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Ab in den Urlaub: Bundesbürger starten nach Corona-Pause

Das Startsignal für Sommerurlaub in Europa ist gefallen. Touristen aus Deutschland machen sich auf den Weg zu beliebten Zielen. Die Normalität kehrt zurück - jedenfalls ein Stück.



Tourismus auf Mallorca
Zwei Frauen sonnen sich am Playa de Palma. Die ersten deutschen Touristen sind am Montagmorgen auf Mallorca gelandet.   Foto: Clara Margais/dpa » zu den Bildern

Auf diesen Moment haben viele Menschen in Deutschland sehnsüchtig gewartet: Nach drei Monaten Corona-Pause sind am Montag Urlauber zu beliebten Reisezielen in Europa aufgebrochen.

Am Vormittag landete erstmals auch wieder eine Maschine mit Touristen aus Deutschland auf Mallorca. Die Bundesregierung hatte die weltweite Reisewarnung teilweise aufgehoben und damit das Startsignal für den Sommerurlaub von der Adria bis zur Algarve gegeben. Gleichzeitig fielen die letzten Kontrollen an den deutschen Grenzen zu den Nachbarländern.

Auch viele andere EU-Staaten hoben am Montag noch bestehende Einreisebeschränkungen auf. Damit normalisierte sich der Reiseverkehr in Europa pünktlich zur Ferienzeit weitgehend, allerdings noch nicht ganz.

An einigen Grenzübergängen beispielsweise nach Dänemark gab es Staus. Touristen dürfen dort seit Montag wieder einreisen, sofern sie mindestens sechs Übernachtungen gebucht haben. Der Betrieb an den Flughäfen lief verglichen mit dem sonstigen Ansturm zu dieser Jahreszeit dagegen auf Sparflamme, auch weil die Reisewarnung vorerst weiter für 160 Länder außerhalb Europas gilt. So waren am Montag am größten deutschen Airport in Frankfurt insgesamt 335 Starts und Landungen geplant. Unter normalen Bedingungen seien es zu dieser Zeit etwa 1500, sagte ein Fraport-Sprecher.

Auf die beliebten Balearen-Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera dürfen seit Wochenbeginn zunächst nur Urlauber aus Deutschland reisen. In einem ersten Kontingent sind insgesamt bis zu 10.900 Reisende erlaubt. Mit dem Pilotprojekt sollen Sicherheitsmaßnahmen gegen Covid-19 getestet werden, die landesweit zum Einsatz kommen, wenn sich ganz Spanien vom 21. Juni an wieder für den Massentourismus aus den Ländern des Schengenraumes öffnet.

Seit Montag um Mitternacht warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite nicht mehr vor Reisen in 27 europäische Länder. Dazu zählen Haupturlaubsländer der Deutschen wie Italien, Österreich, Griechenland, Frankreich und Kroatien.

Griechenland öffnete am Montag seine zwei wichtigsten Flughäfen - Athen und Thessaloniki - für Touristen aus zahlreichen Ländern. Aus Düsseldorf, Frankfurt, München und Zürich waren die ersten Flüge geplant, wie der Flughafen Athen mitteilte. Von den Flughäfen in Berlin wurde von Urlaubern und Geschäftsleuten berichtet, die an den Sicherheitskontrollen Schlange standen.

Auch in Italien treffen deutsche Touristen allmählich wieder ein. «In Limone kommen wieder deutsche Urlauber an», sagte die Sprecherin der Kommune Limone sul Garda, einer Stadt am Gardasee.

Für ein EU-Land wird die Reisewarnung wegen einer noch zu großen Zahl von Neuinfektionen aufrecht erhalten: Schweden, wo es deutlich weniger Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie gab als in den anderen EU-Ländern. Unter den 27 Ländern, für die die Reisewarnung jetzt aufgehoben wurde, gibt es zudem eine Abstufung. Von Reisen nach Großbritannien, Irland und Malta wird auf der Internetseite des Auswärtigen Amts «dringend abgeraten». In diesen drei Ländern ist nach der Einreise noch eine zweiwöchige Quarantäne erforderlich.

Aber auch in den anderen 24 Ländern wird der Urlaub nicht ganz risikofrei sein. Über die Bedingungen an den einzelnen Urlaubszielen informiert das Auswärtige Amt im Internet sehr detailliert in sogenannten Reisehinweisen. Darin wird über die Infektionslage, Einreisebestimmungen, mögliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im Land und Hygieneregeln informiert.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte die weltweite Reisewarnung für Touristen am 17. März nach Ausbruch der Corona-Pandemie verhängt. Eine Reisewarnung ermöglicht die kostenlose Stornierung gebuchter Trips. Andererseits schränkt sie aber auch den Versicherungsschutz für diejenigen ein, die trotzdem in ein solches Land aufbrechen.

Für 160 Länder außerhalb der EU gilt die Reisewarnung zunächst bis zum 31. August weiter. Es können in diesem Zeitraum aber Ausnahmen gemacht werden. «Ich würde jetzt nicht ausschließen, dass es auch weitere Länder gibt, wo wir in den nächsten Wochen die Reisewarnung aufheben und Reisehinweise aussprechen», sagte Maas im ZDF-«Morgenmagazin». Die Entscheidung werde immer von der Lage in den jeweiligen Ländern abhängen.

Allerdings müsste sich die EU wohl einig werden, weil innerhalb der Staatengemeinschaft die Grenzen ja wieder weitgehend offen sind. Dies wird nicht einfach, weil es unterschiedliche Prioritäten gibt. Für Deutschland geht es zum Beispiel vor allem um die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Bundesbürger, Frankreich blickt dagegen eher auf die nordafrikanischen Ferienländer Tunesien und Marokko. Die Türkei hat in der zurückliegenden Woche die Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben und den Flugverkehr - auch nach Deutschland - wieder aufgenommen.

Maas betonte, dass keine eigenen Flugzeuge der Bundesregierung für Rückhol-Aktionen von deutschen Urlaubern mehr eingesetzt würden. Dennoch würden deutsche Auslandsurlauber im Fall von Ausgangssperren und Einreisebeschränkungen im jeweiligen Urlaubsland auch weiterhin dabei unterstützt werden, mit normalen Flügen und auf eigene Kosten wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Die Tourismusbranche forderte eine schnelle Aufhebung der Reisewarnungen für Nicht-EU-Länder. Nach Berechnungen des Reiseverbandes DRV führen die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie zu Umsatzeinbußen für Reisebüros und Veranstalter von insgesamt fast 20 Milliarden Euro von Mitte März bis Ende August. Allein die Verlängerung der Reisewarnung für außereuropäische Länder bedeute für Juli und August neun Milliarden Euro Umsatzeinbuße.

Nicht alle Bundesbürger sind laut einer Umfrage des Instituts YouGov allerdings begeistert von den Lockerungen. 43 Prozent finden die Aufhebung der Reisewarnung unangemessen, 44 Prozent halten sie für angemessen.

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dpa

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15. 06. 2020
17:26 Uhr

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15. 06. 2020
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