Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Ermittler sehen Syriens Luftwaffe hinter Giftgasangriffen

Seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als neun Jahren ist Syrien immer wieder von Angriffen mit Chemiewaffen erschüttert worden. Die Regierung weist stets jede Verantwortung zurück. Ermittler kommen in einem neuen Bericht zu einem anderen Ergebnis.



OPCW zu Giftgasangriffen in Syrien
Der Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag.   Foto: Oliver Berg/dpa

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) macht Syriens Armee für drei Giftgasangriffe auf einen Ort im Nordwesten des Bürgerkriegslandes vor drei Jahren verantwortlich.

OPCW-Ermittler kommen in einem Bericht zu dem Schluss, dass die syrische Luftwaffe Ende März 2017 bei Bombardierungen des Ortes Al-Lataminah Sarin- und Chlorgas einsetzte. Sie gehen davon aus, dass derartige Angriffe nur auf Befehl höherer Ränge des syrischen Militärkommandos ausgeführt werden konnten.

Es ist der erste Bericht einer OPCW-Ermittlungskommission, die anders als bei früheren Untersuchungen auch die Schuldigen benennen soll. Dieses Mandat hatten die Ermittler gegen den heftigen Widerstand Syriens und Russlands erhalten. Die beiden Verbündeten weisen jede Verantwortung der Regierung in Damaskus für Giftgasangriffe zurück.

Bundesaußenminister Heiko Maas wertete den Bericht als wichtigen Schritt zur Aufklärung dieser «scheußlichen Verbrechen». Ein so eklatanter Völkerrechtsbruch dürfe nicht ungestraft bleiben, erklärte der SPD-Politiker in Berlin. Die internationale Staatengemeinschaft müsse umgehend reagieren und dafür sorgen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Bundesregierung werde sich hierfür im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und bei der OPCW mit Nachdruck einsetzen, betonte Maas.

Al-Lataminah wird mittlerweile von Regierungsanhängern kontrolliert, gehörte 2017 aber zu dem bis heute umkämpften Rebellengebiet um die Stadt Idlib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes. Nach Erkenntnissen der OPCW warf die syrische Luftwaffe an drei Tagen Ende März 2017 Bomben mit Giftgas über dem Ort ab. Getroffen wurde unter anderem ein Krankenhaus. Insgesamt starben drei Menschen, rund 100 wurden verletzt, wie es in dem mehr als 80-seitigen Bericht heißt.

Die Angriffe sorgten damals international nur für wenig Schlagzeilen. Die Ermittlungen bestätigten Recherchen der investigativen Internetseite Bellingcat, an denen die dpa beteiligt war.

Die OPCW-Ermittler wollen sich in weiteren Berichten auch mit anderen Giftgasangriffen in Syrien beschäftigen und Schuldige benennen. So wollen sie den verheerenden Einsatz von Chlorgas am 7. April 2018 in dem Ort Duma östlich der Hauptstadt Damaskus untersuchen, bei dem mehr als 40 Menschen ums Leben kamen.

Eine Faktenfindungskommission der OPCW war bereits im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis gekommen, dass in Duma wahrscheinlich Chlorgas eingesetzt wurde. Syriens Regierung bestreitet das und sprach von einer «Inszenierung». Einen Schuldigen nannten die Ermittler nicht, da sie dafür damals anders als heute kein Mandat besaßen. Recherchen unter anderem von Bellingcat und der «New York Times» sahen aber auch bei dem Bombardierung Dumas die syrische Regierung am Werk.

Die Führung unter Präsident Baschar al-Assad ist bereits mehrfach für Angriffe mit Chemiewaffen verantwortlich gemacht worden. So schlussfolgerte ein gemeinsames Untersuchungsteam der UN und der OPCW im Oktober 2017, Syriens Luftwaffe stecke hinter einem verheerenden Angriff auf den Ort Chan Schaichun im April zuvor, bei dem mehr als 80 Menschen getötet worden waren. Auch damals wiesen Syrien und Russland alle Vorwürfe zurück.

Das Berliner Global Public Policy Institute (GPPi) stellte in dieser Woche eine Datenbank zu 345 Giftgas-Einsätzen in dem Bürgerkriegsland ins Netz. In 98 Prozent der Fälle sei die Regierung verantwortlich gewesen, sagte Theresa Lütkefend, eine der Verantwortlichen des von Deutschland mitfinanzierten Projekts, der Deutschen Presse-Agentur. Kein Angriff habe der bewaffneten Opposition zugeschrieben werden können. Für die restlichen zwei Prozent der Angriffe seit 2012 macht das Institut die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2020
18:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baschar al-Assad Bomben Bundesaußenminister Bürgerkriege Chemische Waffen und Kampfstoffe Deutsche Presseagentur Giftgasangriffe Hauptstädte von Staaten und Teilregionen Heiko Maas Islamischer Staat Politikerinnen und Politiker der SPD Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Russische Duma Staaten Syrische Regierungen UN-Sicherheitsrat UNO
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Syrien

30.06.2020

Syrien-Konflikt: Deutschland sagt für Opfer Milliarden zu

Millionen Syrer sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der Flucht. Kann die internationale Gemeinschaft trotz der Corona-Pandemie weiterhelfen? » mehr

Maas und Netanjahu

11.06.2020

Maas versucht sich als Vermittler im Nahost-Konflikt

Der Konflikt im Nahen Osten droht wieder zu eskalieren. Inwieweit kann Deutschland dazu beitragen, das zu verhindern? Außenminister Maas versucht das bei einer Reise in die Region auszuloten. » mehr

Angriff auf Schule

11.05.2020

Gezielte Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen in Syrien

Bei Luftangriffen in Syrien werden immer wieder auch Krankenhäuser und Schulen getroffen. Kritiker werfen der Assad-Regierung und dem verbündeten Russland vor, die zivilen Einrichtungen vorsätzlich ins Visier zu nehmen. ... » mehr

US-Truppenabzug

22.10.2019

SPD beklagt Kramp-Karrenbauers Alleingang bei Syrien-Vorstoß

Deutschland soll im umkämpften Nordsyrien kein «Zaungast» mehr sein. So will es die Verteidigungsministerin. Doch Kramp-Karrenbauers Ad-hoc-Ansage wirft viele Fragen auf. Die SPD und ihr Außenminister sind jedenfalls übe... » mehr

Konflikt in Syrien

27.02.2020

Putin dämpft Hoffnung auf Syrien-Gipfel

Die Lage in der letzten großen Rebellenhochburg Idlib wird immer dramatischer. Fast einen Million Menschen sind auf der Flucht. Mit Hilfe der Türkei versetzen Rebellen der Regierung einen Schlag. » mehr

Treffen der EU-Außenminister

06.03.2020

Waffenruhe beruhigt Lage in Idlib

Seit Wochen erlebt Syriens letzte großes Rebellengebiet ein neues Flüchtlingsdrama. Ein Abkommen zwischen Putin und Erdogan soll die Situation entspannen - doch die Rebellen sind skeptisch. Im Migrationsstreit pocht die ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 8 Bilder ansehen

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2020
18:15 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.