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Christchurch-Attentäter wird psychiatrisch untersucht

Beim ersten längeren Auftritt vor Gericht sagt der mutmaßlich 50-fache Mörder von Christchurch kein einziges Wort. Vor einem Prozess soll er nun erst einmal psychiatrisch untersucht werden.



Vorm Gericht in Christchurch
Ein Polizist steht vor dem Eingang zum Gericht in Christchurch. Der mutmaßliche Attentäter wurde bei einer Anhörung per Video-Übertragung zugeschaltet.   Foto: Mark Baker/AP

Ein Mann in Grau, der kein Wort sagt: So hat sich der mutmaßliche Attentäter von Christchurch vor Gericht präsentiert. Drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern ließ der Australier Brenton Tarrant - ein Rechtsextremist und Rassist - seine Anwälte sprechen.

Der 28-Jährige war bei dem Termin im Gerichtsgebäude von Christchurch am Freitag nicht persönlich dabei, sondern wurde über eine Videoleitung zugeschaltet. Tatsächlich saß er 1000 Kilometer entfernt in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland.

Das Gericht ordnete an, dass Tarrant psychiatrisch untersucht wird. Damit soll geklärt werden, ob er überhaupt prozessfähig ist. Dies ist in Neuseeland üblich. Der Australier machte bei der 30-minütigen Anhörung den Eindruck, als ob ihn das alles nicht groß interessiere. Er schaute eher gelangweilt durch die Gegend. Der ehemalige Fitnesstrainer zeigte keinerlei Emotionen - auch nicht, als ihm 50-facher Mord und Mordversuch in 39 Fällen zur Last gelegt wurde, das schlimmste Verbrechen in Neuseelands jüngerer Geschichte.

Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslang Gefängnis. Für einen Prozess gibt es aber noch keinen Termin. Vor der Anhörung hatten viele gemutmaßt, dass Tarrant die Gelegenheit nutzen könnte, um seine rassistischen Parolen zu verbreiten. Richter Cameron Mander ließ jedoch weder Foto- noch Filmaufnahmen zu. Der mutmaßliche Täter musste in Handschellen und grauer Anstaltskleidung erscheinen. Er machte dann auch gar nicht erst den Versuch, das Wort zu ergreifen.

Im Gerichtssaal saßen mehrere muslimische Überlebende und auch zahlreiche Angehörige von Opfern. Einer der Überlebenden, Tofazzal Alam, sagte: «Ich wollte sehen, wie es ihm geht, nachdem er so viele unschuldige Leute umgebracht hat. Aber er sah so aus, als ob alles in Ordnung wäre. Als würde ihn das alles nichts angehen.» Unter den Zuschauern war auch Yama Nabi, dessen Vater ermordet wurde. Er wollte das Gesicht des mutmaßlichen Mörders sehen und hören, was dieser zu sagen hatte. Zu Tarrants Auftritt meinte er: «Er ist ein Feigling.»

Richter Mander trat Befürchtungen entgegen, dass der Mann wegen Zweifeln an seinem Geisteszustand um einen Prozess herumkommen könnte. Eine psychiatrische Untersuchung ist in Neuseeland in solchen Fällen ein gängiges Verfahren. «Das ist ein völlig normaler Schritt. Man sollte da nichts hineinlesen», sagte der Richter. Tarrants inzwischen abgelöster Pflichtverteidiger Richard Peters hatte nach einem Gespräch mit seinem kurzzeitigen Mandaten gesagt: «Die Art und Weise, wie er aufgetreten ist, war rational. Er wirkte nicht, als ob er an irgendeiner geistigen Behinderung leide.»

Nach der Ablösung des Pflichtverteidigers hatte es geheißen, Tarrant werde sich selbst verteidigen. Am Freitag vertraten ihn jedoch die beiden Anwälte Shane Tait und Jonathan Hudson. Drei Wochen nach der Tat müssen immer noch 16 Verletzte wegen ihrer Schusswunden in Krankenhäusern behandelt werden. Eine Person ist immer noch in kritischem Zustand. Der nächste Gerichtstermin mit Tarrant wurde auf den 14. Juni festgesetzt.

Der Todesschütze hatte große Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Auszüge aus dem etwa 17-minütigen Video kursieren immer noch. Zuvor hatte er ein 74-seitiges Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Ermittler haben keine Zweifel, dass alles von Tarrant kommt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
10:54 Uhr

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05. 04. 2019
10:54 Uhr



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