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Bürgermeister von Estorf tritt wegen Nazi-Übergriffen zurück

«Das war jetzt einfach zu viel», sagt Arnd Focke. Der Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Estorf hat Angst um seine Familie. Hakenkreuzschmierereien und Todesdrohungen veranlassen ihn jetzt zum Rückzug. Ein anderer Bürgermeister klagt derweil auf Erteilung eines Waffenscheins.



Arnd Focke
Arnd Focke (SPD), zurückgetretener Bürgermeister der Gemeinde Estorf im Landkreis Nienburg.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Estorf ist nach eigenen Angaben wegen rechtsextremer Übergriffe zurückgetreten. Sein Privatauto sei mit Hakenkreuzen verunstaltet worden.

Zudem seien Zettel mit der Aufschrift «Wir vergasen dich wie die Antifa» in seinen Briefkasten geworfen worden, sagte Arnd Focke (SPD) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zum 31. Dezember 2019 habe er daher sein Amt nach acht Jahren niedergelegt. Beide Vorfälle habe er zudem beim Staatsschutz angezeigt.

«Es geht um den Schutz meiner Familie und die Beschädigung des Amtes», sagte Focke. «Die Entscheidung hat wehgetan, aber sie war richtig.» Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen und kündigte eine Stellungnahme für den Nachmittag an. Estorf liegt im Landkreis Nienburg nordwestlich von Hannover.

Nach eigenen Angaben war der 48-Jährige schon früher zur Zielscheibe Rechtsextremer geworden - unter anderem, weil er als Bürgermeister in der Flüchtlingshilfe aktiv gewesen sei. «Da gab es immer wieder mal nächtliche Anrufe. Aber dem habe ich mich gewappnet gesehen», sagte er. Die neuen Vorfälle hätten jedoch eine andere Dimension. «Das war jetzt einfach zu viel. Das wurde zu persönlich und zu direkt.»

Der Bürgermeister einer Kommune im Rheinland hat zum Schutz vor Rechtsextremisten einen Waffenschein beantragt. Weil ihm die zuständige Polizeibehörde die Erlaubnis verweigert, klagt er nun vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Es gehe um den großen Waffenschein, sagte eine Gerichtssprecherin am Dienstag. Der Bürgermeister führe an, aus dem rechten Spektrum bedroht zu werden. Die Verhandlung sei in zwei Wochen (21. Januar) geplant.

Er persönlich halte nichts davon, wenn sich Mandatsträger bewaffnen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). «Wenn es Anhaltspunkte für Gefährdungen gibt, werden alle nötigen Maßnahmen ergriffen.» Betroffene könnten sich jederzeit an die Polizei wenden. Die «Rheinische Post» hatte zuvor berichtet.

Im November hatte der Rückzug der Bürgermeisterin der sächsischen Gemeinde Arnsdorf, Martina Angermann, für Aufsehen gesorgt. Die SPD-Politikerin beantragte nach monatelanger Hetze die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach demonstrativ hinter Kommunalpolitiker gestellt, die Opfer von Anfeindungen und Angriffen wurden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 01. 2020
15:11 Uhr

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07. 01. 2020
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