Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Ärzte kritisieren Spahns Terminservice-Gesetz scharf

Ärzte sollen mehr Sprechzeiten anbieten, damit Kassenpatienten schneller einen Termin bekommen. Unter anderem damit will Gesundheitsminister Spahn eine bessere Versorgung erreichen. Ob das klappt? Aus Sicht der Bundesärztekammer ist es der falsche Weg.



Arztpraxis
Sie hat einen Termin: Patientin in einer Praxis in Hannover.   Foto: Emily Wabitsch » zu den Bildern

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seinen Gesetzentwurf für schnellere Arzttermine als konkreten Schritt zur besseren Versorgung von Kassenpatienten verteidigt.

Zusammen mit den Ärzten wolle er für im Alltag spürbare Verbesserungen für Patienten sorgen, sagte Spahn am Donnerstag im Bundestag bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs. Deshalb solle künftig auch die Vergütung von Ärzten für spezielle Leistungen angehoben werden.

So solle einem Hausarzt die Vermittlung eines Facharzttermines entsprechend honoriert werden. Terminservicestellen sollen künftig rund um die Uhr unter 116117 erreichbar sein, erläuterte Spahn. Das Gesetz soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 in Kraft treten. Der Bundesrat muss nicht zustimmen. Bei Ärzten stieß der Gesundheitsminister mit seinem Entwurf auf massive Kritik.

Der Gesetzentwurf sieht neben schnelleren Arztterminen vor, dass Praxisärzte mindestens 25 statt 20 Stunden für gesetzlich Versicherte anbieten sollen. Die bisher nach Ländern unterschiedlichen Telefon-Servicestellen für Termine sollen bundesweit zu Rund-um-die-Uhr-Angeboten ausgebaut werden. Ärzte sollen Zuschläge bekommen, wenn sie neue Patienten aufnehmen oder auf dem Land arbeiten. Die Zuzahlungen beim Zahnersatz sollen künftig niedriger ausfallen.

Die Krankenkassen werden verpflichtet, für ihre Versicherten bis spätestens 2021 elektronische Patientenakten anzubieten. Augenärzte, Frauenärzte und HNO-Ärzte sollen pro Woche fünf Stunden offene Sprechzeit ohne feste Terminvergabe einrichten.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wies die Darstellung zurück, dass Versorgungsengpässe von unzureichenden Sprechstundenzeiten herrührten. «Richtig ist: Ärztinnen und Ärzte arbeiten schon jetzt am Limit und oftmals auch darüber hinaus. Wer spürbare Verbesserungen für die Patienten will, muss genau hier ansetzen und für Entlastung sorgen.» Notwendig seien mehr Medizinstudienplätze, attraktive Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt wirksame Maßnahmen gegen Kommerzialisierung und Konzernbildung im deutschen Gesundheitswesen.

Für Ärger bei der Ärzteschaft sorgte eine Mitteilung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wonach insgesamt 25 Prozent der befragten Einzelpraxen mit Vollzulassung weniger als 25 Sprechstunden (inklusive Hausbesuche) pro Woche anböten und acht Prozent sogar weniger als 20 Sprechstunden. Im Schnitt haben niedergelassene Haus- und Fachärzte danach 29 Stunden pro Woche Sprechzeit für ihre Patienten.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, kritisierte, die Erhebung des GKV-Spitzenverbandes als «fake news». Es gebe nur sehr wenige Praxen, die weniger als 20 Wochenstunden Sprechstunden hätten. «Und hier muss in jedem Fall hinterfragt werden, woran das liegt. Sprechstundenzeiten sind ja nicht gleichzusetzen mit Behandlungszeiten für Patienten.»

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, begrüßte den Ausbau der Terminservicestellen und die Vereinheitlichung der Rufnummer. Genauso sei eine zentrale Plattform unabdingbar, über die Termine online vereinbart werden könnten. «Allerdings drohen pflegebedürftige, schwerstkranke und nicht mobile Menschen weiter abgehängt zu werden.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
14:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesärztekammer CDU Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Forsa-Institut Frank Ulrich Montgomery Gesetzentwürfe Gesundheitsminister Jens Spahn Kassenpatienten Kassenärztliche Bundesvereinigung SPD
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Gesundheits-App

07.11.2019

Gesundheits-Apps kommen bald auf Rezept

Beim Arztbesuch läuft oft noch viel auf Papier. Die große Koalition will deswegen Tempo machen, um endlich einen Durchbruch für die Digitalisierung zu schaffen. Geht das für manche auch zu schnell? » mehr

Rauchen im Auto

20.09.2019

Länder dringen auf Rauchverbot in Autos mit Kindern

Für den Vorstoß gibt es breite Zustimmung, aber auch Bedenken zur Umsetzung. Mehrere Bundesländer wollen Kinder und Schwangere vor gefährlichem Qualm im Auto schützen und nehmen die Regierung in die Pflicht. » mehr

Krankschreibung

24.10.2019

Bundestag beschließt Aus für Krankschreibung auf Papier

Der Bundestag hat das Aus für den «gelben Schein» beschlossen. Die Krankmeldung auf Papier soll künftig durch eine digitale Bescheinigung für den Arbeitgeber ersetzt werden. Das sieht ein umfangreiches Gesetzespaket zum ... » mehr

Arztpraxis

14.03.2019

Was bringt das Schneller-Drankommen-Gesetz Kassenpatienten?

Wenn es Termine beim Arzt erst in mehreren Wochen gibt, ärgert das gesetzlich Versicherte - vor allem, wenn Privatpatienten fixer dran kommen. Gegensteuern soll ein Gesetz, das noch einiges mehr vorsieht. » mehr

Organspendeausweis

24.09.2019

Organspende-Anhörung: Viele Experten fordern große Reform

Wie kann man zu mehr lebensrettenden Organspenden kommen? Und mit welchen ethischen Folgen? Der Bundestag berät über zwei Alternativen, und beide Lager sammeln Argumente - auch von Sachverständigen. » mehr

Jens Spahn

05.05.2019

Spahn will Masern-Impfpflicht mit Geldstrafe durchsetzen

Das Masern-Virus ist hoch ansteckend, es greift auch in Deutschland um sich. Der Gesundheitsminister macht nun Druck und will Impfungen für Kinder zur Pflicht machen. Auf Verweigerung sollen empfindliche Strafen folgen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bombenfund Meiningen

Bombe in Meiningen |
» 5 Bilder ansehen

Narrenzug Bad Salzungen Bad Salzungen

Narren regieren Bad Salzungen | 11.11.2019 Bad Salzungen
» 31 Bilder ansehen

Rathaussturm Suhl Suhl

Narren stürmen Rathaus Suhl | 11.11.2019 Suhl
» 58 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
14:20 Uhr



^