Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

16 Verdächtige nach Razzia gegen Rechtsextreme

Nach der großangelegten Razzia gegen die rechtsextreme Szene in vier Bundesländern kann die Polizei umfangreiches Beweismaterial sicherstellen. Ergebnisse zeigt sie am Donnerstag in Potsdam.



Razzia gegen Rechtsextreme
Wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung im Raum Cottbus fand eine Razzia gegen Personen der Hooligan-, Kampfsport- und rechtsextremistischen Szene statt.   Foto: Michael Helbig

Macheten, Schlagringe, Sturmhauben - die Polizei hat bei der Großrazzia gegen die rechtsextreme Szene in vier Bundesländern umfangreiches Beweismaterial sichergestellt.

Schwerpunkt war der Raum Cottbus. Insgesamt durchsuchten etwa 410 Polizisten 33 Objekte, davon 29 in Brandenburg, zwei in Berlin und je eines in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Gegen 16 Menschen im Raum Cottbus wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt, wie Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke in Potsdam bekanntgab. Insgesamt gehe es um 50 Straftaten, darunter Körperverletzung, Verstöße gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigung.

Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) steht ein Milieu aus Hooligans, Kampfsportlern und Rechtsextremisten im Fokus der Ermittlungen. «Die Behörden werden es nicht hinnehmen, wenn sich Personen zusammenrotten und Straftaten begehen», sagte er. Der Rechtsstaat habe ein deutliches Zeichen gesetzt. Seit vergangenem Jahr werde insgesamt gegen 20 Beschuldigte wegen Straftaten wie Körperverletzung oder Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Schröter versteht die Razzia auch als Signal für all jene, die sich im Umfeld rechtsextremer, krimineller Vereinigungen bewegten.

Festnahmen gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus bisher nicht, auch wurden keine Haftbefehle vollstreckt. «Wir haben bewusst keine Festnahmen durchgeführt, denn wir wollen erst die ganzen Beweismittel auswerten, das wird noch eine Zeit dauern», sagte der leitende Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher. Unter den dringend Tatverdächtigen gebe es fünf Menschen, die eine führungsähnliche Rolle übernähmen, indem sie andere anleiteten und für Aktionen mobilisierten.

Cottbus, die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, sorgt mit ihrem rechtsextremistischen Potenzial, gewalttätigen Ausschreitungen und zeitweise aggressiver Stimmung immer wieder für Schlagzeilen. Der Verfassungsschutz bezeichnete den Raum Cottbus jüngst als «Hotspot» des Rechtsextremismus in Brandenburg. Der Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Brandenburg, Heiko Homburg, spricht von rund 400 rechtsextremen Personen. Seinen Angaben nach versucht die rechtsextreme Szene im Raum Cottbus auch ökonomisch Fuß zu fassen. Eine wirtschaftliche Grundlage für Mitglieder der Szene seien zum Beispiel Tattoo-Studios, Plattenlabel oder Shops, die rechte Modelabel oder Fitnesspräparate verkauften.

Ähnlich sieht es Rechtsextremismus-Forscher Robert Claus. Das Besondere in Cottbus sei das Geschäftsnetzwerk, das sich die rechtsextreme Szene aus professionellen Kickboxern, jungen Ultras, Hooligans und Security-Leuten aufgebaut habe. Die rechtsextreme Szene sei geschäftig und könne sich selber ernähren, sagte Claus der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Auch die Stadt sieht die Probleme mit Rechtsextremismus und den Strukturen, wie Sprecher Jan Gloßmann am Mittwoch sagte. Der Cottbuser Landtagsabgeordnete der Linksfraktion, Matthias Loehr, spricht von einem «festen braunen Bodensatz» im Raum Cottbus. Die Stadt versuche zwar mit Netzwerken wie «Cottbus ist bunt» dagegen anzugehen. Sie schaue aber auch zu oft weg.

In Cottbus gibt es inzwischen eine Mixstreife - zwei Kollegen vom Ordnungsamt und zwei Polizisten. Sie sollen zusätzlich für Sicherheit in der Stadt sorgen. Zudem will die Stadt voraussichtlich Ende April ein geplantes «Sicherheitszentrum» eröffnen. Den Angaben zufolge soll es Anlaufstelle für Sicherheit und Ordnung für Bürger in der Cottbuser Innenstadt sein. Polizei und Ordnungsamt sollen dort gemeinsam arbeiten. Bei Großveranstaltungen soll die Anlaufstelle ein Lagezentrum werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
16:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Deutsche Presseagentur Gewalt Haftbefehle Karl Heinz Karl-Heinz Schröter Matthias Loehr Oberstaatsanwälte Ordnungsämter Polizei Polizeipräsidentinnen und Polizeipräsidenten Polizistinnen und Polizisten SPD Sachbeschädigung Schlagringe Staatsanwaltschaft
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Razzia in Cottbus

10.04.2019

Razzia gegen Rechtsextreme in Ostdeutschland

Die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland ist gut vernetzt, als ein Schwerpunkt gilt Südbrandenburg. Nun startete die Polizei in vier Bundesländern eine Großrazzia - nicht allein gegen Hooligans. » mehr

Messerattacke

04.10.2019

Terror-Verdacht nach Messerangriff in Paris

Ein Mitarbeiter der Polizei greift in der Polizeipräfektur mitten in Paris seine Kollegen mit einem Messer an. Im Raum steht nach der brutalen Tat eine große Frage: Warum? Jetzt gehen die Ermittlungen in eine neue Richtu... » mehr

Polizeiabsperrung

11.09.2019

Razzien im Norden: Verdacht auf Terrorfinanzierung

Die Ermittler kommen am frühen Morgen. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden mehrere Gebäude durchsucht. Der Verdacht der Terrorfinanzierung steht im Raum. Es gibt drei Festnahmen. » mehr

Rocker-Prozess in Berlin

02.10.2019

Lebenslange Haft für Hells Angels - Revierkämpfe befürchtet

In einem der bundesweit größten Rocker-Prozesse werden in Berlin acht Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Schuldsprüche sind noch nicht rechtskräftig - und die Organisierte Kriminalität noch lange nicht bekämpft. » mehr

Einkaufszentrum in Duisburg

09.08.2019

Duisburger Bombenattrappe: Neuer Verdächtiger und Geständnis

Überraschende Wende im Fall der Duisburger Bombenattrappe: Einem Polizisten, der nicht im Dienst ist, fällt ein verdächtiger Mann auf. Dann kommt ein Geständnis. » mehr

Tatort

24.08.2019

Todesschüsse in Berlin: Haftbefehl wegen Mordes erlassen

Ein Mann ist am helllichten Tag in einem Berliner Park erschossen worden. Nun wurde Haftbefehl wegen Mordes aus Heimtücke erlassen. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Verhocktenumzug zum Abschluss der Kirmes in Tiefenort

Verhocktenumzug Tiefenort |
» 25 Bilder ansehen

Grenzgedenkstätte Point Alpha Rasdorf

Point Alpha Gedenkstätte | 20.10.2019 Rasdorf/Geisa
» 14 Bilder ansehen

Baumesse Suhl

Baumesse Suhl | 19.10.2019 Suhl
» 18 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
16:27 Uhr



^