Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Erneute Attacke auf ausländisches Lokal in Chemnitz

Wieder wird in Chemnitz ein ausländisches Lokal attackiert - nur mit viel Glück wird bei dem Brandanschlag niemand verletzt. Die Polizei will nun reagieren.



Türkisches Restaurant
Ali Tulasoglu fotografiert die verkohlten Räume seines türkischen Restaurants in Chemnitz.   Foto: Hendrik Schmidt » zu den Bildern

Chemnitz kommt nicht zur Ruhe. Innerhalb weniger Wochen haben Unbekannte drei Restaurants in der sächsischen Stadt angegriffen. In der Nacht zum Donnerstag traf es ein türkisches Lokal, in dem Unbekannte Feuer legten.

17 Anwohner in dem Mehrfamilienhaus mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen, verletzt wurde aber niemand, wie die Polizei mitteilte. Die Anwohner waren gegen 2.20 Uhr von einer Detonation aufgeschreckt worden. Wenig später drang Rauch aus dem Lokal. Die Feuerwehr brachte den Brand schnell unter Kontrolle und die Anwohner konnten noch am Morgen in ihre Wohnungen zurückkehren.



Sachsens Innenminister Roland Wöller verurteilte den Brandanschlag als verabscheuungswürdige Tat. Er sei froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien, sagte der CDU-Politiker. Bei den Ermittlungen solle nun auch geprüft werden, «ob es Zusammenhänge in Bezug auf die Übergriffe und die Anschläge auf das jüdische Restaurant «Schalom» oder das persische Restaurant «Safran»» gebe.

Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, weil sich derzeit ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen lasse, erläuterte die Polizei. Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass Unbekannte in das Lokal eingedrungen sind und Feuer gelegt haben. Anwohner hatten kurz nach dem Brand drei Menschen gesehen, wie sie von dem Restaurant wegrannten. Brandermittler versuchten am Tatort den Hergang zu rekonstruieren.

Nach der erneuten Attacke kündigte die Polizei an, ihre Präsenz an gefährdeten Orten zu erhöhen. Auf unbestimmte Zeit sollen Polizeistreifen unter anderem die Umgebung an Asylunterkünften und ausländischen Lokalen intensiv beobachten, wie die Behörde mitteilte. Die Präsenz werde deutlich sichtbar sein, versicherte ein Polizeisprecher.

Chemnitz scheint seit der tödlichen Messerattacke auf einen 35 Jahre alten Deutschen Ende August nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Die Polizei benannte drei Asylbewerber als Verdächtige - zwei Iraker und einen Syrer. Ein Iraker war aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil gegen ihn kein dringender Tatverdacht mehr besteht. Gegen ihn wird aber weiter ermittelt. Nach dem anderen wird weiterhin gefahndet.

Zahlreiche ausländerfeindliche Proteste folgten auf die tödliche Messerattacke. Rechtsgerichtete Gruppen mobilisierten Tausende Demonstranten. Anfang Oktober hob die Polizei eine Gruppe mutmaßlicher Rechtsterroristen aus, die am Tag der Deutschen Einheit einen Anschlag geplant haben soll. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt gegen die Gruppe namens «Revolution Chemnitz».

Bereits am Rande der Proteste gegen Ausländer in Chemnitz Ende August wurde das jüdische Restaurant «Schalom» von einer Gruppe Vermummter angegriffen, es flogen Steine und Flaschen. Anfang Oktober wurde dann der Inhaber eines persischen Lokals von Unbekannten attackiert und verletzt. Drei unbekannte Männer hatten in dunkler Motorradkleidung und mit Helmen auf dem Kopf das Lokal betreten und den 52-Jährigen wortlos mit Inventar beworfen. Der Iraner kam mit leichten Blessuren ins Krankenhaus. Das Restaurant war früher bereits mit rechten Parolen beschmiert und beschädigt worden.

Beim aktuellen Brandanschlag hätten die Täter neben dem Betreiber des Lokals schlafende Anwohner bewusst in unmittelbare Lebensgefahr gebracht, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke. «Wenn Gastwirte mit jüdischem, persischem oder türkischem Namen hier nicht mehr ohne Angst ihre Einrichtungen betreiben können, dann sind das Angriffe auf uns alle und unser friedliches Zusammenleben in Chemnitz.»

Veröffentlicht am:
18. 10. 2018
17:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausländerfeindlichkeit Brandanschläge Bundesanwaltschaft Judentum Messer-Attentate Polizei Roland Wöller
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Stephan E.

19.09.2019

Mordfall Lübcke: Ermittlung wegen weiterer Bluttat

Hat der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten schon früher versucht, einen Mann zu töten? Die Bundesanwaltschaft übernimmt weitere Ermittlungen gegen Stephan E. Es geht um eine Messerattacke gegen einen A... » mehr

«Combat 18»

21.06.2019

Bericht: Stephan E. hatte jüngst noch Kontakt mit Neonazis

Vor dem Mord an Walter Lübcke stand der Verdächtige Stephan E. nicht mehr im Fokus des Verfassungsschutzes. Trotz rechtsextremer Vergangenheit galt er als eher unauffällig. Nun gibt es Hinweise, dass E. die Staatsschütze... » mehr

Messerangriff

11.10.2019

Messerattacke in Manchester: Polizei geht von Terror aus

Mehrere Menschen werden verletzt, als ein Mann in einem Einkaufszentrum mit einem großen Messer um sich sticht. Die Ermittler gehen von einem Terrorangriff aus. Die näheren Hintergründe bleiben aber zunächst im Dunkeln. » mehr

Messerattacke

04.10.2019

Terror-Verdacht nach Messerangriff in Paris

Ein Mitarbeiter der Polizei greift in der Polizeipräfektur mitten in Paris seine Kollegen mit einem Messer an. Im Raum steht nach der brutalen Tat eine große Frage: Warum? Jetzt gehen die Ermittlungen in eine neue Richtu... » mehr

Blumen am Tatort

18.09.2018

Tötungsdelikt in Chemnitz: Tatverdächtiger auf freiem Fuß

Haftprüfungstermin nach der tödlichen Gewalttat in Chemnitz: Ein Tatverdächtiger bleibt in Untersuchungshaft, einer kommt auf freien Fuß. Zu der Frage, ob der freigelassene Iraker nun einen speziellen Schutz bekommt, gib... » mehr

Rechte Kundgebung

16.11.2018

Merkel ruft zu Abgrenzung gegen Rechtsradikale bei Demos auf

Angela Merkel stellte sich drei Monate nach der tödlichen Messerattacke in Chemnitz den Fragen der Bürgern - und versuchte zu erklären, zu rechtfertigen, zu ermuntern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Country Westerntanz

Meisterschaften Country Westerntanz Meiningen | 13.10.2019 Meiningen
» 52 Bilder ansehen

Unfall Siegritz

Unfall Siegritz | 12.10.2019 Siegritz
» 11 Bilder ansehen

Unfall Dreieck Suhl

Unfall Dreieck Suhl | 10.10.2019
» 15 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 10. 2018
17:12 Uhr



^