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Bericht: Russland hat mehr Marschflugkörper als bekannt

Dem INF-Abrüstungsvertrag zwischen Moskau und Washington droht das Aus. Nun wird berichtet, dass die russische Armee bereits über mehr Marschflugkörper des umstritten Typs verfügen soll, als bisher bekannt.



Putin
Kremlchef Putin im Dezember während seiner jährlichen Pressekonferenz in Moskau.   Foto: Alexander Zemlianichenko/AP

Russland soll mehr Marschflugkörper des Mittelstreckensystems SSC-8 haben als bisher bekannt. Das berichtet die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) unter Berufung auf einen ungenannten westlichen Geheimdienstbeamten.

Aus Sicht der Nato verstößt das Waffensystem gegen den INF-Abrüstungsvertrag, den die USA aus diesem Grund gekündigt haben. Russland, das einen Verstoß gegen die Bestimmungen des INF-Vertrages bestreitet, setzte das Abkommen daraufhin ebenfalls aus.

Dem Zeitungsbericht zufolge gibt es neben einem Ausbildungsbataillon auf dem südrussischen Testgelände Kapustin Jar und einem Bataillon in Kamyschlow östlich von Jekaterinburg noch zwei weitere Stationierungsorte: das nordossetische Mosdok sowie Schuja nahe Moskau. Über Schuja haben die Vereinigten Staaten ihre Nato-Partner gemäß dem Bericht erstmals in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres informiert.

Jedes der vier Bataillone verfüge über vier Startfahrzeuge auf Rädern, die jeweils vier Raketen mit sich führten, schreibt die Zeitung weiter. Folglich besitze Russland mindestens 64 SSC-8, die entweder mit einem konventionellen oder mit einem nuklearen Sprengkopf bestückt werden können. Die Reichweite des Marschflugkörpers mit Atomsprengkopf betrage 2350 Kilometer. Mit einem konventionellen 500 Kilogramm schweren Sprengkopf seien es 2000 Kilometer, so die Zeitung.

Das 1987 geschlossene INF-Abkommen zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion untersagt den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Russland behauptet, sein Waffensystem komme nur 480 Kilometer weit. Gemäß der derzeitigen Aufstellung liegen das östliche und nördliche Europa in Reichweite des Systems, ebenso wie Mitteleuropa bis einschließlich Deutschlands. Im Krisenfall könne das System jedoch rasch gen Westen verlegt werden und ganz Europa mit Ausnahme Portugals bedrohen, schrieb die «FAS» weiter.

Unterdessen hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier angesichts des Scheiterns des INF-Abrüstungsvertrags dafür plädiert, sich alle Optionen offen zu halten, auch die der Nachrüstung. Die USA haben den Ausstieg aus dem Vertrag zum Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen angekündigt und mit russischen Verstößen gegen die Regelungen begründet. «Ich setze darauf, dass sich Amerikaner und Russen am Ende einigen werden. Ich finde es aber falsch, dass einige den Gedanken der Nachrüstung von vornherein ausschließen. Das würde unsere Verhandlungsposition schwächen», sagte Altmaier der «Welt am Sonntag».

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat sich mehrfach gegen eine Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa ausgesprochen.

Altmaier erklärte, nur wenn Europäer und Amerikaner grundsätzlich ihre Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit demonstrierten, werde Moskau bereit sein, auf die westlichen Anliegen Rücksicht zu nehmen. «Das heißt konkret: Wenn wir am Ende wirkliche Abrüstung wollen, dürfen wir im Vorfeld keine Option kategorisch ausschließen.»

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dpa

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10. 02. 2019
12:06 Uhr

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