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Erst Mitterteich, dann bundesweit?

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Die Zahl der Infizierten schnellt vielerorts nach oben. Sollte sich das nicht rasch ändern, drohen überall Ausgangssperren.



Polizisten kontrollieren die Ortseinfahrt von Mitterteich. Das Landratsamt in Tirschenreuth hatte am Mittwochabend eine Ausgangssperre verhängt. Foto: Nicolas Armer/dpa
Polizisten kontrollieren die Ortseinfahrt von Mitterteich. Das Landratsamt in Tirschenreuth hatte am Mittwochabend eine Ausgangssperre verhängt. Foto: Nicolas Armer/dpa  

Mitterteich - Auf diese Berühmtheit hätte das kleine Städtchen Mitterteich gern verzichtet: Die Kommune in der Oberpfalz ist die erste in Deutschland, in der wegen der Corona-Krise eine strenge Ausgangssperre verfügt wurde. Als am Donnerstagmorgen die Frühlingssonne aufgeht, werden die Folgen langsam, aber sicher erkennbar.

Die Polizei kontrolliert an den Hauptzufahrtsstraßen. Berufstätige dürfen zur Arbeit fahren, andere zum Einkaufen gehen. Aber wer nicht in Mitterteich wohnt oder etwas anliefert, der darf nicht rein.

Bis Mittwoch waren im umliegenden Landkreis Tirschenreuth 47 Infizierte registriert, darunter 25 in Mitterteich. Von den Patienten sind 15 in Krankenhäusern, fünf mussten beatmet werden. Am Donnerstag hatte sich die Zahl im Landkreis auf 62 Infizierte erhöht. Wenn die Ausbreitung so weitergehe, komme das Gesundheitssystem bald an seine Grenzen, mahnt auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Bayernweit sind bisher 2282 Infektionen bekannt, 13 Menschen starben.

Doch warum hat sich das Virus Sars-CoV-2 ausgerechnet hier so stark ausgebreitet? Als Gerücht geistert es am Donnerstag erst durch die meist leeren Straßen, dann hält die Annahme auch Einzug in den bayerischen Landtag. Ein Starkbierfest sei vermutlich verantwortlich, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) - und erinnert in seiner Regierungserklärung gleich noch einmal an die aufgeheizte Debatte zur Absage des Starkbierfests am Münchner Nockherberg vor wenigen Wochen.

Ob tatsächlich das bierselige Fest mit engen Sitzbänken und feucht-fröhlicher Stimmung verantwortlich ist, kann noch niemand sicher sagen. Wer aber sieht, wie die Ausbreitung des Virus ohne Einschränkung der Sozialkontakte auch im Alltag verläuft, zweifelt kaum. Um so empörter reagieren Experten, Politiker und viele Bürger auf die immer noch stattfindenden Corona-Partys, bei denen sich meist junge Menschen treffen und keinerlei Abstandsregelungen einhalten.

Dabei ist Mitterteich schon am Donnerstag nicht mehr allein mit der Ausgangssperre. Auch in zwei oberfränkischen Kommunen im Landkreis Wunsiedel dürfen die Menschen nur noch mit triftigen Gründen das Haus verlassen. "Die Fallzahlen sind dort auffällig schnell und stark gestiegen", sagt die Sprecherin des Landratsamts Wunsiedel. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Im gesamten Landkreis gibt es derzeit 16 Corona-Patienten - Stand Mittwoch.

Nun sind die Menschen in ganz Deutschland gefragt, wollen sie weitere Ausgangssperren verhindern. Und was noch viel wichtiger ist: eine weitere Ausbreitung der gefährlichen Krankheit.

In seiner Regierungserklärung im Landtag findet Söder deutliche Worte. "Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein", sagt er. Man werde "nicht endlos zusehen".

Mit dieser Einschätzung ist Söder nicht allein, andere Ministerpräsidenten wie der Baden-Württemberger Winfried Kretschmann (Grüne) und der Saarländer Tobias Hans (CDU) wählen ähnliche Worte. Offen ist aber, wie eine landesweite Ausgangssperre aussehen könnte - in Österreich etwa sind dennoch Spaziergänge oder eine Jogging-Runde möglich. In Spanien und Italien ist auch das verboten.

In der Metzgerei schräg gegenüber der Kirche in Mitterteich herrscht ein Kommen und Gehen. Es kämen aber viel weniger Kunden als sonst um diese Zeit, sagt Eva-Maria Grillmeier, Ehefrau des Inhabers. Eine ältere Dame bestellt Hackfleisch und Würste. Sie kaufe nicht nur für sich selbst ein, sondern auch für zwei Bekannte, die zur Risikogruppe gehörten.

Die Menschen legten sich Vorräte an, so Grillmeier. Noch sei die Ausgangssperre ja ganz frisch. Einige Kunden ließen sich das Fleisch einschweißen zum Einfrieren. An der Theke halten die Menschen freiwillig Abstand voneinander, sodass die Warteschlange teilweise bis zur Türe hinausreicht.

Ortsfremde blicken durchaus mit Stirnrunzeln auf die Fußgänger in der Stadt. Nach Ansicht der örtlichen Polizei klappt die Ausgangssperre aber bisher gut. Nur vereinzelt hätten Menschen angesprochen und belehrt werden müssen, weil sie unberechtigterweise unterwegs waren, sagt ein Polizeisprecher. Da die Einkaufsmöglichkeiten weiter bestünden, sei Eigenverantwortung gefragt. Wer durch die Stadt gehe, habe längst Bescheinigungen des Arbeitgebers oder zumindest den Ausbildungsvertrag dabei.

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Christoph Trost, Ute Wessels, Marco Hadem
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Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
00:00 Uhr

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Christoph Trost, Ute Wessels, Marco Hadem

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20. 03. 2020
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