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Experten geben Empfehlungen zu Umgang mit Missbrauch

Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren schlimme Fälle von Kindesmissbrauch in Deutschland bekannt. Viele liegen Jahrzehnte zurück und wurden nie aufgearbeitet. Eine Expertenkommission hat nun Empfehlungen für Sportvereine und Institutionen vorgelegt.



Kindesmissbrauch
Der Schatten von einem Mann und einem schaukelnden Kind fallen auf Sand auf einem Spielplatz.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Für Einrichtungen, die mit dem Thema Kindesmissbrauch konfrontiert sind, gibt es ab jetzt konkrete Handlungsempfehlungen.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch hat an diesem Dienstag in Berlin einen Leitfaden vorgelegt, der Schulen, Kitas, Sportvereinen oder anderen Institutionen dabei helfen soll, die Aufarbeitung offensiv anzugehen. Die Empfehlungen sind aber ausdrücklich auch für die Prävention gedacht und sollen Institutionen dabei unterstützen, Schutzkonzepte gegen Missbrauch entwickeln.

Die Bundesregierung hatte die Expertenkommission 2016 eingesetzt, um Missbrauch in Sportvereinen, Institutionen, Familien oder im sozialen Umfeld aufzuarbeiten. Kern der Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen und Berichte von heute erwachsenen Betroffenen. Die Kommission soll Strukturen und Bedingungen aufdecken, die Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht und begünstigt haben, um daraus Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen.

«Wir haben in unseren Empfehlungen Standards und Kriterien entwickelt, die Aufarbeitung vor Ort möglich machen sollen», sagte die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen. Enthalten sind unter anderem rechtliche Hinweise zur Frage der öffentlichen Nennung von Beschuldigten oder Tätern, zu Verjährungsfragen, zur Zusammensetzung von Aufarbeitungsteams oder auch zur Erstellung von Konzepten zum Schutz vor Missbrauch.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte im September deutlich mehr Engagement von den Bundesländern bei dem Thema gefordert. Rörig hatte eine Erhebung vorgelegt, die zeigte, dass viele Kinder- und Jugendeinrichtungen, von Kitas über Schulen, kirchliche Einrichtungen und Sportvereine bis hin zu Kliniken von sich selbst sagten, dass sie keine ausreichenden Schutzkonzepte gegen Missbrauch haben.

Matthias Katsch, ebenfalls Mitglied der Kommission, sagte, mit dem nun vorgelegten Leitfaden solle Prävention gestärkt werden. «Auch, wenn ich noch nicht die Presse im Nacken habe, weil ein konkreter Verdachtsfall im Raum steht, sondern einfach aus dem Wissen, dass Missbrauch in Institutionen vorkommt und ich deswegen vorbereitet sein sollte», sagte Katsch. «Wir hoffen, dass damit Institutionen eine Handreichung haben und sich nicht mehr dahinter verstecken werden können, dass sie nicht wissen wie es geht», fügte die Kommissionsvorsitzende Andresen hinzu.

Bei der Kommission haben sich seit Beginn ihrer Arbeit vor fast vier Jahren inzwischen rund 1500 Betroffene gemeldet. In vielen Fällen können Täter nicht mehr belangt werden, weil sie nicht mehr ausfindig gemacht werden können oder weil Taten verjährt sind. Kindesmissbrauch ist laut Polizeilicher Kriminalstatistik weiterhin ein großes Problem. Im vergangenen Jahr wurden 13.683 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch erfasst - das sind nur die angezeigten, also bekanntgewordenen Fälle. Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten viel größer.

Rörig sagte der in Oldenburg erscheinenden «Nordwest-Zeitung» (Dienstag): «Sexuelle Gewalt ist für viele Tausende Mädchen und Jungen in Deutschland trauriger Alltag. Das gehört zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland.» Die Dimension der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche habe sich auch durch die Möglichkeiten der digitalen Medien verändert.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 12. 2019
10:47 Uhr

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03. 12. 2019
10:47 Uhr



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