Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Brutaler Frost lässt Millionen Menschen in den USA bibbern

In den USA brechen die Temperaturen Minusrekorde. Millionen Menschen sind betroffen, es gibt Tote. Der Wetterdienst warnt vor Erfrierungen auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten.



Chicago
Dick eingepackt geht ein Mann am Morgen in Chicago zur Arbeit. Die Stadt am Michigan-See steht im Zentrum der großen Kälte.   Foto: Rich Hein/Chicago Sun-Times/AP » zu den Bildern

Eine Kältewelle mit rekordverdächtigen Minuswerten hat weite Teile der USA fest im Griff und bereits mehrere Menschen das Leben gekostet. In der Nacht zum Donnerstag wurden vor allem im sogenannten Mittleren Westen extreme Temperaturen von bis zu minus 34 Grad Celsius gemessen.

Der Nationale Wetterdienst (NWS) sowie Ärzte und Nothelfer warnten vor «lebensbedrohlichen» Bedingungen für Millionen Bürger. Der Sender CNN berichtete von elf Menschen, deren Tod auf das extreme Wetter zurückzuführen sei.

Auch am Freitag sollte es kalt bleiben. Am Wochenende müssen die Amerikaner dann aber einen kräftigen Kreislauf beweisen: Dann sollen die Temperaturen vielerorts um mehr als 30 Grad Celsius klettern und fast 20 Grad Celsius plus erreichen.

Zum Mittleren Westen der USA werden Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Michigan, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, Ohio, South Dakota und Wisconsin gezählt. Chicago, am Michigan-See im Norden der USA gelegen, stand im Zentrum der großen Kälte.

Laut Gesundheitsministerium von Illinois wurden in dem Bundesstaat mindestens 30 Menschen in Notaufnahmen wegen Unterkühlung oder Frostbeulen behandelt. Die Behörden richteten mehr als 60 Wärmestuben für Wohnungslose ein. Zusätzlich nahm jede Polizeidienststelle Menschen auf, die sich vor der Kälte schützen wollten.

In der Millionenmetropole im Bundesstaat Illinois wurden am frühen Donnerstagmorgen Temperaturen von minus 27 Grad Celsius gemessen. In der Stadt Rockford war es noch eisiger: Dort herrschten am Morgen zeitweise minus 34 Grad Celsius - ein neuer Rekord für den Ort.

Die Kälte führte vereinzelt zu Stromausfällen. In vielen Bundesstaaten blieben Schulen und manche Universitäten geschlossen. Die Flughäfen kamen teils mit dem Enteisen der Maschinen nicht nach. Laut Webseite «Flightaware» wurden bis zum Donnerstagvormittag rund 2000 Flüge gestrichen und rund 900 verspäteten sich.

Das Bahnunternehmen Amtrak sagte am Mittwoch alle Zugverbindungen von und nach Chicago ab. In der Stadt legten die Nahverkehrsbetreiber Feuer an einigen Gleisen, wie der Sender CNN berichtete. Bei der extremen Kälte ziehe sich das Metall zusammen, was dazu führe, dass sich Schienenteile voneinander lösten. Die Wärme des Feuers sollte das Metall wieder ausdehnen, so dass Schäden repariert werden könnten.

Angesichts des brutalen Frosts müssen selbst die wettergeprüften Zusteller des US-Postdienstes vielerorts kapitulieren. Der USPS teilte mit, der Dienst werde in Iowa, Minnesota sowie in Teilen von Wisconsin und Illinois eingestellt.

Der US-Wetterdienst warnte vor Erfrierungen auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten. Verantwortlich für diese «arktische Kälte» ist der sogenannte Polarwirbel. Diese Luftströmung ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eigentlich gar nicht ungewöhnlich. Denn der Wirbel entsteht regelmäßig am Pol, wenn im Winter keine Sonne durch die arktische Dauernacht dringt, die die angesammelte Kaltluft wärmen könnte. Das dabei entstehende sogenannte Höhentief kann auf der Nordhalbkugel kräftige westliche Winde erzeugen.

