Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Die E-Tretroller kommen - auf Radwegen und ab 14 Jahren

Von Paris bis Tel Aviv: In internationalen Metropolen sind Tretroller mit Elektromotor schon unterwegs. Nun soll es auch in Deutschland so weit sein - mit strengeren Regeln als geplant. Aber Bedenken bleiben.



E-Tretroller
Revolution im Stadtverkehr? Laut einer Umfrage können sich 56 Prozent der Teilnehmer nicht vorstellen, mit einem E-Tretroller zu fahren.   Foto: Christophe Gateau » zu den Bildern

Elektro-Tretroller können bald in deutschen Städten starten. Der Bundesrat machte am Freitag den Weg für eine Zulassung sogenannter E-Scooter mit maximal 20 Kilometern pro Stunde (km/h) im Sommer frei - änderte aber wichtige Sicherheitsregeln.

Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und Radwege nutzen, auch wenn sie auf langsameren Modellen unterwegs sind. Gehwege bleiben für die neuen Gefährte zum Schutz von Fußgängern tabu. Die Bundesregierung will die Änderungen nun zügig umsetzen, nötig ist noch ein Kabinettsbeschluss. Voraussichtlich im Juni soll die geplante Verordnung in Kraft treten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wichtig war, dass wir eine schnelle und - für alle Verkehrsteilnehmer - gute Einigung erzielt haben.» E-Rollerfahrer dürften sich freuen: «Noch vor der Sommerpause geht's für sie nun endlich richtig los.» Der Bund will dafür auf Sicherheitsbedenken der Länder eingehen. Ursprünglich war in der Verordnung vorgesehen, dass langsamere E-Tretroller in Schrittgeschwindigkeit auf Bürgersteigen fahren sollten. Sie sollten mit einem Maximaltempo von unter 12 km/h auch schon für Zwölfjährige erlaubt werden. Beides ist nun vom Tisch.

Die neuen E-Roller sollen insbesondere für kurze Strecken etwa von der Bushaltestelle ins Büro oder zum Geschäft ein paar Straßen weiter ein neues Angebot sein. Sie sind in der Regel kleiner und leichter als Fahrräder, oft lassen sie sich auch zusammenklappen. Anbieter von Leih-Rollern stehen in größeren Städten schon in den Startlöchern. Auch in ICEs und Intercitys sollen die Gefährte nach Angaben der Bahn kostenlos an Bord - zusammengeklappt unter oder über dem Sitz.

Allerdings gibt es weiterhin auch viele Bedenken, was Sicherheit, Ärger mit Radfahrern und Umweltaspekte angeht. Forderungen, die Gefährte erst ab 15 Jahren zu erlauben, fanden im Bundesrat keine Mehrheit. Einen Helm müssen die Fahrer nicht tragen, sie brauchen auch keinen Führerschein. Anders als Fahrräder sollen die neuen Gefährte versicherungspflichtig sein, dafür soll es einen Aufkleber geben. Fahren sollen die Tretroller in der Regel auf Radwegen oder Radfahrstreifen - gibt es keine, darf die Fahrbahn genutzt werden.

Fußgängervertreter und Verkehrssicherheitsexperten waren gegen eine Nutzung von Gehwegen Sturm gelaufen. Aber auch viele Radfahrer sind nun nicht begeistert von der Aussicht, sich ihre Wege künftig mit E-Tretrollern zu teilen. «Wir sagen: Doppelt so viel Platz und hohe Wegequalität für den Radverkehr, dann klappt's auch mit dem gemeinsamen Fahren von Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern», sagte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC, Burkhard Stork. Radwege seien ohnehin oft schlecht, holprig oder gar nicht vorhanden. Für E-Scooter mit kleineren Rädern und hoher Beschleunigung sei das «richtig unbequem und gefährlich».

