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Erste Passagiere verlassen die «Diamond Princess»

Nach zwei Wochen Quarantäne dürfen in Japan Tausende Passagiere der «Diamond Princess» an Land gehen und heimkehren. Deutsche von der «Westerdam» in Kambodscha wissen noch nicht, wie sie nach Hause fliegen können. Aus China gibt es neue beunruhigende Meldungen.



«Diamond Princess»
Ein Bus wird inspiziert, bevor die ersten Passagiere des unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiffs «Diamond Princess» einsteigen.   Foto: Jae C. Hong/AP/dpa » zu den Bildern

Nach zweiwöchiger Quarantäne durften am Mittwoch in Japan die ersten Passagiere des Kreuzfahrtschiffes «Diamond Princess» an Land gehen. Die Ausschiffung der noch rund 3000 Menschen an Bord soll mindestens drei Tage dauern.

Als erste Gruppe konnten rund 500 meist ältere Passagiere das Schiff verlassen. Sie würden in die Innenstadt von Yokohama oder zu Bahnhöfen gebracht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Anlass der Quarantäne war der Nachweis des Coronavirus Sars-CoV-2 bei einem 80-Jährigen aus Hongkong, der am 20. Januar in Yokohama zugestiegen und fünf Tage später in Hongkong von Bord gegangen war.

Bei den anfangs 3700 Passagieren und Crewmitgliedern auf der «Diamond Princess» wurden bis Mittwoch 621 Infektionen mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen, betroffen sind auch mindestens zwei der zehn deutschen Passagiere. Alle Infizierten wurden in örtliche Krankenhäuser gebracht. Inzwischen sind alle Menschen an Bord getestet.

Die italienische Regierung schickte in der Nacht zu Mittwoch eine erste Maschine mit medizinischem Personal von Rom nach Japan. Die Rückholaktion wird nach den Worten des Außenministers Luigi Di Maio einige Zeit brauchen, da Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden müssten. Demnach folgt auf den ersten Flieger ein zweiter, mit dem die italienischen Passagiere in ihre Heimat fliegen sollen.

Rom hatte seit Tagen mit anderen Ländern über die Mitnahme von deren Staatsbürgern verhandelt - darunter könnten auch Deutsche sein. Von der Bundesregierung gab es dazu zunächst keine Angaben. Italien könne insgesamt 26 bis 27 Menschen aus anderen europäischen Ländern mitnehmen, hieß es aus Rom. Auf der «Diamond Princess» befinden sich demnach rund 35 Italiener, bei einem von ihnen wurde Sars-CoV-2 nachgewiesen.

Auch andere Länder holen ihre Landsleute heim. Von der Reederei Princess Cruises hieß es am Mittwoch, dass derzeit die Botschaften von Kanada, Australien und Hongkong die Abholung ihrer Bürger - Gäste und Besatzung - koordinierten. Nach Ankunft im Herkunftsland gingen sie weitere 14 Tage in Quarantäne. Die USA hatten bereits am Montag 328 Landsleute heimgeholt, darunter auch mindestens 14 Infizierte. Diese werden in Kliniken behandelt, alle übrigen Rückkehrer sollten für 14 Tage in Quarantäne bleiben.

In Kambodscha mussten Passagiere des Kreuzfahrtschiffes «Westerdam» unterdessen weiter auf ihre Heimreise warten, darunter auch einige der 57 deutschen Urlauber. Andere waren bereits wieder daheim. Zwei mit dem Schiff gereiste Brandenburger stünden in häuslicher Isolation und würden täglich befragt, hatte das Potsdamer Gesundheitsministerium mitgeteilt.

Alle 781 in Kambodscha verbliebenen Reisenden der «Westerdam» seien negativ getestet worden, teilte die Reederei Holland America Line unter Berufung auf das kambodschanische Gesundheitsministerium mit. Die Heimreise könnte dennoch schwierig werden: Malaysia, Singapur, Thailand und Taiwan kündigten an, eine Durchreise nicht zu erlauben. Zudem wurden in einem Hotel in Phnom Penh wartende Reisende von Botschaftsmitarbeitern informiert, sie sollten es auch nicht über Südkorea oder Vietnam versuchen.

«Meine größte Sorge ist, wie wir jemals diesen Ort verlassen sollen, wenn uns alle Fluggesellschaften abweisen», sagte eine der deutschen Reisenden, Alexandra Dorschu aus Dorsten. Bei einer US-Passagierin der «Westerdam» war am Wochenende bei der Weiterreise in Malaysia überraschend eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt worden. Da waren viele der rund 2300 Menschen an Bord bereits an Land gegangen. Das Ausschiffen wurde gestoppt. Unklar ist, wo sich die in Hongkong zugestiegene Amerikanerin angesteckt hat.

Unterdessen wurden aus China weiter steigende Fallzahlen gemeldet. Inzwischen sind nach offizieller Angabe mehr als 2000 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Unter den Ärzten und Pflegern gibt es mit 3000 Fällen etwa doppelt so viele Infizierte wie bisher bekanntgegeben, wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten. Mindestens sieben sind gestorben. Die Zahl landesweit offiziell erfasster Infektionen stieg auf mehr als 74 000 Fälle. Allerdings gehen Experten von einer um ein Vielfaches höheren Dunkelziffer aus.

Außerhalb des chinesischen Festlands wurden bislang mindestens fünf Todesfälle und fast 1000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, 16 davon in Deutschland. In Hongkong gab es örtlichen Medienberichten zufolge einen zweiten, offiziell noch unbestätigten Todesfall durch die Covid-19 genannte Lungenkrankheit.

In China hat inzwischen ein gemeinsames Team von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von chinesischen Fachleuten seine Untersuchungen fortgesetzt. Die Gruppe besuchte die Südprovinz Guangdong, bevor es nach Sichuan weitergehen sollte. Die schwer betroffene Provinz Hubei in Zentralchina, wo die Lungenkrankheit Anfang Dezember ausgebrochen war und wo nach wie vor die meisten Infektionen gezählt werden, besuchen die Experten nicht. Ein Grund dafür wurde zunächst nicht genannt.

Außerhalb des chinesischen Festlands wurden bislang rund 1000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, 16 davon in Deutschland. In Hongkong gab es örtlichen Medienberichten zufolge einen sechsten, offiziell noch unbestätigten Todesfall durch die Covid-19 genannte Lungenkrankheit. Frankreich, die Philippinen und Japan hatten bereits je einen Todesfall registriert.

Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete am Mittwochabend zwei Todesfälle in dem Land. Wenige Stunden zuvor hatte ein Sprecher des iranischen Gesundheitsministeriums überhaupt erst die ersten zwei Covid-19-Fälle im Iran bekannt gegeben. Zuvor hatte der Iran Berichte und Gerüchte über solche Infektionen vehement zurückgewiesen.

Russland verhängt aus Sorge vor einer Einschleppung von Covid-19 von Donnerstag an eine Einreisesperre für Chinesen. Betroffen seien alle Einreisen zum Arbeiten oder für touristische und Studienzwecke, heißt es in einer Verfügung von Regierungschef Michail Mischustin. Russische Medien bezeichneten den ungewöhnlichen Schritt eines solchen «Totalverbots» am Mittwoch als beispiellos.

Das Verbot gilt nur für chinesische Staatsbürger, nicht für andere aus China kommende Reisende, wie die Zeitung «Kommersant» berichtete. Allein 2019 reisten demnach 2,3 Millionen Chinesen nach Russland ein.

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Veröffentlicht am:
19. 02. 2020
21:32 Uhr

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