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Europol: Kriminelle profitieren von Corona-Angst

Betrüger, Fälscher und Diebe: Sie verdienen an der Corona-Krise, warnt Europol. Ladendiebstahl und Einbrüche lohnen jetzt zwar nicht. Aber Verbrecher passen ihre Maschen sehr schnell an.



Atemschutzmaske
Allein im März stellte die Polizei etwa 34.000 gefälschte chirurgische Masken sicher.   Foto: Christian Beutler/KEYSTONE/dpa

Vermummt mit Gesichtsmasken stand das Pärchen vor der Tür: «Wir kommen vom Gesundheitsamt und müssen bei Ihnen einen Corona-Test abnehmen», sagte die Frau zu dem alten Mann.

Und während sie ihn mit Wattestäbchen ablenkte, durchwühlte ihr Komplize die Wohnung in Den Haag. Sie stahlen Geld, Schmuck, Computer. Dutzende alter Leute wurden bereits Opfer dieser Masche, berichtete unlängst die niederländische Polizei. Und das ist kein Einzelfall. Europol sieht eine schnelle Zunahme von sogenannter Corona-Kriminalität. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht hervor.

Kriminelle und organisierte Banden hätten ihre Methoden sehr schnell angepasst und profitierten von der Krise, warnt die europäische Polizeibehörde in Den Haag. Ermittler registrierten mehr Fälle von Cybercrime, Betrug, Diebstahl und Fälschungen.

«Betrüger passten sehr schnell berüchtigte Muster an und beuten Ängste und Sorgen von Opfern während der Krise aus», warnt Europol. Und sie profitierten von der großen Nachfrage nach Schutz-Artikeln wie Handschuhe, Masken, Anzüge. Ein Beispiel: Im Internet werden dubiöse Corona-Test-Kits angeboten. Preise von 300 Euro sind keine Seltenheit.

Aber auch das Geschäft mit gefälschten Schutzartikeln, Beatmungsgeräten und Medikamenten blüht. Der Verkauf sei um ein Vielfaches gestiegen seit Ausbruch der Krise, berichtet Europol. Fälscher würden den Mangel von etwa Schutzmasken oder Desinfektionsgels ausnutzen.

Anfang März wurden bei einem weltweiten Polizeieinsatz gegen Medikamentenfälscher etwa 34.000 gefälschte chirurgische Masken sichergestellt. 37 Banden waren ausgehoben und über fünf Millionen Produkte sichergestellt worden, wie aus dem Bericht hervor geht. Gefälscht würden antivirale Medikamente, das Anti-Malariamittel Chloroquin oder Vitaminpräparate. Diese würden dann als angebliche Heilmittel oder Schutz vor Ansteckung meist online angeboten.

Europol-Direktorin Catherine De Bolle nennt diese Machenschaften unakzeptabel. «Solche kriminellen Aktivitäten während einer Gesundheitskrise sind besonders bedrohlich und können Menschenleben gefährden.» Denn diese gefälschten Medikamente wurden von keinem getestet.

Auch deutsche Krankenkassen warnen dringend vor diesen Angeboten. «Es gibt noch keine zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19», sagt Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer Krankenversicherung. Schlimmstenfalls könnten solche Mittel sogar schädlich sein.

Auf der anderen Seite gibt es auch positive Berichte. Durch die Ausgangssperren registrierte etwa die Polizei in Italien 64 Prozent weniger Straftaten. In Spanien sind es 50 Prozent. Und auch deutsche Ermittler berichten von weniger Taschendiebstahl, Drogendelikten und Überfällen. Kein Wunder: die Läden sind zu, die Leute zu Hause.

Doch das Bild trügt, warnt Europol. Wenn die Menschen weniger sichtbar sind in der Öffentlichkeit, ist es das Verbrechen auch.

Das gilt gerade für die Cyber-Kriminellen. Sie nutzen Sicherheitslücken aus, wie Europol warnt. Viele Menschen arbeiteten nun zu Hause und schalteten sich über weniger gut gesicherte Heimcomputer in die Netzwerke von Firmen oder Organisationen. Auch Krankenhäuser werden Ziel von Cyber-Attacken. Kriminelle drohen damit, den Betrieb völlig lahm zu legen und fordern Lösegeld. Im März, so berichtet Europol, wurde die Uni-Klinik im tschechischen Brünn (Brno) Opfer einer solchen Attacke.

Jeden kann es treffen, warnt Europol und sagt eine Zunahme des Betrugs online, am Telefon und an der Tür voraus. Auch deutsche Verbraucherschützer warnen vor Abzockern und Wucher. Beispiele: 999 Euro für zehn Atemschutzmasken oder fünf Euro für eine einzige Rolle Klopapier.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
13:41 Uhr

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27. 03. 2020
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