Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

EU-Staaten einigen sich auf Klimaziel für 2050

Mühsames Ringen um einzelne Wörter in den Verhandlungsräumen, lautstarke Forderungen nach mehr Klimaschutz außen herum: Der planmäßig letzte Tag auf der UN-Klimakonferenz in Madrid dürfte lang werden. Es geht um viel.



EU-Gipfel in Brüssel
Angela Merkel beim Treffen mit dem neuen EU-Ratspräsidenten Charles Michel.   Foto: Stephanie Lecocq/EPA Pool/AP/dpa » zu den Bildern

Auf der Weltklimakonferenz in Madrid steht den Unterhändlern ein mühsamer Endspurt bevor. Vor dem eigentlich geplanten Abschluss am Freitagabend waren alle wichtigen Fragen noch ungeklärt - und die Gräben zwischen den Staaten teils tief.

In der Nacht zum Freitag sollten Fachleute die Texte überarbeiten, mit neuen Entwicklungen wurde in Verhandlungskreisen erst im Lauf des Vormittags gerechnet.

Grundsätzlich geht es bei den UN-Verhandlungen um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015, in dem sich fast 200 Staaten das Ziel gesetzt haben, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Dazu ist es Wissenschaftlern zufolge notwendig dass der Ausstoß von Treibhausgasen - vor allem Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas - schnell und deutlich zurückgeht. Bisher steigen die Emissionen weltweit aber, auch für 2019 wird wieder ein Plus vorausgesagt.

Am Donnerstag hatten sich junge Klimaaktivisten, aber auch Entwicklungsländer und kleine Inselstaaten enttäuscht gezeigt über die aus ihrer Sicht geringen Fortschritte. An diesem Freitag wollen unter anderem die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und ein Bündnis europäischer Jugendlicher erneut in Madrid demonstrieren.

In der Schlussphase der diesjährigen Verhandlungen geht es insbesondere um drei Streitpunkte:

MEHR KLIMASCHUTZ: Vor allem, aber nicht nur die vom Klimawandel besonders bedrohten Staaten wollen ein deutliches und sichtbar platziertes Signal, dass alle Länder im kommenden Jahr ihre nationalen Klimaschutz-Ziele für 2030 nach oben schrauben. Das ist im Pariser Klimaabkommen eigentlich sowieso vorgesehen. Aber Symbole sind wichtig in der Klimadiplomatie - denn damit könnte Druck gemacht werden auf Länder, die lieber nicht nachlegen wollen.

MEHR GELD: Die ärmeren Länder trauen der Zusage reicherer Staaten nicht recht, von 2020 an jedes Jahr 100 Milliarden Euro für «Klimafinanzierung» zu mobilisieren - das umfasst öffentliches und privates Geld. Besonders im Fokus steht in diesem Jahr die Finanzierung von nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten durch den Klimawandel, vor allem Extremwetter wie Stürme oder Dürren, die heftiger und zahlreicher werden.

MEHR HANDEL: Vorgesehen ist, dass Klimaschutzmaßnahmen künftig als Zertifikate gekauft oder verkauft werden können. Wer seine Ziele beim Einsparen von Treibhausgasen übererfüllt, kann sie verkaufen, und wer nicht so schnell vorankommt, kann sie kaufen. Wie genau das gemacht werden soll und was alles als Klimaschutzmaßnahme zählt, ist allerdings umstritten - Kritiker fürchten Schlupflöcher, die den Klimaschutz schwächen. Besonders hart gerungen wird um die Frage, was mit Zertifikaten passieren soll, die Länder noch aus der Zeit vor dem Pariser Klimaabkommen übrig haben.

Bereits am Donnerstag waren die Verhandler davon ausgegangen, dass nicht wie zunächst vorgesehen am Freitag um 18 Uhr Schluss sein würde. Dass es länger dauert als geplant, ist bei den Klimaverhandlungen aber nicht außergewöhnlich. «Auch eine Verlängerung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier absehbar nichts rauskommt, das die Ambitionen im Klimaschutz erhöhen kann», sagte Martin Kaiser von Greenpeace, der die Verhandlungen vor Ort beobachtet, der dpa.

