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Empörung nach US-Kündigung des Pariser Klimaabkommens

US-Präsident Donald Trump hält Wort und kündigt das Pariser Klimaabkommen auf. Fast gleichzeitig warnen Tausende Wissenschaftler vor «unsäglichem menschlichem Leid». Aber nicht nur die USA verzögern den Kampf gegen die Klimakrise.



Kohlekraftwerk am Kapitol
Die Kuppel des Kapitols in Washington D.C. hinter den ABgasen des Kapitol-Kraftwerks.   Foto: Jim Lo Scalzo/EPA/dpa » zu den Bildern

Mehr als 11.000 Wissenschaftler haben vor einem weltweiten «Klima-Notfall» gewarnt - während US-Präsident Donald Trump mit der Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens eine Welle des Protests losgetreten hat.

Knapp vier Wochen vor dem UN-Klimagipfel erklärten die Forscher aus 153 Ländern im Fachjournal «BioScience», ohne grundlegendes Umsteuern sei «unsägliches menschliches Leid» nicht mehr zu verhindern. «Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass ein Klima-Notfall auf uns zukommt.»

Am Montagabend war bekannt geworden, dass die USA - wie von Trump angekündigt - bei den Vereinten Nationen offiziell ihre Kündigung für das Pariser Abkommen eingereicht haben. Von Brüssel über Berlin bis Moskau gab es Kritik an dem Schritt. «Der Rest der Welt steht zusammen beim Klimaschutz», sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Allerdings zeigt eine neue Untersuchung auf, dass auch der Rest der Welt größtenteils beim Einsparen von Treibhausgasen nicht das liefert, was Klimawissenschaftler für notwendig halten.

Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder im Rahmen des Pariser Abkommens eingereicht haben, sind demnach nicht ehrgeizig genug. Gemessen am Ziel, den Ausstoß bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heißt es in der am Dienstag vorgestellten Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.

Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhunderts wohl bei gut drei Grad.

Der vergangene Monat war nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus der global wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen dort 1981. Der Oktober sei damit der fünfte Monat in Folge, der bisherige Rekordtemperaturen übertraf oder nahe an diese herankam, hieß es am Dienstag.

Es ist schon lang klar, dass die Klimaschutz-Pläne in der Summe nicht ausreichen. Alle fünf Jahre sollen sie dem Pariser Abkommen zufolge deshalb nachgeschärft werden. 2020 ist es soweit, dann sollen neue Pläne auf dem Tisch liegen.

Besonders im Fokus der Autoren des neuen Berichts zu den nationalen Zusagen stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen: China, Indien, die USA und Russland. China und Indien haben bisher nur zugesagt, die Emissionen langsamer wachsen zu lassen als ihre Wirtschaft. Russland hat noch keinen Plan eingereicht - und die USA verabschieden sich aus dem Abkommen. Allerdings tritt die Kündigung erst nach einem Jahr in Kraft.

US-Präsident Donald Trump hatte diesen Schritt bereits im Juni 2017 angekündigt. Das Pariser Klimaabkommen trat vor genau drei Jahren in Kraft - so lange musste der Pakt wirksam sein, bevor ein Staat austreten durfte. Sein Land werde auch weiter mit Partnern zusammenarbeiten, «um die Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu stärken», erklärte Außenminister Mike Pompeo.

Trump hatte das Abkommen als zu kostspielig und den Vereinigten Staaten gegenüber unfair kritisiert. In den USA beginnt gerade der Präsidentschaftswahlkampf. Führende Demokraten kritisierten den Schritt scharf. Trump begehe damit Verrat an der Zukunft aller Kinder, erklärte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.

Deutschlands Umweltministerin Schulze betonte, auch in den USA gebe es unterhalb der nationalstaatlichen Ebene eine «ungebrochene Dynamik für den Klimaschutz». Im Bündnis «We are still in» - also «Wir sind noch drin» - haben sich zehn Bundesstaaten, 287 Städte und Regionen sowie Unternehmen und andere zusammengeschlossen. Man werde auch bei der UN-Klimakonferenz vom 2. bis 15. Dezember in Madrid vor Ort sein und Gespräche mit Regierungen führen, teilte das Bündnis mit.

Derzeit ist auch die 16 Jahre alte Klimaaktivistin Greta Thunberg in den USA unterwegs. Dort traf sie sich unter anderem mit dem ehemaligen Gouverneur von Kalifornien und Schauspieler Arnold Schwarzenegger zu einer Radtour. «Es war fantastisch, vergangene Woche meine Freundin und eine meiner Heldinnen zu sehen und mit ihr eine Fahrradtour rund um Santa Monica zu machen», schrieb der 72-Jährige am Dienstag bei Instagram und veröffentlichte mehrere Bilder.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 11. 2019
21:22 Uhr

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05. 11. 2019
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