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Ende der Coronavirus-Krise ist nicht in Sicht

Das neue Coronavirus hat China weitgehend lahmgelegt. Als eines der ersten Unternehmen räumt Apple ein, dass sein Geschäft hart von Covid-19 getroffen wird. Der Chef einer Expertenkommission rechnet mit einer Stabilisierung der Epidemie erst zu Ende April.



Coronavirus
Ein medizinischer Mitarbeiter im Jinyintan-Krankenhaus in der zentralchinesischen Provinz Hubei bei der Arbeit.   Foto: CHINATOPIX/AP/dpa » zu den Bildern

Die Wirtschaft bekommt die Folgen der Covid-19-Epidemie in China zunehmend zu spüren. Die Produktion kommt nach dem Ende der wegen des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 verlängerten Neujahrsferien vielfach nur schleppend wieder in Gang.

Apple wird in der Folge die erst wenige Wochen alte Umsatzprognose für das laufende Quartal verfehlen. Bei iPhones gebe es Lieferengpässe, weil die Produktion in China langsamer hochgefahren werde als geplant, teilte der Konzern mit.

Zudem sorgen Chinas radikale Maßnahmen im Kampf gegen die Lungenkrankheit für Probleme auch bei europäischen Unternehmen. Die EU-Handelskammer in China teilte am Dienstag in Peking mit, dass widersprüchliche Regeln lokaler Stellen es extrem schwierig machten, die Arbeit diese Woche wieder aufzunehmen. «Das Ausmaß der Herausforderungen ist riesig», sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke vor Journalisten. Lieferketten seien unterbrochen, Produkte könnten nicht verschifft werden: «Es ist ein logistischer Alptraum.»

Auf dem Weltmarkt mangelt es demnach in der Folge bereits an bestimmten Ersatzteilen. Da Chinas pharmazeutische Industrie ebenfalls schwer betroffen sei, könnte es zudem weltweit zu Engpässen bei Antibiotika und anderen Medikamenten kommen. Die Epidemie hinterlässt Spuren in den Konjunkturerwartungen von Finanzexperten: Diese trübten sich überraschend deutlich ein, wie der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigte.

Eine Ende der Krise ist weiter nicht in Sicht: Die Epidemie der neuen Lungenkrankheit wird sich nach Einschätzung eines Experten in China möglicherweise erst Ende April stabilisieren. «Das ist eine sehr grobe Schätzung», sagte Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung. Die Zahl der in der offiziellen Statistik erfassten Fälle lag am Dienstag bei gut 72.000, die der Todesfälle in Festland-China bei 1868. Experten gehen allerdings von einer um ein Vielfaches höheren Dunkelziffer bei den Fallzahlen aus.

Nach einer von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben im Land 2,3 Prozent der mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten. Betroffen seien weiter vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Bei Menschen über 80 Jahren liege die aus den bisher vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, berichtete die Behörde, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.

In der weit überwiegenden Zahl der Fälle - der Gesundheitsbehörde zufolge mehr als 80 Prozent - zeigen Menschen, die sich mit dem Covid-19-Erreger angesteckt haben, nur milde Symptome. Knapp 14 Prozent der Betroffenen entwickeln demnach schwere Symptome wie Atemnot, knapp 5 Prozent lebensbedrohliche Auswirkungen wie Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen.

Auch der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Montag unter Bezug auf die Datenanalyse aus China von gut 80 Prozent milden Infektionsverläufen gesprochen. Es gebe zudem relativ wenige Fälle bei Kindern, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus. Noch sei aber unklar, warum das so sei.

Generell geben die Daten aus China eher einen Trend wieder als die tatsächlichen Werte - unter anderem, weil in die Analyse auch Fälle ohne Bestätigung der Infektion durch einen Labortest einflossen. Zudem sei die Dunkelziffer der Covid-19-Infizierten in der Provinz Hubei vermutlich sehr hoch, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing. «Wer geht denn jetzt noch ins Krankenhaus zum Arzt, wenn er Angst hat, unter Quarantäne steht und die Wohnung ohnehin nur schwer verlassen kann?»

Die Zahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzfahrtschiffes «Diamond Princess» in Japan stieg auf 542. Zu den nachweislich Infizierten, die alle in Kliniken gebracht wurden, gehört auch ein deutsches Ehepaar. Insgesamt waren anfangs zehn deutsche Staatsangehörige an Bord. Nach zweiwöchiger Quarantäne sollten am Mittwoch die ersten der noch etwa 3000 Menschen auf dem in Yokohama liegenden Schiff von Bord gehen. Die USA hatten bereits am Montag 328 Landsleute heimgeholt, darunter auch mindestens 14 Infizierte. Diese werden in Kliniken behandelt, alle übrigen Rückkehrer sollten für 14 Tage in Quarantäne bleiben.

Erste Rückkehrer nach Deutschland gab es vom Kreuzfahrtschiff «Westerdam» in Kambodscha: Zwei Brandenburger kehrten am Dienstag heim. Beide weisen keine Symptome auf und befinden sich in häuslicher Isolation, wie das brandenburgische Gesundheitsministerium mitteilte. Bei einer 83-jährigen Passagierin der «Westerdam» aus den USA war bei der Weiterreise in Malaysia Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Unklar war, wo sie sich angesteckt hat. Die Frau war in Hongkong zugestiegen.

Andere der 57 deutschen Passagiere des Schiffes warteten in Kambodscha noch auf ihre Weiterreise. «Meine größte Sorge ist, wie wir jemals diesen Ort verlassen sollen, wenn uns alle Fluggesellschaften abweisen», sagte Alexandra Dorschu (34) aus dem nordrhein-westfälischen Dorsten, die in einem Hotel in Phnom Penh ausharrte.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 02. 2020
16:38 Uhr

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18. 02. 2020
16:38 Uhr



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