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Arme Staaten ziehen bittere Klima-Bilanz: «Nichts erreicht»

Die Erde erwärmt sich, Meeresspiegel steigen und bedrohen Staaten in ihrer Existenz. Seit einem Vierteljahrhundert suchen Klima-Diplomaten nach einer Lösung - ohne durchschlagenden Erfolg. Vor Ende der Klimakonferenz in Polen rechnen Betroffene mit Industriestaaten ab.



Hilfeschrei
Hilfeschrei: Mohamed Nasheed, damals Präsident der Malediven, bei der weltweit ersten Unterwasser-Kabinettssitzung einer Regierung im Jahr 2009.   Foto: epa » zu den Bildern

Zum Ende der UN-Klimakonferenz haben Politiker aus armen und vom Klimawandel bedrohten Staaten eine vernichtende Bilanz der seit einem Vierteljahrhundert laufenden Verhandlungen gezogen.

«Nichts haben wir erreicht», sagte der Ex-Präsident des vom Versinken bedrohten Inselstaats der Malediven, Mohamed Nasheed, im polnischen Kattowitz (Katowice). Der Kohlendioxidausstoß, der die Erderwärmung verursacht, steige und steige. «Und wir reden, reden und reden.»

Der Gipfel der fast 196 Staaten und der EU soll an diesem Freitag enden. Auch nach elf Tagen waren zentrale Streitpunkte ungelöst. Unterhändler richteten sich auf eine Nachtsitzung ein. In einer Mitteilung brachte die polnische Verhandlungsleitung sogar eine Verlängerung um «einige Tage» ins Spiel. Erfahrene Verhandler hielten das aber für unwahrscheinlich.

Ziel ist unter anderem ein Regelwerk für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Damals wurde vereinbart, dass die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die zugesagten Maßnahmen der Staaten reichen dafür bei weitem nicht aus.

Nasheed sagte, moralische Appelle an die reichen Industriestaaten, ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu drücken, halte er inzwischen für nutzlos. «Sie hören nicht zu.» Die jährlichen Klimakonferenzen kosteten inzwischen mehr als 75 Millionen Dollar (66 Mio. Euro), doch Fortschritte gebe es quasi keine. Einer auf dem Gipfel vorgestellten Prognose zufolge dürfte der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) nach dreijährigem Verharren in diesem Jahr wieder gestiegen sein.

Stattdessen regte er an, einen weltweiten Wettlauf der Staaten anzustoßen, wer es schaffe, am meisten Investitionen in erneuerbare Energie etwa aus Sonne und Wind zu lenken. Damit würden Industrien, die auf Kohle, Öl und Gas fußen, von allein unwirtschaftlich.

Auch Deutschland ringt derzeit darum, wie schnell die klimaschädlichen Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen. Sorgenkind ist auch der Verkehr hierzulande, wo die Emissionen im Vergleich zu 1990 nicht gesunken, sondern sogar gestiegen sind.

Der Sprecher der Gruppe der ärmsten Staaten, der Äthiopier Gebru Jember Endalew, verwies darauf, dass in seinem Land in Folge der Erderwärmung oft monatelang kein Regen falle und die Felder austrockneten. Seine Bürger stünden an der «Front» des Klimawandels. «Wir bezahlen das mit Menschenleben», sagte Endalew. «Es geht um unsere Gesundheit, unser Eigentum, unsere Zukunft.» Die Folgen des Stillstands beim Klimaschutz trügen die verletzlichsten Staaten, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen hätten.

Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Macht die Welt weiter wie bisher, leben wir Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer drei bis vier Grad wärmeren Welt. Die fatalen Folge je nach Region: mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

Der Umweltminister der Marshall-Inseln, David Paul, sagte, die Menschheit sei eine Familie. Es habe schon zu viele fruchtlose Verhandlungen über den Kampf gegen die Erderhitzung gegeben. «Wir haben keine Zeit mehr.» Seine Nation stehe vor der Auslöschung.

Ein Konflikt auf der Konferenz ist, dass die ärmeren und vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten verlässliche und längerfristige Finanzzusagen wollen. Zudem fordern sie eine öffentlich sichtbare Anerkennung der Schäden, die Klimawandel-Folgen wie Hitze, Dürre oder Überschwemmungen anrichten. Gestritten wird auch um ein klares Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel, das ein radikales Umsteuern erfordern würde.

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dpa

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13. 12. 2018
18:44 Uhr

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