Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Eben noch Helden des Alltags, jetzt Hartz-IV-Aufstocker

Niedrige Verdienste gibt es in vielen Wirtschaftsbereichen. Reicht es nicht zum Lebensunterhalt, kann man noch zusätzliche Unterstützung vom Staat erhalten. Wo ist solches «Aufstocken» stark verbreitet?



Kassiererin
Eine Frau an einer Kasse in einem Supermarkt. Rund eine Million Menschen müssen in Deutschland ihr niedriges Einkommen mit Hartz IV aufstocken.   Foto: Tom Weller/dpa

Die Linke im Bundestag kritisiert, dass in mehreren Berufen besonders viele Beschäftigte Löhne mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken müssen.

«Betroffen sind auch ausgerechnet diejenigen, die eben noch als Helden des Alltags gefeiert wurden», sagte Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur etwa mit Blick auf Beschäftigte im Einzelhandel oder Reinigungskräfte und die Corona-Krise. Insgesamt sei es nicht hinnehmbar, dass rund eine Million Menschen in Deutschland ihr niedriges Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssten.

Laut einer Sonderauswertung der Bundesarbeitsagentur, die Zimmermann angefordert hat, waren unter 656 000 Reinigungskräften der unteren Qualifikationsstufe «Helfer» 10,1 Prozent Aufstocker - unter Helfern aller Berufe waren es 5 Prozent. Von 176 000 Reinigungsfachkräften bezogen demnach 7,8 Prozent ergänzend Hartz IV - verglichen mit 1,6 Prozent bei Fachkräften aller Berufe. Die Angaben beziehen sich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Jahresschnitt 2018. Unter Reinigungskräften mit Minijob bekamen demnach 14,3 Prozent der Helfer und 16,1 Prozent der Fachkräfte ergänzende Unterstützung.

Wenn bei Erwerbstätigen der Lohn nicht für den Lebensunterhalt reicht, können sie ihn aufstocken, indem sie zusätzlich Hartz-IV-Leistungen bekommen. Die Arbeitsagentur selbst spricht nicht von «Aufstockern», sondern von «Ergänzern» oder «erwerbstätigen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten».

Auffällig hohe Anteile mit zusätzlichen Hartz-IV-Zahlungen gab es laut der Auswertung etwa auch bei Helfern im Lebensmittelverkauf (13,5 Prozent) und in der Speisenzubereitung (9,9 Prozent). Im Bereich Körperpflege mussten demnach 22,7 Prozent der Helfer, aber auch 7,9 Prozent der Fachkräfte aufstocken. In Gastronomieberufen stockten 7,6 Prozent der Helfer und 6 Prozent der Fachkräfte Löhne mit Hartz IV auf.

Zimmermann sagte, betroffen seien Menschen in allen Lebensformen, auch Alleinstehende und Paare ohne Kinder. «Gute tarifliche Bezahlung muss endlich zum Standard werden.» Nötig seien zudem etwa ein höherer Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde und ein Rechtsanspruch auf eine Mindest-Wochenarbeitszeit, verbunden mit strikten Zeitkontrollen.

«Denn zu viele Beschäftigte werden unfreiwillig mit Teilzeitverträgen abgespeist, um sie flexibler einsetzen zu können, arbeiten aber faktisch dann doch unbezahlt länger», kritisierte Zimmermann. Gerade in der Pandemie werde auch klar, dass Minijobs nicht existenzsichernd seien. «Sie müssen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden.»

© dpa-infocom, dpa:200712-99-759951/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2020
09:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Die Linke Erwerbsfähige Erwerbstätige Erwerbstätigkeit Fachkräfte Geringfügige Beschäftigung Hartz-IV Löhne und Einkommen Niedrige Einkommen Sabine Zimmermann Tarife (Löhne und Einkommen)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Passkontrolle

21.07.2020

Arbeitsmigranten: Westbalkanregelung soll verlängert werden

Sollen Menschen aus dem Westbalkan weiter unter erleichterten Bedingungen nach Deutschland zum Arbeiten kommen können? Zuletzt hatte es Fragezeichen gegeben. Nun soll entschieden werden. » mehr

Beruflicher Abschluss

23.01.2020

Immer mehr Menschen ohne Abschluss mit Niedriglohn

Viele Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Doch auf der anderen Seite ist die Zahl der Menschen ohne Abschluss stark gestiegen - mit negativen Folgen für die Betroffenen. » mehr

Minijob

21.01.2020

Millionen mit Nebenjobs - Neuer Rekord in Deutschland

Noch nie gingen so viele Menschen in Deutschland mehreren Jobs gleichzeitig nach wie heute. Bei den meisten spielt das Geld die entscheidende Rolle. Doch es gibt auch andere Motive. » mehr

Gebäudereinigerin

28.04.2019

Mehr als 3 Millionen verdienen in Vollzeit unter 2000 Euro

Reinigungskräfte und Beschäftigte in Hotels und Gaststätten kommen mit ihren Einkommen oft nicht weit. Aber sie stehen mit vergleichsweise geringen Löhnen bei weitem nicht allein da. » mehr

Armutsrisiko von Erwerbslosen

21.05.2020

Regionale Unterschiede bei Armutsrisiko für Arbeitslose

Von der guten Konjunktur und dem robusten Arbeitsmarkt profitierten lange Millionen Bürger. Doch Probleme mit Armut verschwanden nicht. Vor allem bei Erwerbslosen ist das statistische Risiko dafür höher. » mehr

Gebäudereinigerin

28.09.2018

Immer mehr Hartz IV für Menschen in Arbeit

Hunderttausende Menschen in Deutschland sind auf Grundsicherung angewiesen - obwohl sie arbeiten. Über die Jahre kommen so dreistellige Milliardensummen zusammen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand Muellverbrennung

Brand Müllverbrennung Zella-Mehlis | 02.08.2020 Zella-Mehlis
» 25 Bilder ansehen

Waldbrand Lauscha

Waldbrand Lauscha | 02.08.2020 Lauscha
» 7 Bilder ansehen

Großeinsatz im Schwimmbad Lauscha

Chlor im Schwimmbad Lauscha ausgetretten |
» 21 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2020
09:02 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.