Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Antisemitismus-Beauftragter ruft zum Kippa-Tragen auf

Kippa-Tragen als Zeichen gegen Intoleranz und als Zeichen der Solidarität - schlägt der Antisemitismusbeauftragte Klein vor. Zentralratspräsident Schuster rät zur Vorsicht. Mit einer speziellen Forderung melden sich Rabbiner zu Wort.



Mann mit Kippa
Ein Mann mit Kippa in einer Synagoge. Im vergangenen Jahr ist die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen.   Foto: Fredrik Von Erichsen

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Bundesbürger aufgerufen, am kommenden Samstag Kippa zu tragen.

Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Juden und trete ein für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt, sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger in Berlin und überall in Deutschland auf, am kommenden Samstag, wenn in Berlin beim «Al-Kuds-Tag» wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird, Kippa zu tragen.»

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, stufte Solidaritätsaktionen wie «Berlin trägt Kippa» zwar als sinnvoll ein, doch reichten diese nicht aus. Antisemitismus müsse auf vielen Ebenen bekämpft werden, sagte er der «Passauer neuen Presse».

Angesichts der Diskussion um das öffentliche Tragen der Kippa riet Schuster Kindern und Jugendlichen zur Vorsicht. In manchen Großstädten sollten sie «lieber eine Mütze über die Kippa ziehen». «Wenn auf das Problem jetzt von staatlicher Seite hingewiesen wird, wird die Lage hoffentlich so ernst genommen, wie sie ist.»

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag, die staatlichen Institutionen müssten dafür Sorge tragen, dass Menschen überall in Deutschland sicher eine Kippa tragen können. «Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung eines jeden möglich ist», sagte Seibert. Jeder Mensch solle sich an jedem Ort dieses Landes - auch mit einer Kippa - sicher bewegen können. «Zu dieser Verantwortung stehen wir.»

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) forderte im Kampf gegen Antisemitismus auch ein jüdisches Emoji-Piktogramm in sozialen Netzwerken. «Diese kleinen Symbole, diese kleine Aufmerksamkeit ist schon ein erstes Zeichen, dass wir angenommen sind und keine Fremdkörper», sagte Gady Gronich, Stabschef des CER-Präsidenten, der Deutschen Presse-Agentur. «Manchmal fühlen wir uns mehr wie Fremdkörper in Europa.»

Die Rabbiner schlagen ein Emoji mit Kippa vor, ein Emoji mit Kopfbedeckung für jüdische Frauen und ein Torabuch-Symbol. Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen.

Die Rabbiner verweisen in dem Schreiben darauf, dass es mittlerweile auch ein Emoji mit einem von muslimischen Frauen getragenen Kopftuch gibt und einen Mann mit Turban. Bei Whatsapp gibt es als jüdische Symbole lediglich einen siebenarmigen Kerzenleuchter, eine Synagoge und den Davidstern. Die CER tritt für die religiösen Rechte der Juden in Europa ein.

Klein rief dazu auf, an der Demonstration in Berlin gegen den «Al-Kuds-Tag» teilzunehmen. Hintergrund der anti-israelischen Proteste am «Al-Kuds-Tag» ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Klein hatte zuvor geraten, Juden sollten sich nicht überall in Deutschland mit der Kippa zeigen. Er begründete dies mit der «zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung», die ein fataler Nährboden für Antisemitismus sei. «Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen», sagte Klein.

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark gestiegen. Seibert sagte, der Anstieg der Straftaten «sollte für jeden in Deutschland ein Anlass zur großer Sorge sein». Jede einzelne dieser Straftaten sei ein Angriff auf die menschliche Würde.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
18:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Antisemitismus Araber Bürger Deutsche Presseagentur Felix Christian Klein Gesellschaft und Bevölkerungsgruppen Islam Josef Schuster Juden Judentum Kinder und Jugendliche Sechstagekrieg Steffen Seibert Synagogen Zentralrat der Juden in Deutschland
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Halle

09.10.2019

Rechtsextremist wollte Massaker in Halle anrichten

Die jüdische Gemeinde in Halle entgeht nur knapp einer Katastrophe. Ein Attentäter will das Gotteshaus stürmen, scheitert aber. Dann erschießt er zwei Menschen vor der Synagoge und in einem Döner-Laden. Es soll ein 27-jä... » mehr

Kippa

01.06.2019

Proteste gegen Al-Kuds-Marsch in Berlin

Der Marsch radikal-islamischer Gruppen in Berlin ruft lautstarke Proteste auf den Plan - sowohl auf der Straße als auch von Organisationen. Politiker warnen vor erstarkendem Antisemitismus. » mehr

Schüsse

10.10.2019

Seehofer garantiert Juden nach Anschlag Sicherheit

Vier Schusswaffen, Sprengsätze, Bekennervideo und ein «Manifest». Für die Ermittler gibt es keinen Zweifel: Der rechtsextremistische Schütze von Halle plante ein Massaker in der Synagoge mit weltweiter Wirkung. Und die B... » mehr

Andreas Geisel

14.08.2019

Jüdischer Mann in Berlin attackiert

Wieder soll es in Berlin eine antisemitische Attacke gegeben haben. Innensenator Geisel plant einen Antisemitismus-Beauftragten - und einen Runden Tisch. » mehr

Kippaträger

26.05.2019

Antisemitismusbeauftragter: Kippa nicht überall tragen

Die Zahl antisemitischer Straftaten ist bundesweit stark gestiegen. Wer eine Kippa trägt, setzt sich mancherorts einem Risiko aus. Das dürfe nicht so bleiben, fordern Vertreter der Juden hierzulande. Auch der israelische... » mehr

Gedenken

12.10.2019

Terroranschlag von Halle: Attentäter legt Geständnis ab

Die Bluttat von Halle sorgt für Bestürzung über Deutschland hinaus. In seinen Vernehmungen erweist sich Stephan B. als redselig - und bestätigt den Verdacht eines rechtsextremistischen Motivs. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Verhocktenumzug zum Abschluss der Kirmes in Tiefenort

Verhocktenumzug Tiefenort |
» 25 Bilder ansehen

Grenzgedenkstätte Point Alpha Rasdorf

Point Alpha Gedenkstätte | 20.10.2019 Rasdorf/Geisa
» 14 Bilder ansehen

Baumesse Suhl

Baumesse Suhl | 19.10.2019 Suhl
» 18 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
18:13 Uhr



^