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Boulevard

Wenn Frauen zu grauen Haaren stehen

Graue Haare bei Frauen galten lange als Makel. Inzwischen stehen mehr Frauen öffentlich zu ihrer natürlichen Farbe, auch die neue Begleitung von Keanu Reeves trägt Grau. Bröckelt ein altes Ideal?



Birgit Schrowange
Birgit Schrowange hat ihren Schritt zum Leben ohne Haarefärben nicht bereut.   Foto: Henning Kaiser/dpa » zu den Bildern

Man kann es fast nicht übersehen - das erste graue Haar. Irgendwie borstig, irgendwie fies. Viele Frauen rücken dann mit der Pinzette an. Oder versuchen sich daheim mit Handschuhen und Färbemittel am Waschbecken. Aber warum eigentlich? Warum werden Frauen nicht genauso selbstverständlich grau wie Männer?

Sollten Sie mal ein Gesprächsthema im Büro oder unter Freunden suchen, versuchen Sie es damit. Denn graue Frauen sind noch immer eine Seltenheit. Manche wissen gar nicht, wie früh man graue Haare bekommen kann, weil die Verwandtschaft fleißig färbt.

Dagegen setzen andere Frauen ein Zeichen. Auf Instagram posten sie stolz Fotos ihrer grauen Strähnen (etwa über den Account «grombre»). Auf der Berliner Modewoche laufen grauhaarige Models wie Eveline Hall. Und Moderatorin Birgit Schrowange (61) hat vor zwei Jahren mit dem Färben aufgehört.

Gerade hat sich auch Schauspieler Keanu Reeves mit einer neuen Begleitung gezeigt. Der Hollywoodstar trat händchenhaltend mit der Künstlerin Alexandra Grant auf, beide haben zusammen einen Buchverlag in Los Angeles. Grant zeigte sich mit einem dunkelblauen Kleid und - so sah es aus - natürlich silbergrauem Haar.

Das sorgte nicht nur in US-Medien für Debatten über weibliche Schönheitsideale. Wenn die Begleitung von Keanu Reeves das Älterwerden annehmen könne, dann könne sie das auch, schrieb zum Beispiel Autorin Ali Drucker in der «New York Times». Grant sehe eben aus wie 46 und nicht wie die «Hollywoodversion von 46».

Dass jüngere Frauen zum natürlichen Grau stehen, ist nach Einschätzung von Friseur Antonio Weinitschke aber eher selten. Er hat einen Salon in Aachen und ist Art Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Es gebe mehr Frauen, die ab 60 Jahren zum Grau stünden. Bei Jüngeren sei das weniger verbreitet. «50 ist noch ein Alter, da will man noch nicht so grau gehen.»

Der Berliner Promifriseur Udo Walz sieht keinen Trend zum Natürlich-Grau. Er sei selbst ein Fan von grauen Haaren, aber man dürfe dann keine Dauerwelle machen. Das sei dann «Oma-Look». Man brauche einen modernen Haarschnitt, etwa einen klassischen Bob. Was seiner Meinung nach «schrecklich ungepflegt» aussieht: dunkle Haare, die mit einzelnen Grauen durchzogen sind.

Dass sich viele Frauen nicht mit Grau anfreunden wollen, zeigen auch andere Beispiele. Schauspielerin Jennifer Aniston (50) erklärte zuletzt in der «InStyle», sie werde weiter monatlich zum Färben gehen: «Ich werde nicht lügen - ich will keine grauen Haare», zitierte das Magazin die Schauspielerin («Friends»).

Genau genommen werden Haare übrigens gar nicht grau, sondern weiß. Erst durch die Mischung mit der Naturhaarfarbe entstehe ein Grauton, sagt Friseur Weinitschke. Wann die ersten weißen Haare auftauchen, sei genetisch bedingt. Bei ihm sei das mit Anfang 50 passiert. Er kenne auch Frauen, die mit 17 Jahren graue Haare bekämen. Blonde sind ein wenig im Vorteil - dort fällt Grau weniger auf.

Sind die ersten hellen Borsten da, muss man sich entscheiden. Autorin Charlotte Roche (41) hat ein paar graue Haare an den Schläfen - und mag das auch. «Ich freue mich, wenn ich Frauen sehe, die ihre Haare natürlich grau lassen», sagte Roche («Schoßgebete», «Paardiologie») im Sommer der Deutschen Presse-Agentur.

Graue Haare seien heutzutage ja leider ein Statement, weil Frauen über Generationen beigebracht worden sei, gegen jedes Alterungszeichen zu kämpfen, sonst gelte man als hässlich und alt, sagte Roche. «Warum sehen nur Männer besser aus, wenn sie altern?» Und alle Frauen alterten nicht schön? Da müsse man ja wohl gegen vorgehen.

Birgit Schrowange jedenfalls hat ihren Schritt zum Leben ohne Haarefärben nicht bereut, wie sie der «Bild»-Zeitung sagte. Sie habe viel Lebenszeit gewonnen, weil sie am Schluss alle zwei Wochen färben lassen musste. Mit Blick auf Anerkennung für ihre grauen Haare sagte sie: «Es kamen Leute auf mich zu: "Booooah, du bist sooo mutig!" Hat das jemals jemand zu meinem Kollegen Peter Kloeppel gesagt?»

Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
14:01 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
14:01 Uhr



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