Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Debatte über besten Weg für Schulöffnungen hält an

Woche für Woche kehren mehr Schülerinnen und Schüler zurück in den Präsenzunterricht. Doch wie soll man sie und ihre Lehrer schützen? Um den richtigen Weg wird weiter gerungen.



Schule
Eine junge Lehrerin beim Unterricht.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wenn nach den Sommerferien die Schulen wie geplant wieder komplett öffnen, sollten Lehrer aus Sicht des Deutschen Lehrerverbandes einmal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden.

«Wir setzen auf regelmäßige wöchentliche Tests von Lehrkräften, auch wenn keine Krankheitssymptome vorliegen», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.

An diesem Montag gehen einige Bundesländer mit Blick auf die Schulen einen großen Schritt in Richtung Normalität. In Niedersachsen etwa haben zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise wieder alle Schüler Präsenzunterricht. In Nordrhein-Westfalen sollen dann alle Grundschüler täglich in die Schule gehen.

Forderungen nach Tests für Lehrer und auch Schüler hatten verschiedene Verbandsvertreter aus dem Bildungsbereich bereits erhoben. In den Bundesländern gibt es unterschiedliche Pläne. So will Brandenburg Lehrkräften und Kitapersonal anbieten, sich für zunächst drei Monate alle zwei Wochen testen zu lassen. Dem dortigen Linksfraktionschef Sebastian Walter reichen diese Kontrollen nicht. «Da muss man mehr anbieten», sagte er der dpa.

Andere Länder planen stichprobenartige Tests. Ob Stichproben genügten, hänge vom Infektionsgeschehen im jeweiligen Bundesland ab, sagte Meidinger. Als «absolut wichtig und sinnvoll» bezeichnete er Pläne Schleswig-Holsteins, spezielle Einsatzteams bereitzustellen, die im Falle von Coronainfektionen an Schulen «ganz schnell alle Kontaktpersonen testen».

In der «Welt am Sonntag» kritisierte Meidinger: «Die Politik gibt dem gesellschaftlichen Druck nach Öffnungen nach, ohne zuvor ein neues Gesundheitskonzeptvorzulegen.» Es wüchsen die Zweifel, «ob die Politik überhaupt noch die Kraft und den Willen hat, Lockerungen bei künftigen Infektionswellen gegebenenfalls zurückzuschrauben».

Seit den schrittweisen Öffnungen sind einer Umfrage der «Welt am Sonntag» unter den Kultusministerien zufolge bundesweit knapp 60 der rund 33.000 allgemeinbildenden Schulen ganz oder teilweise für einen gewissen Zeitraum geschlossen worden. 35 davon entfallen demnach auf Göttingen, wo es einen großen Corona-Ausbruch wegen privater Feiern gegeben hatte.

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK), die am Donnerstag (18. Juni) turnusgemäß zu einer Videokonferenz zusammenkommt, forderte der Präsident des Lehrerverbandes auf, ein neues, detailliertes Hygienekonzept für die angestrebten vollständigen Schulöffnungen ohne Abstandsregeln nach dem Sommer vorzulegen. Schulträger und Schulen müssten genügend Vorlauf haben, um sich vorzubereiten.

Die Minister wollen bei ihrer Konferenz mit Experten darüber beraten, wie der geplante Regelbetrieb nach den Sommerferien praktisch aussehen könnte. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und amtierende KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) hatte für ein Ende der 1,5-Meter-Abstandsregel an den Schulen plädiert.

Die Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen findet den Start des regulären Unterrichts an Grundschulen am Montag richtig. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die von der FDP-Landtagsfraktion beim Institut «Civey» in Auftrag gegeben wurde. Demnach stimmten 57,9 Prozent der Befragten der Entscheidung der Landesregierung zu, 30,5 Prozent beurteilten sie als falsch.

Der Bundeselternrat fordert, dass sich Lehrerinnen und Lehrer angesichts der Corona-Pandemie in den Sommerferien in digitalem Unterrichten fortbilden. «Es gibt Wichtigeres als die Sommerferien», sagte der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). «Für uns Eltern ist es keine Frage, dass es für Lehrer in den Sommerferien Fortbildungen in Sachen digitales Unterrichten geben muss.»

