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Zur Bisexualität stehen: DJ Felix Jaehns langer Weg zum CSD

Felix Jaehn wird mit 20 zu einem der angesagtesten DJs der Welt. Über seine sexuelle Orientierung schweigt er zunächst. Am Samstag spielt Jaehn erstmals auf dem Berliner CSD - zu dem er sich früher nie hinwagte.



Felix Jaehn
Vor seinem Coming-out hat Felix Jahn einen «unfassbaren Druck» gespürt.   Foto: Jens Kalaene

Keine Fragen zum Privatleben!» Diesen Satz hören Journalisten öfter vor Interviews mit Prominenten. Dabei gibt es mehrere Gründe, warum Schauspieler, Sportler und Sänger nicht gerne über Privates reden.

Auch Felix Jaehn hatte einen guten Grund. Bis der DJ aus Mecklenburg-Vorpommern («Ain't Nobody») vor 17 Monaten erstmals öffentlich darüber schrieb, bisexuell zu sein.

An sein mulmiges Gefühl bei früheren Interviews kann er sich heute noch genau erinnern. «Das Problem daran war, dass ich einen Teil von mir versteckt habe. Man entwickelt dann Muster, weicht aus, baut sich Mauern auf, verändert das Sprechen», sagte der 24-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Er habe sogar Bewegungen auf der Bühne angepasst, um unauffälliger zu wirken. «Das ist ein unglaublicher Stress und unfassbarer Druck, wenn man ständig das Gefühl hat, gleich 'ertappt' zu werden.»

Innerlich aufgewühlt und persönlich ungefestigt, steht der Produzent schon mit 20 Jahren im Blitzlicht. Nachdem der Abiturient erst in seinem Jugendzimmer Songs remixt und mit Bruder und Freunden in Clubs auflegt, schafft es seine Version des Songs «Cheerleader» Ende 2014 in zahlreichen Ländern auf Platz eins, selbst in den USA.

Es ist schlagartig vorbei mit dem zurückgezogenen Leben an der Ostsee. Nach weiteren Charterfolgen («Ain't Nobody», «Bonfire»), großen Festivalauftritten und Zusammenarbeiten mit Herbert Grönemeyer und Mark Forster wird der Rummel um Jaehn immer größer, die Fragen nach seinem Privatleben nehmen zu.

«Die Prozesse des Erwachsenwerdens und der Selbstreflexion habe ich durchlaufen, während ich auf Welttourneen war und im Fokus der Medien stand. Das hat natürlich den Druck erhöht.» Im Februar 2018 steht dann fest: Der DJ möchte keine Geheimnisse mehr um seine sexuelle Orientierung machen.

Nach Gesprächen mit Familie und Freunden schreibt Jaehn einen Artikel für die Rubrik «Ich habe einen Traum» des «Zeit»-Magazins. Darin berichtet er, wie er sich als Junge vom Dorf gefühlt habe, der nicht nur auf Mädchen steht. Und dass er sich nicht mehr verstecken wolle.

«Im Nachhinein waren alle Ängste irrational. Ich habe mich da sehr hineingesteigert. Aber je öfter man darüber offen spricht, desto entspannter wird es», erzählt Jaehn heute. 

Der Musikproduzent hat sich inzwischen nicht nur menschlich gefunden, sondern auch musikalisch. Mittlerweile schreibt er eigene Songs, in denen er über seine persönlichen Erfahrungen berichtet und so vielen Menschen in ähnlichen Situationen Mut macht. In «Love On Myself» mit dem britischen Sänger Calum Scott heißt es etwa: «Ich konnte nicht der sein, der ich sein wollte. Ich selbst zu sein, war für mich ein Kampf.»

«Ich möchte meine Reichweite nutzen, um über Themen zu sprechen, die mir persönlich wichtig sind. Dabei habe ich mir für den Moment die Sinnfrage beantwortet. Ich habe mir den Sinn gegeben, mit meiner Musik die Menschen zu inspirieren und zu erreichen.»

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland begrüßt das Engagement des 24-Jährigen. Dies sei besonders für junge Schwule, Lesben, transgeschlechtliche, bi- und intersexuelle Menschen in der Coming-out-Phase wichtig. «Die Offenheit Jaehns spricht für selbstverständliches Selbstbewusstsein, das wir uns in einer menschenfreundlichen Gesellschaft gar nicht genug wünschen können», sagte Bundesvorstand Helmut Metzner.

An diesem Samstag steht das nächste Highlight für den DJ an: Ein Auftritt beim Berliner Christopher Street Day. Die Bühne vor dem Brandenburger Tor ist längst nicht die größte, auf der Jaehn je gespielt hat. Dennoch liegt ihm der Gig besonders am Herzen. Ein eigenes Regenbogenshirt hat er sich schon vor Wochen besorgt.

«Für mich ist der Auftritt sehr, sehr wichtig. Vor allem, weil ich jetzt die Freiheit habe, überhaupt dort hinzugehen und mich öffentlich zu zeigen. Ich bin früher nicht auf solche Paraden gegangen. Man hätte mich ja sehen können. Deswegen ist es jetzt umso schöner, frei und fröhlich mitfeiern zu können.»

Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
10:13 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
10:13 Uhr



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