Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Erdogan droht mit Schließung von Stützpunkten für US-Militär

Syrien, eine russische Raketenabwehr und die Armenier-Resolution - Washington und Ankara liegen bei vielen Themen über Kreuz. Nun nutzt der türkische Präsident Erdogan zwei Stützpunkte als Druckmittel.



Luftwaffenstützpunkt Incirlik
Militärflugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik. Angesichts der Spannungen mit Washington hält Ankara auch eine Schließung von Stützpunkten für die USA für möglich.   Foto: Dha/Zuma Press/dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den USA angesichts der Spannungen zwischen beiden Ländern mit der Schließung zweier Stützpunkte gedroht.

«Wenn erforderlich» könne man die von den USA genutzte Luftwaffenbasis Incirlik in der Provinz Adana und die US-Radarstation Kürecik in der Provinz Malatya schließen, sagte Erdogan am Sonntagabend in einem Interview mit dem Sender A Haber. Insbesondere wenn «Maßnahmen wie Sanktionen» gegen die Türkei in Kraft treten sollten, werde man die entsprechende Antwort geben, sagte Erdogan.

«Für beide Seiten ist es wichtig, dass die USA keine Schritte unternehmen, die irreparabel für unsere Beziehungen sind», fügte er hinzu. Die Äußerungen Erdogans könnten die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei weiter belasten.

Diese sind ohnehin angespannt, unter anderem weil die Türkei im Sommer das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft hatte. US-Senatoren fordern deswegen Sanktionen gegen die Türkei. Vergangene Woche hatte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bereits angedeutet, dass die Türkei im Fall von US-Sanktionen den USA den Zugang zu Incirlik und Kürecik verwehren könnte.

Die USA und die Türkei hatten 1954 ein Abkommen zur gemeinsamen Nutzung Incirliks unterschrieben. Für die USA diente der Stützpunkt seitdem als Drehscheibe für Einsätze in Afghanistan und Syrien sowie im Irak.

Bis 2017 hoben von Incirlik auch deutsche Tornados für Einsätze im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ab. Weil die Türkei deutschen Abgeordneten immer wieder Besuche der dort stationierten Bundeswehrsoldaten verweigert hatte, zog die Bundesregierung die Soldaten nach monatelangem Streit aus Incirlik ab. Die Tornado-Aufklärungsjets wurden nach Jordanien verlegt.

Die USA reagierten trotz der Drohung Erdogans zunächst beschwichtigend. «Wir sehen den Status unserer Streitkräfte in der Türkei als Symbol für unser jahrzehntelanges Engagement, mit unserem Nato-Verbündeten und strategischen Partner Türkei zusammenzuarbeiten und ihn zu verteidigen», sagte ein Pentagon-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Das Ministerium wolle diese gute Beziehung bewahren und die Türkei zu einer «konstruktiveren Politik» in Bezug auf das Raketenabwehrsystem S-400, Syrien und andere Konfliktthemen ermuntern.

Die US-Regierung befürchtet unter anderem, dass Russland über das empfindliche Radar der Raketenabwehr S-400 an Daten über die Fähigkeiten des US-Kampfjets F-35 gelangen könnte. Ankara war Partner beim Bau des Kampfjets und wollte zahlreiche Flugzeuge kaufen. Wegen des Rüstungsdeals mit Moskau haben die USA die Türkei aus dem F-35-Programm ausgeschlossen. Harte Sanktionen blieben bislang aber aus.

Das Verhältnis zwischen den Nato-Partnern ist auch angespannt, weil nach dem Repräsentantenhaus auch der US-Senat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anerkannt hat. Eine entsprechende Resolution wurde am Donnerstag verabschiedet. Die Türkei protestierte scharf. Erdogan sagte am Sonntag, es handele sich um eine politische Entscheidung, die inakzeptabel sei.

Während des Ersten Weltkriegs wurden Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Die Kongress-Resolutionen sind rechtlich nicht bindend, haben aber Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei. Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft - das belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 12. 2019
17:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Bundeswehrsoldaten Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Incirlik Air Base Islamischer Staat Massaker Ministerien Personen aus Armenien Recep Tayyip Erdogan Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Soldaten US-Militär US-Regierung US-Senat US-Senatoren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trump in Ramstein

16.06.2020

Fast 10.000 US-Soldaten sollen Deutschland verlassen

US-Präsident Trump beschwert sich seit Jahren über den deutschen Verteidigungsetat. Jetzt zieht er Konsequenzen. Tausende Soldaten sollen als Strafaktion abgezogen werden. Die Bundesregierung wurde nur sehr oberflächlich... » mehr

Raketenangriff auf Ghassem Soleimani

03.01.2020

Droht neuer Krieg? US-Militär tötet iranischen Top-General

Ghassem Soleimani war in der arabischen Welt als wichtigster Vertreter des iranischen Militärs berühmt-berüchtigt. Teheran will nach seiner Tötung durch die USA «Rache». Es droht eine Spirale der Gewalt. » mehr

Heiko Maas

15.01.2020

Maas: Irakische Regierung für Verbleib der Bundeswehr

Soll die Bundeswehr im Irak bleiben oder abziehen? Im Bundestag sind sich Regierung und Opposition uneins. Und aus der irakischen Hauptstadt Bagdad kommen widersprüchliche Signale. » mehr

US-Truppen in Deutschland

11.06.2020

Bundesregierung über Abzugspläne von US-Soldaten informiert

Sind Berichte über Pläne für einen Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland mehr als die Drohung eines verärgerten US-Präsidenten? Die Bundesregierung wurde nun informiert. Ex-Botschafter Grenell staunt demonstrativ über... » mehr

Bundeswehr im Irak

07.01.2020

Bundeswehr verlässt Zentralirak - Auch Nato zieht Truppen ab

Der internationale Konflikt nach der Tötung von Irans Top-General Soleimani durch die USA hat Auswirkungen auf die Bundeswehr: Sie zieht ihre Soldaten aus den Standorten Bagdad und Tadschi im Irak vorerst ab. Aus den USA... » mehr

Flüchtlinge auf Lesbos

Aktualisiert am 29.02.2020

Krise in Syrien: EU-Grenze zur Türkei wird zum Brennpunkt

Die Türkei greift laut Erdogan zahlreiche Ziele in Syrien an und lässt Tausende Migranten in Richtung EU passieren. Griechenland will illegale Übertritte verhindern und beantragt eine Sondersitzung der EU-Außenminister. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kellerbrand Benshausen Benshausen

Kellerbrand Benshausen | 03.07.2020 Benshausen
» 10 Bilder ansehen

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

AfD Treffen in Suhl Suhl

AfD Treffen in Suhl | 26.06.2020 Suhl
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 12. 2019
17:20 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.