Der Deutsche Philologenverband lehnt es allerdings ab, Lehrer dazu zu verpflichten. Die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing sagte dem RND: «Das Problem ist nicht, dass Lehrer nicht bereit wären, sich digital fortbilden zu lassen.» Das Problem sei, dass es oft am Fortbildungsangebot fehle. «Dieses sollte es über das ganz Jahr geben - dann können Lehrer selbst entscheiden, wann sie teilnehmen wollen.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beklagt ein Schlechtreden von Lehrern. «Offenbar geben einige Eltern den Druck, unter dem sie selber wegen der objektiv sehr schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehen, an die Lehrkräfte weiter», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe der «Welt» (Online: Sonntag, Print: Montag). Eltern sollten lieber Druck auf Schulträger, Kommunen, Länder und Bund machen.

Die Rückkehr zum Regelbetrieb ohne Mindestabstand lehnt die GEW-Chefin ab. «Solange die Gesellschaft entscheidet, dass in anderen Bereichen des Lebens Sicherheitsabstände einzuhalten sind, kann es keinen Regelbetrieb der Schulen geben», sagte sie der «Welt». «Ich halte das für sehr gefährlich und fürchte, dass Schulen zu Hotspots werden.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
18:23 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Debatten Deutsche Presseagentur Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Gewerkschaften Grundschulkinder Kultus- und Bildungsminister Kultusministerkonferenzen Lehrerinnen und Lehrer Lehrerverbände SPD Schulen Schülerinnen und Schüler Weiterbildung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Schule in Corona-Zeiten

18.09.2020

Neues Schuljahr - erste Zwischenbilanz durchwachsen

Rund 11 Millionen Schüler sind zurück in den Klassenzimmern. Das neue Schuljahr läuft in allen Bundesländern - und bisher insgesamt relativ reibungslos. Lehrervertreter bleiben aber skeptisch, ob der Plan unter Pandemieb... » mehr

Schule

18.06.2020

Schule nach den Sommerferien ohne Abstandsregel geplant

Nach dem Ja von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten für eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb nach den Sommerferien, haben sich die Kultusminister der Länder nun festgelegt: Die Abstandsregel an den Schulen soll i... » mehr

Schulstart

10.08.2020

Schulstart in weiteren Bundesländern

Das Experiment Schulstart in Corona-Zeiten geht weiter. Mitten in der Sommerhitze hat in drei weiteren Bundesländern das neue Schuljahr begonnen. Die Debatte, ob die Hygieneregeln an den Schulen ausreichen werden, hält a... » mehr

Hygienemaßnahmen vor Schulbeginn

10.06.2020

Schulen: Kritik wegen geplanter Aufhebung von Abstandsregel

Nach den Sommerferien könnte es in den Schulen wieder relativ normal und ohne Abstandsregel weitergehen, das wird zumindest angestrebt - Lehrergewerkschafter sehen das aber kritisch. Die GEW fordert nun einen «runden Tis... » mehr

Corona und Schulen

vor 21 Minuten

Corona und Schulen - Gipfel im Kanzleramt berät über Lage

Vor ein paar Wochen hatte Kanzlerin Merkel das Thema Schulen in der Corona-Zeit zur Chefsache gemacht. Nach einem kleinen Schulgipfel im August kommen nun an diesem Montag die Bildungsminister aus Bund und Ländern, SPD-C... » mehr

Geschlossene Grundschule

18.06.2020

Kultusminister beraten über Schule nach den Sommerferien

Nach dem Sommer sollen alle im gewohnten Klassenverband wieder in die Schule. Soweit der Plan. Aber so einfach wird das nicht. Es gibt Bedenken und Sorgen. Die Kultusminister der Länder suchen nach Antworten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sommerausklang_schubert Suhl

Sommerausklang Olaf Schubert | 20.09.2020 Suhl
» 77 Bilder ansehen

12. Oldtimerausfahrt Suhl

12. Oldtimerausfahrt Museum Suhl | 19.09.2020 Suhl
» 44 Bilder ansehen

Provinzschrei-Konzertreihe Wenzel im Trio

Provinzschrei Wenzel im Trio |
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 06. 2020
18:23 Uhr



^