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Atommüll: Bundesamt warnt vor «Wegducken»

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager beginnt die Beteiligung der Öffentlichkeit. Noch aber sind sehr viele Gebiete im Rennen. Der Chef einer Bundesbehörde weist Kritik am Verfahren zurück.



Suche nach Atomendlager
Wolfram König, Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung.   Foto: Carsten Rehder/dpa

Der Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, Wolfram König, hat die Suche nach einem sicheren Atommüll-Endlager einen langen und steinigen Weg genannt. «Aber er ist leider ohne ernsthafte Alternativen», sagte König der Deutschen Presse-Agentur.

Er verglich die Suche mit einer Gipfelbesteigung. Zur Frage, was dabei die schwierigsten Herausforderungen seien, sagte König: «Dass die Seilschaft auch bei schwierigen Wetterverhältnissen zusammen bleibt und ganz wesentlich, dass die Kondition ausreicht.»

Auf die Frage, welche früheren Fehler vermieden werden sollten, sagte König: «Zu hoffen, dass Weggucken und Wegducken das Problem schon irgendwie aus der Welt schafft.» Dauerhafte Sicherheit vor den gefährlichen Abfällen werde nur erreichbar sein, wenn sich jetzt darum gekümmert werde.

Ende September hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) einen Zwischenbericht vorgelegt, wonach 90 Gebiete in Deutschland nach geologischen Kriterien grundsätzlich geeignet sind für ein Atomendlager - der lange heftig umkämpfte Salzstock Gorleben in Niedersachsen aber ist nicht darunter. Als Grund wurden geologische Mängel genannt.

Daran und am Verfahren hatte es viel Kritik gegeben, etwa aus Bayern und aus ostdeutschen Ländern. So hatte die Fraktionsvorsitzende der Linken in Thüringen, Susanne Hennig-Wellsow, gesagt, der gefährliche Abfall sollte dort entsorgt werden, wo mit ihm Milliarden verdient worden seien, nämlich im Westen. «Es kann doch nicht sein, dass Thüringen zum Atom-Klo wird.»

König sagte, das Suchverfahren habe zum Ziel, dass die beste geologische Struktur in Deutschland den Ausschlag für die Standortentscheidung gebe. «Nur so kann die Auswahl als fair und für den Standort als akzeptabel erscheinen. Für diesen Weg haben auch alle Bundesländer in dem Gesetzgebungsverfahren ihre Hand gehoben. Die Glaubwürdigkeit des Verfahrens steht und fällt mit der Tatsache, dass noch nicht einmal der Eindruck erweckt wird, dass eine sachfremde Einflussnahme auf Entscheidungen ausgeübt wird.»

An diesem Woche findet der Auftakt zu einer Fachkonferenz zum Zwischenbericht der BGE statt, coronabedingt in einem digitalen Format. Die BGE soll interessierten Bürgern ihre Vorgehensweise zur Eingrenzung von Regionen erläutern.

König sagte, der Bericht zeige, dass Deutschland über vielfältige und große geologische Strukturen verfüge, die grundsätzlich für eine sichere Endlagerung von radioaktiven Abfällen geeignet sein könnten. Es sei nun die Aufgabe der Bundesgesellschaft für Endlagerung, zügig Klarheit für den nächsten Schritt herzustellen, wo konkrete Untersuchungen vor Ort wirklich sinnvoll seien. «Diese sogenannten Standortregionen werden dann in mehrerer Hinsicht andere Diskussionen und Beteiligungsformen möglich machen.»

Bürgerinitiativen und Umweltverbände äußerten Kritik am reinen Online-Format der Auftaktveranstaltung am Wochenende. Die Diskussions- und Interaktionsmöglichkeiten würden dadurch massiv einschränkt. König wies die Kritik zurück: «Es fällt manchen leichter, anderen schwerer, in der neuen Zeit anzukommen.» Die Pandemie verändere die Kommunikationsmöglichkeiten und eröffne für breitere gesellschaftliche Gruppen eine Beteiligung an derartigen Entscheidungsprozessen.

Das Standortauswahlverfahren ermögliche in einmaliger Weise sich umfassend an der Lösung eines der großen Umweltprobleme zu beteiligen. «Die alten Bilder des jahrzehntelangen Konflikts um die Nutzung der Atomenergie spiegeln nicht die heutige Realität wider.»

Das Endlager für hoch radioaktive Abfälle aus den Kraftwerken soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, der Bundestag entscheidet darüber. Ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Bis Ende 2022 soll in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen.

© dpa-infocom, dpa:201017-99-975738/3

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17. 10. 2020
08:17 Uhr

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