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Brennpunkte

Biden will Trump zusammen mit Senatorin Harris schlagen

US-Präsident Trump schießt sich schon auf Harris ein - Biden will den Amtsinhaber mit der kämpferischen schwarzen Senatorin an seiner Seite schlagen. Die Personalie verleiht dem US-Wahlkampf neuen Schwung.



Joe Biden und Kamala Harris
Die damaligen demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Joe Biden und Kamala Harris, sprechen im Juli 2019 während der zweiten TV-Debatte der Demokraten.   Foto: Paul Sancya/AP/dpa

Die Demokratin Kamala Harris könnte die erste schwarze Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten werden.

Die Senatorin aus Kalifornien sei dem Gemeinwohl verpflichtet und eine «furchtlose Kämpferin für die einfachen Menschen», erklärte Joe Biden, der designierte Präsidentschaftskandidat der Partei. Biden wollte schon am Nachmittag (Ortszeit) in Wilmington im Bundesstaat Delaware gemeinsam mit seiner Kandidatin für den Vizeposten auftreten. Die beiden wollen Präsident Donald Trump und dessen Vize Mike Pence bei der Wahl am 3. November herausfordern.

WER IST KAMALA HARRIS?

Die 55-Jährige frühere Staatsanwältin und Justizministerin ist erst die zweite schwarze Frau, die jemals in den US-Senat gewählt wurde. Harris gehört zu den bekanntesten schwarzen Politikerinnen des Landes und gilt seit langem als eine Hoffnungsträgerin der Demokraten. Sie wird als kämpferische, aber pragmatische Politikerin gesehen, die eher einen Kurs der Mitte vertritt. Damit liegt sie ideologisch auf Linie mit Biden (77), der einst selbst Senator und Vizepräsident war. Harris hatte sich selbst um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Harris war Bezirksstaatsanwältin von San Francisco. Später wurde sie als Attorney General gewählt, was die Positionen der Justizministerin und der Generalstaatsanwältin verbindet. 2016 zog sie für Kalifornien in den Senat in Washington ein.

DIE BEDEUTUNG VON BIDENS ENTSCHEIDUNG

Biden hatte bereits im März angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen. Seine Personalentscheidung war mit Spannung erwartet worden, weil sie sich nicht nur auf seine Wahlchancen auswirken dürfte, sondern auch entscheidend auf die Zukunft des Landes. Bei Amtsantritt wäre Biden 78 Jahre alt. Es wird angenommen, dass er nur eine Amtszeit Präsident sein will. Sollte er die Wahl gewinnen, könnte sich Harris daher als Vizepräsidentin profilieren und in Stellung bringen, um 2024 sein Erbe anzutreten.

WELCHE ROLLE SPIELT HARRIS' HAUTFARBE?

Biden hat sich wohl nicht wegen ihrer Hautfarbe oder dem Einwanderungshintergrund ihrer Familie für die erfahrene Politikerin Harris entschieden. Es könnte aber für die Wahl von Vorteil sein. Die Demokraten dürften hoffen, dass Harris ihnen bei der Wahl im November helfen wird, schwarze Wähler zu mobilisieren. Schwarze machen in den USA rund 13 Prozent der Bevölkerung aus und tendieren politisch eher zu den Demokraten - allerdings hilft das der Partei nur, wenn sie auch motiviert genug sind, tatsächlich abzustimmen.

Wegen ihrer Vergangenheit als Staatsanwältin traf Harris während der Kampagne um die Präsidentschaftskandidatur bei Schwarzen nicht auf ungeteilte Zustimmung. Infolge der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz positionierte sie sich aber deutlicher als Kämpferin für die Rechte Schwarzer und für Polizei- und Justizreformen. Das Thema dürfte im Wahlkampf eine große Rolle spielen.

HARRIS' REAKTION

Harris bezeichnete es auf Twitter als «Ehre», mit Biden antreten zu dürfen. Sie werde alles dafür tun, um ihn zum Oberbefehlshaber zu machen. «Joe Biden kann das amerikanische Volk einen, weil er sein Leben damit verbracht hat, für uns zu kämpfen. Und als Präsident wird er ein Amerika aufbauen, das unseren Idealen gerecht wird». Bei dieser Wahl gehe es «um die Seele der Nation», schrieb sie am Mittwoch. «Aber zusammen ist das eine Schlacht, die wir gewinnen können.»

REAKTIONEN PROMINENTER DEMOKRATEN

Der demokratische Ex-Präsident Barack Obama, der 2009 als erster Schwarzer mit Biden als Vize ins Weiße Haus eingezogen war, sprach sich für Harris als Kandidatin für den Stellvertreterposten aus. «Das ist ein guter Tag für unser Land. Jetzt lass uns das Ding gewinnen», schrieb er mit Blick auf die Wahl. Die Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton würdigte Bidens Entscheidung für Harris als «historisch». Sie sei dem Gemeinwohl verpflichtet und habe bewiesen, dass sie die nötige Führungsstärke habe. Obamas ehemalige Chefin des Nationalen Sicherheitsrats, Susan Rice, nannte Harris «eine hartnäckige und wegweisende Anführerin».

TRUMPS REAKTION

Trumps erste Breitseiten kamen schnell. «Sie hat gelogen. Sie hat Dinge gesagt, die nicht wahr waren», sagte Trump, ohne seine Vorwürfe zu erklären. Harris wolle die Steuern erhöhen, die Militärausgaben senken und sei gegen die Erdgas-Förderung per Fracking, zählte er auf. In einem Videoclip seines Wahlkampfteams wurde Harris als «Schwindlerin» verunglimpft. Harris' Bewerbung um die Kandidatur für das Präsidentenamt ihrer Partei sei «schwach» zu Ende gegangen und sie habe zum Schluss «fast null Unterstützung» gehabt, schrieb er auf Twitter. «Das ist die Art Gegnerin, von der jeder träumt.»

IST SIE TRUMPS WUNSCHGEGNERIN?

Höchstwahrscheinlich nicht. Eine weitere Favoritin für den Posten, die Senatorin Elizabeth Warren, hätte Trump mehr Angriffsfläche geboten. Er hätte die linke Senatorin wahrscheinlich erneut als Sozialistin verunglimpft. Susan Rice wiederum wäre sich wohl stets dem Vorwurf ausgesetzt gewesen, nur ein Lakai Obamas zu sein. Zudem warfen ihr die Republikaner auch die Verwicklung in einen von Hillary Clintons Skandalen vor. Harris dürfte für Trump keine einfache Gegnerin werden: Politikerinnen, die ihn aggressiv angehen, beschimpft er häufig - was bei Wählern nicht unbedingt gut ankommen dürfte.

SO GEHT ES WEITER

Biden und Harris sollen beim offiziellen Parteitag der Demokraten vom 17. bis 20. August als die Kandidaten der Partei nominiert werden, um Trump und Pence herauszufordern. In Umfragen liegt Biden seit Wochen sehr deutlich vor Trump. Viele Wähler kreiden Trump sein Management der Coronavirus-Pandemie an, der in den USA bereits rund 165.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Umfragen prognostizierten allerdings vor vier Jahren fälschlicherweise auch einen Sieg Clintons. Bis zur Wahl in gut zwei Monaten kann noch viel passieren.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-131997/8

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Veröffentlicht am:
12. 08. 2020
22:42 Uhr

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12. 08. 2020
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