Umweltschützer sehen die elektrischen Flitzer als Baustein einer Verkehrswende, fordern aber eine größere Debatte darüber, welchen Raum welches Verkehrsmittel bekommt: «Wer Verkehrsmittel abseits des Autos stärken oder neu etablieren will, muss ihnen zusätzlichen Raum geben. Und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden», sagte etwa BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Zudem sieht er Verleihsysteme kritisch: Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass dort viele Roller «offenbar bereits nach drei Monaten ausgetauscht und verschrottet werden.»

Chaos wie mit dem mobilen Verleih von Fahrrädern, der in vielen Städten Ärger macht, wollen die Kommunen diesmal vermeiden. Die Räder standen und stehen teils kreuz und quer auf Bürgersteigen oder liegen kaputt herum. Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy hatte betont, dass Fahrzeuge unterschiedlicher Anbieter gebündelt werden müssten, wo öffentlicher Platz knapp sei. Dafür könnten die Städte dann Sondergenehmigungen für öffentliche Parkflächen aussprechen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
18:22 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Andreas Scheuer Bundesverkehrsminister CDU CSU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundesrat Fahrräder Fahrzeuge und Verkehrsmittel Klaus Müller Radfahrer Radverkehr Radwege Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Steffen Bilger Umweltschützer Verkehrsministerien Verkehrsteilnehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
E-Tretroller

22.05.2019

E-Tretroller in Deutschland sind bald erlaubt

Die letzte formelle Hürde für die sogenannten E-Scooter ist genommen. Mitte Juni soll es losgehen für die Tretroller mit Elektroantrieb in Deutschland. Vor allem auf den Radwegen wird es voller. » mehr

E-Scooter in Kopenhagen

30.04.2019

Mehrheit der Bundesländer gegen E-Tretroller auf Gehwegen

Sie sind leise, abgasfrei, und wer drauf steht, zerknittert sich nicht den Anzug: E-Tretroller sollen ein neues Mobilitätsangebot für viele Städter sein. Nun gibt es Streit, wo genau sie fahren dürfen. » mehr

Zugeparkt

05.07.2019

Scheuer will Bußgeld für Parken auf Radwegen erhöhen

Der Verkehrsminister ist gerade massiv in der Kritik nach dem Aus für die Pkw-Maut. Er will aber auch «Fahrradminister» sein und plant umfangreiche Verbesserungen für Radfahrer. Für Autofahrer sollen Verstöße teurer werd... » mehr

Busspur

16.08.2019

Breite Kritik an Scheuers Busspur-Plänen

Busspuren könnten künftig voller werden - wenn Pläne des Bundesverkehrsministers Realität werden und Städte das umsetzen. Nicht nur bei Polizei-Gewerkschaften stößt das auf Protest. » mehr

E-Tretroller

07.05.2019

Scheuer: E-Tretroller sollen doch nicht auf Gehwege

Kleine E-Flitzer sollen bald auch in deutschen Städten ein neues Mobilitätsangebot werden. Doch wo dürfen sie fahren? Nicht auf dem Gehweg, sagt der Minister. Dafür könnte es anderswo voller werden. » mehr

Elektrisch unterwegs

29.04.2019

Scheuer verteidigt Pläne für E-Tretroller gegen Bedenken

Auf den Gehwegen der deutschen Städte herrscht schon jetzt ein Konkurrenzkampf zwischen Fußgängern und Radfahrern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Scheunenbrand in Mausendorf Schalkau

Scheunenbrand in Mausendorf | 23.08.2019 Schalkau
» 27 Bilder ansehen

Brand in Pizzeria auf dem Markt in Schleusingen Schleusingen

Brand Pizzeria Schleusingen | 23.08.2019 Schleusingen
» 9 Bilder ansehen

Stadtfest Schmalkalden Eröffnung am Donnerstag Schmalkalden

Stadtfest Schmalkalden Eröffnung | 22.08.2019 Schmalkalden
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
18:22 Uhr



^