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Zwei neue Welterbetitel für Deutschland

Deutschland ist um zwei anerkannte Kulturschätze reicher. Bayern und Sachsen können sich über neue Welterbetitel der Unesco freuen. Ein dritter - eigentlich aussichtsreicher - Antrag bei der Kommission scheiterte allerdings. Der Schuldige verteidigte sich.



Augsburg
Historische Wassertürme in Augsburg.   Foto: Stefan Puchner » zu den Bildern

Mit dem historischen Wassermanagement-System in Augsburg (Bayern) und der Bergbauregion Erzgebirge hat Deutschland zwei neue Welterbestätten. Die Zahl des besonders schützenswerten deutschen Kultur- und Naturerbes stieg damit auf 46.

Die Deutsche Unesco-Kommission sprach bei der diesjährigen Sitzung des Welterbekomitees in der Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer von einem großen Erfolg für Bayern und Sachsen gemeinsam mit Tschechien.

Dagegen scheiterte der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes - eine ehemalige Militärgrenze - in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären. Es wäre noch ein zweiter Erfolg für Bayern gewesen.

Mit dem Welterbetitel wurde Augsburg, die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach, als Zentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft gewürdigt, das sich über acht Jahrhunderte beispielhaft entwickelt habe. Dort spiegelten sich Erfindergeist und Technikgeschichte, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. «Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser», sagte sie.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Sonntag, das ausgeklügelte System der Wasserbewirtschaftung habe Augsburg Wohlstand gebracht. «Heute steht intelligentes Wassermanagement für den nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen», sagte er. Wassertürme, Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen gehören zu dem Ensemble. Grundlage sei ein mehr als 200 Kilometer langes Kanalsystem, teilte die Unesco-Kommission mit. Zudem war dort ein Eiskanal für die Olympischen Spiele 1972 gebaut worden. Er dient heute Kanuten als Trainingsstätte.

Für die Montanregion Erzgebirge/Kru?nohorí war die Verleihung des UN-Gütesiegels ein lang ersehnter Traum. Seit mehr als 20 Jahren gab es die Bemühungen. Delegierte sprachen in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku von einem «Meisterwerk menschlicher Kreativität» und einer Anlage von universellem Wert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobte das Projekt in Baku als Beispiel für internationale Zusammenarbeit. «Glück auf!», rief er auf Deutsch in seiner Dankesrede. Es ist die erste gemeinsame Welterbestätte von Deutschland und Tschechien.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

«Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent», sagte Böhmer von der Unesco. Bergleute hätten von dort ihr Handwerkswissen in die Welt getragen. Die 1765 im erzgebirgischen Freiberg gegründete Bergakademie ist die älteste noch bestehende Einrichtung ihrer Art.

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter auch die alte römische Militärgrenze - der sogenannte Donaulimes. Der Antrag - und damit ein möglicher dritter Erfolg für Deutschland - scheiterte an Änderungswünschen Ungarns. Die Regierung hatte kurz vor der Sitzung dem Unesco-Komitee zufolge einen Teil der Stätte im Norden von Budapest, den Statthalterpalast in der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum, aus der Nominierung gestrichen. Der Weltdenkmalrat Icomos hält den Palast allerdings für besonders wichtig in der Bewerbung um den Titel.

Der ungarische Delegierte sagte, dass jede Regierung das Recht auf Änderungen habe. Er bedauere, dass die anderen Staaten die Leidtragenden seien. Die Antragsteller haben die Möglichkeit, ihre Dokumente zu überarbeiten und sich erneut um das Gütesiegel der UN-Kulturorganisation zu bewerben.

Die Sitzung des UN-Komitees im autoritär regierten Aserbaidschan dauert noch bis zum 10. Juli. Aktuell stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten aus mehr 160 Ländern auf der Welterbe-Liste. 22 Stätten hatten allein am Wochenende das Gütesiegel erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte «rosarote Stadt» Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans.

Neu hinzu kamen am Sonntag auch die Herkunftsregion des italienischen Schaumweins Prosecco in Italien sowie acht Gebäude des US-Architekten Frank Lloyd Wright, darunter das Guggenheim-Museum in New York. Wright (1867-1959) gilt als Genie der geometrischen Abstraktion des 20. Jahrhunderts.

Außerdem jetzt dabei Bagan in Myanmar, eine heilige Landschaft mit buddhistischer Kunst und Architektur, und die Höhlensiedlung Risco Caido mit der Kulturlandschaft der heiligen Berge von Gran Canaria. Aus Russland hatten die Kirchen der Architekturschule von Pskow Erfolg. Am Freitag war bereits die antike Ruinenstadt Babylon im Irak aufgewonnen worden. Mit der Aufnahme in die Liste verpflichten sich die Länder zu einem Schutz des Welterbes.

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
18:37 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
18:37 Uhr



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