Kritisch sieht er, dass in den Handel mit Zertifikaten auch aufgenommen werden könnte, wenn ein Land Urwald nicht abholzt oder industriell, also als Plantagen, aufforstet. Das sei ein Irrweg, sagte Kaiser. «Der notwendige schnelle Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas wird dadurch nur verzögert.» Anreize für den Erhalt von Wäldern müsse man von dem Zertifikatehandel abkoppeln. «Deutschland und die EU dürfen nicht zulassen, dass die Integrität des Pariser Abkommens durch ein windiges Zertifikatesystem aufs Spiel gesetzt wird.»

Die EU-Staaten einigten sich in der Nacht zum Freitag bei ihrem Gipfel in Brüssel im Kampf gegen die Erderwärmung grundsätzlich auf das Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050. Allerdings holte Polen, das 77 Prozent seines Stroms aus Kohle bezieht, für sich eine Sonderregel bei der Klimaneutralität heraus. Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich unter den gegebenen Umständen dennoch zufrieden. «Es gibt keine Spaltung Europas in verschiedene Teile, sondern es gibt einen Mitgliedstaat, der noch etwas Zeit braucht.» Polen machte deutlich, dass es sich beim Ziel der Klimaneutralität keinen Druck machen lassen will. «Wir werden es in unserem eigenen Tempo erreichen», teilte die Vertretung Warschaus unter Berufung auf Ministerpräsident Mateusz Morawiecki mit. Im Juni soll darüber erneut geredet werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2019
08:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ARD Andrej Babis Boris Johnson Bundeskanzlerin Angela Merkel Charles Michel Deutsche Presseagentur Deutscher Industrie- und Handelskammertag Emmanuel Macron Erderwärmung Europäische Kommission Europäische Union Greenpeace Kanzler Klima-Abkommen Klimaschutz Klimaveränderung Markus Söder Martin Kaiser Stürme Treibhausgase Twitter Ursula von der Leyen Weltklimakonferenzen Wetterextreme Xavier Bettel ZDF
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Proteste

14.12.2019

Klimagipfel zwischen Sorge und Wut: Kein Durchbruch in Sicht

Ein Ende ist noch nicht abzusehen: Die Verhandlungen bei der UN-Klimakonferenz in Madrid gestalten sich auch am Tag nach dem geplanten Abschluss weiter schwierig. Bei den Umweltschützern wächst die Wut. Und auch Umweltmi... » mehr

Demo in Madrid

07.12.2019

Klimagipfel in Madrid geht in entscheidende Woche

Appelle, Proteste und Hiobsbotschaften gab es in der ersten Woche des Madrider Klimagipfels genug. Aber werden die Verantwortlichen jetzt auch konkrete Maßnahmen beschließen? Die Blicke richten sich speziell auf die EU. ... » mehr

Arktis

02.12.2019

UN-Klimakonferenz: Guterres fordert Tempo

Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern weltweit spürbar. Was auf dem Spiel steht, wird auch beim Auftakt der UN-Klimakonferenz in Madrid deutlich. Die Unterhändler haben zwei schwierige Wochen... » mehr

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen

11.12.2019

Von der Leyen vergleicht «Green Deal» mit der Mondlandung

Nur elf Tage nach Amtsantritt legt die EU-Kommission ein ehrgeiziges neues Klimaziel vor - und erste Pläne für die Umsetzung. Doch noch warten viele Widerstande. » mehr

Braunkohletagebau im brandenburgischen Jänschwalde

10.12.2019

Klimaschutz-Index: Deutschland schneidet etwas besser ab

Die Bundesregierung kassiert für ihre Klimaschutz-Pläne viel Kritik. In einer Rangliste der Länder mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß klettert Deutschland in diesem Jahr aber ein klein wenig nach oben. Die Autoren sehe... » mehr

Klimakonferenz in Madrid

15.12.2019

Klimagipfel endet mit Enttäuschung statt Fortschritten

Zwei Wochen lang haben fast 200 Länder beim UN-Klimagipfel verhandelt, gestritten und gerungen - am Ende stand es Spitz auf Knopf. Nie zuvor wurde länger überzogen. Die Bilanz ist nicht nur aus Sicht von Umweltschützern ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Busunglück Berka vor dem Hainich

Schulbusunglück nahe Eisenach | 23.01.2020 Berka vor dem Hainich
» 2 Bilder ansehen

Einfamilienhaus brennt in Schmalkalden Schmalkalden

Brand in Schmalkalden | 23.01.2020 Schmalkalden
» 3 Bilder ansehen

Platz 8: Abendstimmung von Maik Weiland

Blende 2020 "In Bewegung" |
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2019
08:44 Uhr



^