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«Unerschöpfliche Quelle» - Merkel eröffnet Dessauer Museum

Ein Haus für das Bauhaus. Ein Museum aus Glas - in Dessau, wo die avantgardistische Schule für Kunst, Architektur und Design ihre Blütezeit erlebte. Für die Kanzlerin sind die Bauhausideen unerschöpflich - auch für die Zukunft.



Festakt zur Eröffnung des Bauhaus Museums
Reiner Haseloff (CDU, l), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machen einen kleinen Rundgang durchs neue Bauhaus Museum in Dessau.   Foto: Jens Meyer/AP Pool » zu den Bildern

Großer Bahnhof und viel Beifall: Das Bauhaus, vor 100 Jahren vom Architekten Walter Gropius in Weimar gegründet, hat in Dessau seine Blütezeit erlebt. Jetzt hat die bis heute weltweit stilprägende Schule für Kunst, Architektur und Design inmitten von Dessau-Roßlau ein Museum.

Es komplettiert die Route von originalen Bauhausbauten, die heute auch zum Unesco-Welterbe gehören, und sich wie eine Perlenschnur durch die Stadt ziehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte bei der Eröffnung des von jungen spanischen Architekten entworfenen Gebäudes, den besonderen Geist des Bauhauses lebendig zu halten. Dies sei auch für Kinder und Jugendliche «ganz, ganz wichtig». Sie sei auch ganz berührt von den vielen Leuten, die zum Museum gekommen seien, das der Stadt ein neues Zentrum gebe, sagte Merkel am Sonntag vor rund 400 Gästen aus dem In- und Ausland. Studierende der Dresdner Palucca-Hochschule tanzten mit nachgebildeten Bühnenmasken von Oskar Schlemmer bei dem Festakt.

Hunderte Menschen warteten derweil bei Sonnenschein rund um das Museum geduldig hinter Sicherheitsabsperrungen, um das Gebäude am Nachmittag selbst erkunden zu können. Beifall kam auf, als die Kanzlerin - nach ihrer Rückreise aus China - aus dem Auto stieg und Hände schüttelte. Die Ideen des Bauhauses würdigte sie beim Festakt als unerschöpfliche Quelle, um Zukunft zu gestalten. Den Bauhäuslern sei es darum gegangen, die Welt neu zu denken, sich einzumischen. Ihre Fragen nach gesellschaftlichem Zusammenleben, bezahlbarem Wohnraum und gleichwertigen Lebensverhältnissen seien auch heute aktuell.

Zugleich verwies die Kanzlerin auf die gesellschaftlichen Widerstände und politischen Zwänge, denen das Bauhaus ausgesetzt war. Es wurde nach seinem zweiten Umzug nach Berlin 1933 auf Druck der Nazis endgültig geschlossen. Das Erbe der Bauhausbewegung sei in der DDR anfangs als kapitalistisch und antisozialistisch eingestuft worden, bis zum Beispiel in Dessau die Sammlung ab 1976 entstand. Für sie persönlich sei das Bauhaus ein Leuchtturm gewesen, «in einer Vielzahl von Geschmacklosigkeiten, von denen wir in der DDR umgeben waren», sagte Merkel, die sich am Ende ihrer Visite die Ausstellung ansah.

Um den Neubau und den Standort des Museums war lange gestritten worden, wie die Direktorin der Stiftung Bauhaus, Claudia Perren, sagte. Eine Museumsinsel am historischen Dessauer Bauhausgebäude sollte es dann doch nicht sein. Nun steht das Museum inmitten der Stadt, spiegelt in der 4000 Quadratmeter großen Glasfassade das Leben und die Natur wider. Es wurde nach Protesten von Umweltschützern mit zusätzlichen Vogelschutzstreifen versehen. Rund 30 Millionen Euro hat es nach Angaben des Landes gekostet, getragen je zur Hälfte von Bund und Land Sachsen-Anhalt.

Den zentralen Ausstellungsraum bildet darin die «Black Box», ein langer schwarzer, schwebender Balken. Anhand authentischer Zitate aus Zeitungen ist zu hören, wie das Bauhaus 1925 bis 1932 in Dessau auf Widerstand traf. Es wurde als «Kulturschande» bezeichnet, «für das schöne Geld hätten wir eine Markthalle oder ein Altersheim bauen können», hieß es. In der Ausstellung unter dem Motto «Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung» sind Designklassiker in Szene gesetzt.

Dazu gehören Geschirr, Textilien, Stahlrohrmöbel, der Clubsessel B3 von Marcel Breuer, «Bilder aus Wolle» von Gunta Stölzl, Collagen von Marianne Brandt oder Leuchten von Wilhelm Wagenfeld.

In goldenem Licht erscheinen Kopien von großen Figuren des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Bisher selten zu sehen war etwa auch ein gestreiftes «Bauhauskleid» von Grete Reichardt, die bei Wassily Kandinsky am Bauhaus Unterricht hat.

Mit dem Museum hat die Stiftung Bauhaus Dessau erstmals die Möglichkeit, Exponate aus ihrer Sammlung, der mit 49 000 katalogisierten Stücken nach dem Bauhaus Archiv Berlin weltweit zweitgrößten, repräsentativ zu zeigen. «Bisher wurden Werke aus Dessau, wo das Bauhaus seine Blütezeit erlebte, vor allem im Ausland ausgestellt, ob in Tokio, New York oder Paris», sagte Sammlungsleiter Wolfgang Thöner.

«Uns geht es aber darum, vor allem den Weg der Schule zu zeigen, deren Lehr- und Lernmethoden, welche Fragen sie sich gestellt hat», erklärt Kuratorin Regina Bittner. «Denn in der Schule ging es um die Ausbildung von Persönlichkeiten», sagte sie. Das Bauhaus sei auch eine Keimzelle für gesellschaftlichen Wandel gewesen.

«Wir wollten keine Konkurrenz zu den Bauhausbauten von Walter Gropius in Dessau bauen», sagte der Architekt Roberto Gonzalez (addenda architects). Es ging dem Team aus Barcelona um eine neue Antwort auf die Moderne, und diese in Beziehung zum Bauhaus zu setzen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte: «Das ist ein guter Tag für Dessau-Roßlau und Sachsen-Anhalt», bevor er wie die Kanzlerin freudestrahlend das Band zur Eröffnung des Hauses durchschnitt.

Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
15:18 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2019
15:18 Uhr



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