Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Arzt wegen sexuellen Missbrauchs von 21 Jungen vor Gericht

Er ist die Horrorvorstellung fast aller Eltern: Ihre Kinder werden auf dem Spielplatz von einem Fremden angesprochen und missbraucht. Genau so ging ein pädophiler Kinderarzt sehr lange vor. Nun muss erneut über die Strafe gegen ihn entschieden werden.



Landgericht Augsburg
Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil des Landgerichts Augsburg aufgehoben.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Er hatte sich seit den 1990er Jahren reihenweise an kleinen Kindern sexuell vergangen. Für den Missbrauch von rund 20 Jungen wurde der Kinderarzt im März 2016 in Augsburg zu einer dreizehneinhalbjährigen Gefängnisstrafe, Sicherungsverwahrung und lebenslangem Berufsverbot verurteilt.

Dem Bundesgerichtshof (BGH) erschien dies zu hart. Die Karlsruher Richter meinten, dass der Angeklagte zumindest bei einem Teil der Taten wegen seiner Pädophilie vermindert schuldfähig gewesen sein und dann eine mildere Strafe bekommen könnte. Deswegen muss sich nun seit Montag eine andere Kammer des Augsburger Landgerichtes erneut mit dem Fall befassen.

Zu Beginn des Verfahrens wurden zunächst stundenlang die bisherigen Gerichtsbeschlüsse verlesen. Der 43 Jahre alte Kinderarzt sagte am ersten Verhandlungstag nicht aus, er hatte bereits im ersten Verfahren ein umfangreiches Geständnis abgelegt und den missbrauchten Kindern so eine Aussage vor Gericht erspart. Allerdings hatte er seine Taten mitunter auch mit Kameras aufgenommen und so selbst der Kripo belastende Beweismittel geliefert.

Die Verteidiger nutzen den ersten Verhandlungstag, um einen Befangenheitsantrag gegen den forensischen Psychiater zu stellen, der bereits am ersten Prozess beteiligt war. Die Richter haben über den Antrag noch nicht entschieden. Für das neue Verfahren hat die Kammer allerdings auch einen zweiten Sachverständigen bestellt und damit eine Forderung des BGH umgesetzt. Es sind nun 18 weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil wird voraussichtlich am 29. Januar 2019 verkündet.

Der Mediziner hatte immer wieder in Augsburg und München Kinder auf der Straße oder einem Spielplatz angesprochen, ihnen Spielzeug versprochen und sie dann in nahe Gebäude geführt. In den Kellern oder Tiefgaragen kam es dann zum Missbrauch. Der Mann verging sich zudem an den Söhnen von zwei Freundinnen. So hatte er bei Reisen nach Nürnberg und nach Florida die Jungen in Hotelzimmern missbraucht.

Der Klinikarzt nutzte bei seinen Taten auch aus, dass er als Notarzt für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) tätig war. Er wandte sich an eine Reihe von Grundschulen und warb für kostenlose Ausflüge für benachteiligte Kinder. Dabei trat er als Mediziner des Augsburger Klinikums oder BRK-Chefarzt auf, beide Einrichtungen wussten davon nichts. Jedenfalls konnte der Arzt so mit mehreren Kindern Fahrten unternehmen und sich an den Schülern vergehen.

Die schwerwiegendste Tat beging der Mann dann im August 2014 im niedersächsischen Garbsen. Dort entführte der Arzt einen Fünfjährigen in seine Wohnung in Hannover, wo der Mann damals an der Medizinischen Hochschule arbeitete. Der Mann zwang das Kind, ein Narkosemittel einzunehmen und verging sich an dem Jungen. Dabei verletzte er den Fünfjährigen auch, nach zwei Stunden setzte der Mann das Kind irgendwo in der niedersächsischen Landeshauptstadt wieder aus.

Klar ist bereits zu Beginn des neuen Verfahrens, dass der Deutsche erneut zu einer Haftstrafe verurteilt wird. Der BGH-Senat schloss ausdrücklich aus, dass der Angeklagte bei Begehung der Taten schuldunfähig war. Entscheidend für die Höhe der Strafe werden deswegen nun die neuen Gutachten über die Psyche des Angeklagten sein. Auch die vor zweieinhalb Jahren vom Augsburger Gericht gegen den Mann verhängte Sicherungsverwahrung und das lebenslange Berufsverbot müssen von der Jugendschutzkammer erneut überprüft werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 11. 2018
18:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgerichtshof Kinderärzte Pädophilie Rotes Kreuz Sexueller Missbrauch Sicherungsverwahrung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Landgericht Aurich

13.08.2019

Pflegevater missbrauchte Jungen - über zehn Jahre Haft

Immer wieder missbrauchte ein Mann seine Pflegekinder: unter der Dusche, im Kinderzimmer, im Wohnwagen oder im Griechenlandurlaub. Die Kinder waren ihm schutzlos ausgeliefert. Jetzt muss er für viele Jahre ins Gefängnis. » mehr

Urteile im Mordprozess

19.07.2019

Dreifachmord von Hille: Lebenslang für beide Angeklagten

Lebenslange Haftstrafen gegen beide Angeklagte. Der Dreifachmord von Hille sei von extremer Brutalität geprägt, urteilt das Landgericht Bielefeld. Und stellt die besondere Schwere der Schuld fest. » mehr

Missbrauchsfall Lügde

21.03.2019

Lügde-Skandal: Opfer-Anwalt schockiert über Jugendamts-Akten

Bei der Polizei sind Kinderpornografie-Dateien verschwunden, im Jugendamt wurden Akten gelöscht und frühen Pädophilie-Hinweisen nicht nachgegangen. Einer der Opfer-Anwälte zeigt sich schockiert, ob der neuen Enthüllungen... » mehr

Katholische Kirche

22.02.2019

Kirche ringt um Antworten auf Missbrauchsskandal

Wie will die katholische Kirche herausfinden aus der Krise um den massenhaften Missbrauch von Kindern? Auf dem Gipfeltreffen im Vatikan gibt es Vorschläge, Diskussionen, klare Schuldeingeständnisse. Doch gefordert wird n... » mehr

Missbrauchsfall Staufen

09.05.2019

Kind in Staufen vergewaltigt - Wie der Fall vor den BGH kam

Ein Kind wird bei Freiburg jahrelang missbraucht und an Männer verkauft. Sieben Täter sowie die Mutter des Opfers werden verurteilt. Vor dem Bundesgerichtshof haben nun Revisionen der Staatsanwaltschaft Erfolg. Es geht u... » mehr

Mann stirbt nach Polizei-Schüssen in Lübeck

03.11.2019

Zwei Tote durch Schüsse bei Polizeieinsätzen

Dass die Polizei schießt, kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor. Am Wochenende gab es nun mehrere solcher Zwischenfälle, bei denen zwei Menschen starben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ilmenauer IKK-Klimawandel Ilmenau

Ilmenauer IKK-Klimawandel | 16.11.2019 Ilmenau
» 12 Bilder ansehen

Goldene Ziege Kids 2019 Suhl

Goldene Ziege für Kinder | 16.11.2019 Suhl
» 100 Bilder ansehen

weihnama1.jpg Himmelpfort

Weihnachtsbüro Himmelpforten | 15.11.2019 Himmelpfort
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 11. 2018
18:48 Uhr



^