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Zwei Frauen im Zentrum des Weinstein-Prozesses

Im größten Prozess der MeToo-Ära stehen zwei Frauen im Mittelpunkt. Die eine will Harvey Weinstein für immer hinter Gitter bringen, die andere greift Zeuginnen mit ungewöhnlicher Härte an. Ihr Duell wird das Schicksal des Ex-Filmmoguls mitentscheiden.



Weinstein-Prozess - Mimi Haleyi
Mimi Haleyi (l) neben ihrer Anwältin.   Foto: Seth Wenig/AP/dpa

Harvey Weinstein blickt auf, als seine Hauptverteidigerin Donna Rotunno vor dem Zeugenstand auf und ab tigert. Seit Minuten versucht sie, eine für ihn unangenehme Zeugin als unglaubwürdig darzustellen: die ehemalige Mitbewohnerin einer der Hauptbelastungszeugen, der Produktionsassistentin Mimi Haleyi.

Sie stützt Haleyis Vergewaltigungsvorwurf am Dienstag im Prozess gegen den ehemaligen Hollywood-Mogul mit bemerkenswerter Klarheit.

Als sie kurz vorher in den Saal kam, lächelt sie Chef-Anklägerin Joan Illuzzi nervös zu - damit ist klar, auf welcher Seite sie hier steht. Es ist dieses Duell zwischen Illuzzi und Rotunno, den zwei wichtigsten Frauen im Weinstein-Prozess, das darüber mitentscheidet, ob der 67-Jährige für den Rest seines Lebens hinter Gitter muss.

Die große gewachsene Rotunno läuft von links nach rechts, fragt in ihrem Kreuzverhör immer wieder nach Details eines Gesprächs von 2006, zwingt die Zeugin zu einem wiederholten «Ich kann mich nicht erinnern». Die Szene kulminiert darin, dass Rotunno Weinstein versucht zu entlasten: Haleyi habe doch gewusst, dass Weinstein Interesse an ihr gehabt habe. Die Zeugin kontert: «Was etwas ganz anderes ist als ein sexueller Angriff!». Wenig später sagt Rotunno: «Richter, können sie ihr sagen, dass sie einfach nur meine Fragen beantworten soll?»

Es ist ein Ablauf, der die ersten Wochen des aufsehenerregenden Prozesses gegen Weinstein bestimmt. Erst befragen Illuzzi oder ihre Stellvertreterin eine der Zeuginnen. Dann erhebt sich Rotunno und versucht, mit harten Fragen Löcher in die Darstellungen zu reißen.

Nachdem Schauspielerin Annabella Sciorra vergangene Woche emotional geschildert hatte, wie Weinstein sie vergewaltigt habe, schien es, als unterstellte Rotunno ihr indirekt eine Mitschuld: «Sie sind zu einem Fremden ins Auto gestiegen, ist das richtig?», fragte sie und spielte auf das erste Treffen mit Weinstein an, bei dem er ihr anbot, sie nach Hause zu fahren.

Schon am ersten Tag des Prozesses ging der verbale Schlagabtausch zwischen Hauptanklägerin und Chefverteidigerin los: Illuzzi beschuldigte Rotunno, sich in den Medien «erniedrigend und demütigend» über Zeuginnen geäußert zu haben - Rotunno wies das zurück.

Die 44-Jährige ist solche Kritik gewohnt - die Anwältin aus Chicago hat ihre Karriere darauf aufgebaut, mutmaßliche männliche Sexualverbrecher zu verteidigen. In etwa 40 Fällen zeichnete sie sich dadurch aus, dass sie die Zeuginnen in Kreuzverhören viel härter angehen konnte als ihre männlichen Kollegen. Gerade bei einem Prozess mit einer Jury wird dies als großer Vorteil gewertet.

Die MeToo-Bewegung, die durch die Vorwürfe vom mehr als 80 Frauen gegen Weinstein 2017 überhaupt erst ins Rollen kam, hält Rotunno für gefährlich: «Nur weil eine Frau etwas behauptet, ist es noch nicht wahr», sagte die Anwältin - die Welle der Wut von Frauenrechtsaktivisten ließ nicht lange auf sich warten.

Beim Kreuzverhör von Sciorra spielte Rotunno auch ein Video aus einer US-Talkshow aus dem Jahr 1997 ab, in der die Schauspielerin fälschlicherweise erzählte, ihr Vater ziehe Leguane in einem Zirkus auf. Hauptanklägerin Illuzzi ergriff das Wort und konterte: Das sei ein harmloser Witz gewesen - Sciorra würde aber doch niemals die Unwahrheit über etwas so Ernstes wie Vergewaltigung sagen. «Das hier ist kein Zirkus.»

Auch die Staatsanwältin Illuzzi ist Rummel und Rampenlicht gewohnt. Sie leitete 2011 die Ermittlungen gegen den französischen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, der schließlich nach Vergewaltigungsvorwürfen zurücktreten musste. Auch trat sie als Anklägerin gegen die Rapper Ja Rule und Lil Wayne wegen illegalen Waffenbesitzes auf. Im Fall eines Mordes an einem Sechsjährigen brachte sie den mutmaßlichen Täter 2017 fast 40 Jahre nach dem Verschwinden des Kindes hinter Gittern.

Im Prozess gegen Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein («Pulp Fiction», «Kill Bill») hat momentan die Staatsanwaltschaft unter Illuzzi die Führung. Sie ruft ihre Zeugen auf, die nach dem Eindruck vieler Prozessbeobachter glaubwürdig erscheinen. Die oft schwer zu verkraftenden und detaillierten Aussagen der Zeuginnen hinterlassen einen tiefen Eindruck.

Die Verteidigung führte wiederholt freundliche und teilweise romantische Mails an, die Zeuginnen nach den mutmaßlichen Taten an Weinstein schrieben. Dies stellte eine Psychiaterin vor Gericht als durchaus normales Verhalten von Vergewaltigungsopfern dar. Doch das muss noch keineswegs bedeuten, dass die zwölf Geschworenen dem folgen. Am Ende kommt es ganz allein auf diese fünf Frauen und sieben Männer an - darauf, ob sie eher der Darstellung Rotunnos oder Illuzzis glauben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 01. 2020
18:32 Uhr

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28. 01. 2020
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