Pläne als «Chance, Konflikte zwischen Radverkehr und Auto zu entschärfen». Wichtig seien alle Maßnahmen, die die Übersicht erhöhen - «so etwa an Kreuzungen und Einmündungen». Dafür Parkverbote auszuweiten sei zwar «schwierig», aber dennoch «hinzunehmen» mit Blick auf die Verkehrssicherheit. Entscheidend sei aber, gegenseitig Rücksicht zu nehmen, sich an Regeln zu halten und zuverlässig zu kontrollieren.

Die Grünen vermissen in Scheuers Plänen eine Regelung zu Abbiegeassistenten für Lkw, die Fahrer beim Abbiegen warnen oder sogar abbremsen, wenn Fahrradfahrer oder Fußgänger neben dem Fahrzeug sind. Eine solche Regelung könne es Kommunen ermöglichen, nur Lkw mit diesen technischen Hilfen einfahren zu lassen, sagte der radpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Stefan Gelbhaar.

Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
18:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Andreas Scheuer Auto CSU Deutscher Bundestag Fahrzeuge und Verkehrsmittel Fußgänger Lastkraftwagen Radfahrer Radverkehr Radwege Statistisches Bundesamt Straßenverkehr Verkehr Verkehrssicherheit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Verkehrstote

09.07.2019

Bundesamt korrigiert Zahl: Mehr Verkehrstote im Jahr 2018

Im vergangenen Jahr kamen 3275 Menschen auf Deutschlands Straßen ums Leben. Damit sind die Zahlen erstmals nach zwei Jahren wieder gestiegen. Besonders bei den Radfahrern sieht es nicht gut aus. » mehr

Protest

30.04.2019

Mehrheit der Bundesländer gegen E-Tretroller auf Gehwegen

Sie sind leise, abgasfrei, und wer drauf steht, zerknittert sich nicht den Anzug: E-Tretroller sollen ein neues Mobilitätsangebot für viele Städter sein. Nun gibt es Streit, wo genau sie fahren dürfen. » mehr

E-Tretroller

22.05.2019

E-Tretroller in Deutschland sind bald erlaubt

Die letzte formelle Hürde für die sogenannten E-Scooter ist genommen. Mitte Juni soll es losgehen für die Tretroller mit Elektroantrieb in Deutschland. Vor allem auf den Radwegen wird es voller. » mehr

Radfahrerin

09.04.2019

Freude und Frust beim Fahrradfahren in Deutschland

Radfahren ist in Deutschland beliebt. Doch der Mangel an sicherer Infrastruktur sorgt beim neuen «Fahrradklima»-Test für schlechte Noten. Was läuft da schief? » mehr

Elektrisch unterwegs

17.05.2019

Die E-Tretroller kommen - auf Radwegen und ab 14 Jahren

Von Paris bis Tel Aviv: In internationalen Metropolen sind Tretroller mit Elektromotor schon unterwegs. Nun soll es auch in Deutschland so weit sein - mit strengeren Regeln als geplant. Aber Bedenken bleiben. » mehr

Zugeparkt

05.07.2019

Scheuer will Bußgeld für Parken auf Radwegen erhöhen

Der Verkehrsminister ist gerade massiv in der Kritik nach dem Aus für die Pkw-Maut. Er will aber auch «Fahrradminister» sein und plant umfangreiche Verbesserungen für Radfahrer. Für Autofahrer sollen Verstöße teurer werd... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

MDR Jump Dance Night Meiningen

MDR Jump Dance Night | 15.07.2019 Meiningen
» 80 Bilder ansehen

12. Trabant- und IFA-Treffen Herges-Hallenberg Herges-Hallenberg

12. Trabant- und IFA-Treffen Herges-Hallenberg | 14.07.2019 Herges-Hallenberg
» 20 Bilder ansehen

7. Simson- und MZ-Treffen Wiedersbach

7. Simson- und MZ-Treffen Wiedersbach | 13.07.2019
» 12 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
18:49 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".