Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Brennpunkte

Behindertenverband fordert Fahrschule für E-Tretroller

Sie sollen Radwege und Straßen nutzen, doch daran halten sich viele Fahrer von E-Tretrollern nicht. Zum Ärger von Behinderten-Vertretern. Auch der Sozialverband VdK übt Kritik.



E-Scooter im Straßenverkehr
E-Scooter fahren durch Berlin.   Foto: Jens Kalaene

Sie fahren auf Gehwegen, immer wieder auch betrunken, und lassen ihre Gefährte mitten auf Bürgersteigen stehen oder liegen: Manche Fahrer von E-Tretrollern gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Ein Problem ist das vor allem für Behinderte. «Wir sind strikt gegen E-Tretroller. Die Zulassung kam übereilt und viel zu schnell», sagt der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbands, Dominik Peter. Er fordert verpflichtende Kurse für alle E-Rollerfahrer. «Die E-Tretroller können eine echte Stolperfalle sein», ergänzt Stephan Heinke, Leiter des Gemeinsamen Fachausschusses Umwelt- und Verkehr beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

«Man kann echt viel mit den Rollern anstellen. Ich verstehe nicht, warum man nicht sagt: Bevor die Nutzung erlaubt ist, muss man vier praktische Stunden absolvieren, in denen auf die Gefahren hingewiesen wird», so Peter. «Im Prinzip muss auch der öffentliche Raum komplett neu eingeteilt werden. Wir haben jetzt eine neue Gruppe von Menschen, die im Verkehr unterwegs ist», ergänzt er. Da müsse man klären, wie man diese Gruppe einbinden könne. Aus seiner Sicht ist auch die Altersgrenze zu niedrig angesetzt. Sie liegt für E-Tretroller - auch E-Scooter genannt - bei 14 Jahren.

«Ordnungsamt und Polizei müssten konsequenter im Einsatz sein und kontrollieren», fordert Heinke. Auch das Strafmaß für Missachtung der Regelungen müsse deutlich höher sein. «Die jetzigen Bußgelder sind keine wirklichen Strafen», so Heinke. Bei Verstößen sind unterschiedliche Bußgelder fällig. Nach ADAC-Angaben kostet etwa das Fahren mit einem E-Tretroller auf dem Gehweg bis zu 30 Euro. Das Fahren ohne eine Betriebserlaubnis kostet 70 Euro.

Ein großes Problem für Blinde sei es auch, dass sie herannahende E-Tretroller nicht sehen und daher nicht zur Seite gehen könnten. «Ein junges Mädchen aus unserem Verband wurde bereits von einer Rollerfahrerin in Berlin angerempelt und auch noch beschimpft, weil es nicht ausgewichen ist», berichtet Heinke. «Auch Rollstuhlfahrer können nicht so schnell ausweichen», ergänzt Dominik Peter. «Unsere Mitglieder fühlen sich inzwischen sehr unsicher in der Stadt, weil die E-Tretroller sehr schnell auf den Gehwegen unterwegs sind», berichtet er.

Der Sozialverband VdK übt ebenfalls Kritik. «Für kleine Kinder, für Ältere und für Menschen mit Behinderung ist das Risiko am höchsten. Sie können oft nicht so schnell reagieren und zur Seite springen, wie es notwendig wäre», sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. E-Roller in diesem großen Maßstab einzuführen, sei unbedacht gewesen. Es müsse besser kontrolliert werden, wer wo mit den Rollern fahre. Und: «Wir fordern auch eine 0,0-Promille-Grenze für alle, die E-Roller fahren. Manche sind alkoholisiert unterwegs, was die Sache noch gefährlicher macht.»

Angelina Herwig vom Vorstand der Bundesvereinigung Eltern blinder und sehbehinderter Kinder sagt, sie sei nicht gegen E-Tretroller. «Die sind aus meiner Sicht nicht gefährlicher als Fahrräder», so die Mutter eines blinden Sohnes aus Kassel. «Es ist vor allem eine Sache der gegenseitigen Rücksichtnahme», betont sie. «Blinde sind einfach darauf angewiesen, dass andere Rücksicht nehmen.» Dafür müssten E-Tretrollerfahrer sensibilisiert werden, meint sie.

