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Bundesregierung verteidigt BND-Massenüberwachung im Ausland

Das Grundgesetz schützt die Vertraulichkeit der Kommunikation und die Pressefreiheit. Respektiert das auch der Bundesnachrichtendienst? Journalisten haben ihre Zweifel - und klagen vor dem Bundesverfassungsgericht.



Bundesnachrichtendienst
Bürgerrechtler und Journalisten wollen mit ihrer Klage unter anderem erreichen, dass der Bundesnachrichtendienst niemanden mehr ohne konkreten Verdacht ins Visier nehmen darf.   Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Die Bundesregierung hat die weitreichenden Überwachungsbefugnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Ausland vor dem Bundesverfassungsgericht verteidigt.

Bei Entwicklungen wie aktuell im Iran, im Irak oder in Libyen würden binnen Stunden verlässliche Informationen benötigt, sagte der Chef des Bundeskanzleramts, Helge Braun (CDU), in Karlsruhe. Die Frage, wer hinter einem Angriff stecke, könne über Krieg und Frieden entscheiden. Die Informationen der Geheimdienste anderer Staaten könnten verzerrt oder interessengeleitet sein. (Az. 1 BvR 2835/17)

Die Richter des Ersten Senats verhandeln noch bis Mittwoch über eine Klage der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) und mehrerer ausländischer Journalisten. Dabei geht es um die Befugnisse des BND bei der sogenannten strategischen Fernmeldeaufklärung im Ausland. Das Urteil wird frühestens in einigen Monaten verkündet.

Bei dieser Fernmeldeaufklärung durchforstet der BND ohne einen konkreten Verdacht große Datenströme auf interessante Informationen. Deutsche Bürger dürfen nicht auf diese Weise überwacht werden. Der BND versucht deshalb, ihre Kommunikation vor der inhaltlichen Auswertung auszusortieren. Die gewonnenen Daten werden auch für ausländische Partnerdienste ausgewertet oder an diese weitergegeben.

Seit Anfang 2017 gibt es im reformierten BND-Gesetz dafür zum ersten Mal eine rechtliche Grundlage. Die Kläger halten die Vorschriften aber für völlig unzureichend. Der BND dürfe immer noch viel zu viel, eine Kontrolle sei kaum vorgesehen. Außerdem sei es technisch kaum möglich, die Kommunikation von Deutschen vollständig auszusortieren. Sie sehen das Fernmeldegeheimnis und die Pressefreiheit verletzt.

ROG-Geschäftsführer Christian Mihr sagte, spätestens seit einem Bericht des «Spiegel» von 2017 sei bekannt, dass der BND im Ausland auch Medien überwache. Das habe «eine enorm einschüchternde Wirkung». Journalisten seien auf gute Quellen angewiesen. Aber so müssten Informanten befürchten, dass ihre Kommunikation in Datenbanken lande, auf die Nachrichtendienste weltweit jahrelang zugreifen könnten.

Kanzleramtsminister Braun sagte, mit der Gesetzesreform habe man sich auf den Weg gemacht, den Schutz und die Kontrolle auszubauen. Aber die Funktionsfähigkeit der Nachrichtengewinnung dürfe nicht beeinträchtigt werden. BND-Informationen hätten schon Anschläge auf Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan verhindert. Sie kämen auch bei Entführungen, Terrorgefahr und Cyberangriffen zum Einsatz.

BND-Präsident Bruno Kahl versicherte vor Verhandlungsbeginn Journalisten, die Grundrechte der deutschen Bürger und auch der Ausländer würden hinreichend geschützt. Die strategische Fernmeldeaufklärung im Ausland sei ein unverzichtbarer Bestandteil der BND-Beiträge zum Lagebild der Bundesregierung. Der BND vertraue auf die Weisheit des Gerichts, das auch zu erkennen.

Am Nachmittag gaben mehrere BND-Mitarbeiter Einblick in ihre Arbeit. Demnach werden jeden Tag ungefähr 154.000 Kommunikationsbeziehungen erfasst, von denen sich am Ende etwa 260 als relevant herausstellten. Unnötige Daten würden - sofern erkennbar - sofort gelöscht.

E-Mails, Nachrichten und Telefonate von Deutschen würden größtenteils durch technische Filter ausgesiebt, schilderten die Mitarbeiter - zum Beispiel indem nach der Ländervorwahl «0049» oder allen Adressen mit der Endung «.de» gesucht werde. Kommunikation mit sehr privaten Inhalten oder von Berufsgeheimnisträgern wie Journalisten, Anwälten oder Ärzten könne technisch aber nur sehr schwer aufgespürt werden. Diese Inhalte würden meist erst durch die Bearbeiter entdeckt.

Kritisch äußerte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber. Bei Besuchen beim BND sei der Eindruck entstanden, dass zwar die Kommunikationsinhalte mehrere Kontrollschleifen durchliefen. Die reinen Verbindungsdaten würden aber nicht genauso intensiv geprüft. Er gehe deshalb davon aus, dass hier mehr Deutsche fälschlicherweise erfasst würden, sagte Kelber. Außerdem komme es zu einem herabgesetzten Schutz, weil bestimmte Daten wie zum Beispiel eine Freundschaftsanfrage auf Facebook oder die Übertragung von Standortdaten vom BND gar nicht als Kommunikation eingestuft würden.

Der Bundesnachrichtendienst ist der deutsche Auslandsgeheimdienst. Mit seinen rund 6500 Mitarbeitern informiert er die Bundesregierung über Entwicklungen von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
17:47 Uhr

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