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Ukraine sagt ESC-Teilnahme ab

Popstars wie Ruslana und Jamala haben mit ihren Siegen beim ESC gezeigt, dass die Ukraine ganz vorne mitspielt. Doch nun hat das Land seine Teilnahme nach einem Eklat um die Sängerin Maruv abgesagt - aus für manchen schwer nachvollziehbaren Gründen.



Maruv
Nach dem Eklat um die Sängerin Maruv wird die Ukraine nicht am ESC teilnehmen.   Foto: Serg Glovny/ZUMA

Beim ESC in Tel Aviv im Mai müssen Fans in diesem Jahr ohne das in der Szene populäre Land Ukraine auskommen. Dabei ist das Land fast ein Schwergewicht - bei 15 Teilnahmen am ESC hat die Ukraine mit Ruslana (2004) und Jamala (2016) zweimal gesiegt und es neun Mal in die Top 10 geschafft.

Diesmal sollte Maruv mit einer frivolen Nummer samt erotischer Zofen auftreten. Doch ihr Sieg beim Vorentscheid löste politischen Knatsch aus, weil die Sängerin - wie viele ukrainische Popstars - auch in Russland mit Konzerten Geld verdient. Und Singen beim Feind geht aus Sicht eines kleinen, aber einflussreichen Teils der ukrainischen Gesellschaft gar nicht.

Nun verzichtet die Ukraine auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr, weil es weder mit Maruv noch mit den Nachplatzierten eine Einigung gab. Die Gruppe Kazka etwa schrieb bei Instagram: «Unsere Mission ist, die Leute mit Musik zu einen, aber nicht Zwietracht zu säen». Mit «Traurigkeit» reagierte die European Broadcasting Union, die international über den Wettstreit wacht. Doch der Eklat zeigt auch, wie es um die künstlerische Freiheit in dem in die EU strebenden Land steht. Sie wolle keine Werbung machen für die ukrainische Politik, teilte Maruv mit.

Ihr Land sieht sich im Krieg mit Russland - seit bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der Ostukraine Tausende Menschen gestorben sind. Zudem hat sich Russland vor fünf Jahren die laut Völkerrecht zur Ukraine gehörende Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt. Zu spüren bekam den Konflikt 2017 auch die im Rollstuhl sitzende russische Sängerin Julia Samoilowa, die wegen eines Auftritts auf der Krim in dem Jahr nicht beim ESC in Kiew singen durfte.

Die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt der Ukraine teilte jetzt mit, der Vorentscheid habe aufgedeckt, dass die Musikindustrie in der Ukraine ein Systemproblem habe. «Die Verbindungen der Künstler mit dem Show-Business auf dem Gebiet des Aggressor-Staates bleiben auch im fünften Jahr des militärischen Konflikts sehr eng», teilte die Anstalt mit. Das sei nicht für alle in der Ukraine tragbar. Diskutiert werden soll deshalb ein Gesetz, dass die künstlerischen Beziehungen mit Russland regelt.

Dass ukrainische Sänger zunehmend Nachteile haben in der Heimat, weil sie auf dem viel größeren russischen Markt mit Texten in dieser Sprache singen, zeigt einiges. Es zeigt auch, wie tief die Gräben zwischen den auch durch verwandtschaftliche Beziehungen und durch die russische Sprache verbundenen Menschen beider Länder sind. Der in Russland sehr populäre Max Barskih etwa sah 2016 sein Konzert in Lemberg im Westen der Ukraine von Nationalisten blockiert. Ähnliches erlebten ESC-Teilnehmerin Ani Lorak und ihre Kollegin Swetlana Loboda, die in Russland leben.

Auch andere populäre Künstler aus der Ukraine wie Irina Bilyk, die Band Wremja i Steklo, Olga Poljakowa und Iwan Dorn setzen auf Russisch als Sprache, die die Führung in Kiew aber per Gesetz immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.

Wie Verbrecher würden Künstler in der Ukraine behandelt, meinte der Musiker Andrej Danilko (45), bei ESC-Fans besser als Verka Serduchka bekannt. ESC-Siegerin Ruslana fragte bei Facebook entrüstet: «Was wollen wir damit sagen oder beweisen? Welche Botschaft tragen wir damit in die Welt?» Auch der deutsche ESC-Experte Irving Wolther bedauert die Absage der Ukraine in diesem Jahr, findet die Entscheidung aber auch nachvollziehbar.

«Der ESC ist nun einmal ein Länderwettstreit, und da bleibt es nicht aus, dass politische Erwägungen in die Auswahl der nationalen Vertreter einfließen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch Deutschland habe 2016 die Nominierung von Xavier Naidoo rückgängig gemacht, «der zwar unbestritten ein hervorragender Künstler ist, als Repräsentant aber aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kam».

Für Deutschland tritt das Duo S!sters mit dem Song «Sister» an. Russland schickt übrigens Sergej Lasarew ins Rennen, der es nach einer Niederlage 2016 in Stockholm gegen die Ukrainerin Jamala nun noch einmal versucht, den ESC für 2020 nach Russland zu holen.

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
14:39 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
14:39 Uhr



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