Immer mehr E-Scooter sind in den Städten unterwegs - und die Probleme nehmen zu. Meldungen über Unfälle häufen sich. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat die Kommunen zu einem härteren Durchgreifen aufgerufen. «Um den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer jederzeit zu gewährleisten, sind wir dabei auf die Mitwirkung der Städte und Kommunen angewiesen», heißt es in einem Brief des CSU-Politikers an den Präsidenten des Deutschen Städtetags, den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Der Verband weist darauf hin, dass für die Kontrolle des fließenden Verkehrs und damit für die Ahndung von Verstößen gegen die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung die Polizei zuständig sei. Elektro-Tretroller sind seit Juni in Deutschland zugelassen. Mehrere Anbieter stellen die kleinen Fahrzeuge seither in etlichen Städten zum Ausleihen zur Verfügung. Die Roller dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen. Gibt es keine, müssen sie auf die Fahrbahn.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 08. 2019
12:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Scheuer Behinderte Behindertenverbände Bundesverkehrsminister Burkhard Jung Fahrräder Fahrzeuge und Verkehrsmittel Kinder und Jugendliche Ordnungsämter Politiker der CSU Polizei SPD Sozialverband VdK Verena Bentele Verkehr Verkehrsteilnehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Motorrad-Demo

04.07.2020

Motorradfahrer protestieren gegen mögliche Fahrverbote

Kommen Fahrverbote am Wochenende? Tausende Biker haben gegen eine Initiative des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm demonstriert. An vielen Orten waren es deutlich mehr Motorradfans als erwartet. » mehr

Kanzlerin und Vize

04.06.2020

130 Milliarden gegen die Krise: Viel Lob für Schwarz-Rot

Dass sowohl Wirtschaft als auch Umweltschützer sich positiv überrascht zeigen, kommt nicht oft vor. Doch knapp 21 Stunden Verhandlung haben sich für Union und SPD gelohnt: Ihr historisch großes Konjunkturpaket gegen die ... » mehr

Tempomessgerät

09.07.2020

Neue Raser-Regeln bundesweit außer Vollzug

Wegen eines Formfehlers werden neue Raser-Regeln vorerst nicht geahndet. Bund und Länder müssen nun klären, wie es mit der neuen Straßenverkehrsordnung weitergeht - es zeichnen sich schwierige Verhandlungen ab. » mehr

E-Scooter

17.07.2019

Scheuer für härteres Durchgreifen bei E-Tretrollern

Der Verkehrsminister ist ein bekennender E-Scooter-Fan. Doch je mehr Elektro-Tretroller unterwegs sind, desto klarer wird, dass es auch Nachteile gibt. Was tun - und wer soll die Regeln kontrollieren? » mehr

Andreas Scheuer

02.07.2020

Maut-Debakel: Neue Vorwürfe der Opposition gegen Scheuer

Verkehrsminister Scheuer wird das Maut-Debakel nicht los. Das Ministerium übermittelt dem Untersuchungsausschuss Mails seines Abgeordneten-Accounts, der Opposition reicht das nicht. » mehr

Schutzmaske

27.04.2020

Masken und mehr Schüler - Start in die nächste Corona-Phase

Nach wochenlangem Kontakt-Stopp sollen vorsichtige Lockerungen kommen - im Nahverkehr, in Läden und in Kindergärten. Dafür müssen sich die Bürger künftig im Alltagsleben an neue Umstände gewöhnen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Motorrad Waffenrod Waffenrod

Motorradunfall Waffenrod | 13.07.2020 Waffenrod
» 6 Bilder ansehen

Bad Salzungen

Gesuchte Männer | 13.07.2020 Bad Salzungen
» 5 Bilder ansehen

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 08. 2019
12:11 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.