Doch während der Polarwirbel normalerweise stabil mit seinem Zentrum über der Arktis bleibt, hat er sich nun ungewöhnlich weit nach Süden ausgebreitet. Dazu tragen nach Angaben von DWD-Sprecher Gerhard Lux auch die besonderen geografischen Gegebenheiten Nordamerikas bei: Die von Norden nach Süden verlaufenden Rocky Mountains bilden immer wieder eine Art Leitplanke.

Starker Wind lässt die gefühlte Temperatur noch kälter als ohnehin erscheinen. In den USA spricht man bei den gefühlten Temperaturen von «Windchill»-Werten. Der «Windchill-Effekt» beschreibt die Abkühlung der Haut bei erhöhter Windgeschwindigkeit. Die arktische Winterkeule reichte bis in den Nordosten des Landes hinein. In Metropolen wie New York und Philadelphia trieben Sturmböen den Schnee durch die Luft und vernebelten so immer wieder die Sicht.

US-Präsident Donald Trump hatte die Kältewelle in den vergangenen Tagen zum Anlass genommen, um über den Klimawandel zu spotten. «Was zur Hölle ist nur mit der globalen Erderwärmung los? Bitte komm' schnell wieder, wir brauchen dich!», schrieb er auf Twitter mit Blick auf das Wetter.

Der Republikaner hat die Existenz eines von Menschen verursachten Klimawandels in der Vergangenheit wiederholt angezweifelt. Die eisigen Temperaturen sind nach Forscherangaben aber keineswegs ein Zeichen für einen stockenden globalen Klimawandel. Auch die US-Wetterbehörde NOAA - die Teil von Trumps Regierung ist - erklärte am Dienstag, Winterstürme seien kein Beleg dafür, dass es die globale Erwärmung nicht gebe.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
20:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arktische Temperaturen CNN Deutscher Wetterdienst Donald Trump Erfrierungen Klimaveränderung Kälte und Frost Kältewellen Michigansee Mittlerer Westen Tote Twitter Wetterdienste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Joe Biden

11.03.2020

Bidens Siegesserie hält: Vorwahl-Sieg in vier Bundesstaaten

Nach dem «Super Tuesday» räumt Joe Biden auch bei der nächsten größeren Vorwahlrunde der US-Demokraten ab. Noch ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur nicht entschieden - für Bidens linken Konkurrenten Bernie S... » mehr

Wahlkampf in den USA - Biden

03.02.2020

Start in Iowa: Erste Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen

Es geht los: Im Vorentscheid zum US-Präsidentschaftsrennen haben die Menschen in Iowa als erste das Sagen. Von der ersten Vorwahl in dem beschaulichen Staat wird eine Signalwirkung ausgehen. Wer soll für die Demokraten g... » mehr

Frost

30.01.2019

«Arktische Kälte» erfasst Mittleren Westen der USA

Eisige Kälte hält Teile der USA im Griff, einige Bundesstaaten haben den Katastrophenfall ausgerufen. In Chicago müssen sich die Menschen auf Temperaturen einstellen, die kälter als in der Antarktis sind. » mehr

US-Botschafter Grenell

20.02.2020

Trumps Mann in Berlin wechselt nach Washington

Als US-Botschafter in Berlin vertritt Richard Grenell die Politik von Donald Trump mit scharfer Zunge. Jetzt folgt er dem Ruf des Präsidenten in die Regierungszentrale. Seine Gegner in Berlin können trotzdem nicht aufatm... » mehr

Wahlkampf in den USA

17.03.2020

Nächste Vorwahl-Runde für Biden und Sanders

Zwei Männer kämpfen bei den US-Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur: Joe Biden und Bernie Sanders. Kann Biden seine Führung in der neuen Vorwahl-Runde entscheidend ausbauen? In einem Staat blieben die Wahllokale ... » mehr

Ausweichquartier

27.01.2020

Über 40 Tote nach Erdbeben in Osttürkei

Am Freitagabend bebt die Erde in der Osttürkei. Dem Beben folgten wohl mehr als 900 Nachbeben. Retter suchen trotz schwindender Hoffnung weiter nach Überlebenden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
31. 01. 2019
20:00 Uhr



^