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Tom Schilling: Schauspielerei ist dazwischengekommen

In «Werk ohne Autor» spielt Tom Schilling einen Künstler im Nachkriegsdeutschland. Er selbst sah sich lange Zeit auch als Maler, wie er im Interview erzählt.



Tom Schilling
Tom Schilling hat auch eine malerische Begabung.   Foto: Annette Riedl

In Florian Henckel von Donnersmarcks neuem Film «Werk ohne Autor» übernahm Tom Schilling die Hauptrolle. Er spielt darin den Künstler Kurt Barnert.

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt der 36-Jährige, dass er selbst eine große Affinität zur Malerei habe und was für ihn der große Luxus in seinem jetzigen Beruf sei. «Werk ohne Autor» kommt am Mittwoch (3.10.) in die Kinos.

Frage: Stimmt es, dass Sie früher eigentlich Malerei studieren wollten?

Antwort: Ja, genau. Das ging so mit zwölf Jahren los, als ich ins Gymnasium kam. Meine Kunstlehrerin hat bei mir ein zeichnerisches Talent entdeckt und mich ermutigt und gefördert. Ich habe extra Kurse besucht und viel gemalt. Mit zwölf Jahren habe ich sogar mal ein Bild verkauft!

Frage: Das müssen Sie etwas näher erläutern!

Antwort: Ich bin mit meinem Kunstkurs vor die Schule gegangen. Ich war damals auf dem John-Lennon-Gymnasium in Berlin-Mitte. Dort war alles voll mit Gründerzeit-Häusern. Es gab ein ganz besonders schönes Eckhaus mit einer schönen Stuckfassade, das sollten wir alle malen. Ich habe mich damals für Kohle oder Bleistift entschieden; so genau weiß ich das nicht mehr. Und dann kam ein Mann vorbei und schaute sich unsere Bilder an. Es stellte sich heraus, dass sein Vater der Besitzer dieses Hauses war. Er hat gesagt, dass ihm mein Bild besonders gut gefällt und gefragt, ob er es kaufen kann, wenn es fertig ist. Er wollte es seinem Vater schenken. Ich habe mir viel Mühe gegeben, es zu Ende zu malen. Und dann haben wir uns getroffen und er hat mir dafür 50 Mark gegeben. Das war das erste Bild, was ich verkauft habe. Ich glaube, ich hatte wirklich ein Talent.

Frage: Warum haben Sie diese Karriere dann nicht weiterverfolgt?

Antwort: Weil die Schauspielerei dazwischen kam. Ich glaube, der einzige Grund, warum ich Schauspieler geworden bin, war, dass ich schneller mehr Zuspruch und Anerkennung bekommen habe. Ich habe bei der Schauspielerei schneller ein größeres Publikum gefunden.

Frage: Malen Sie immer noch?

Antwort: Ja, ab und zu. Vor ein paar Tagen habe ich ein Bild für ein befreundetes Pärchen gemalt, das gerade ein Kind bekommen hat.

Frage: Inwiefern hat es für die Arbeit an diesem Film geholfen, dass Sie diese Affinität zur Kunst haben?

Antwort: Ich glaube, dass das die Basis ist - oder jedenfalls so, wie ich den Beruf begreife. Ich würde mir gar nicht anmaßen zu sagen, dass ich alles spielen kann. Ich glaube einfach, dass es ungemein hilft zu wissen, was man da tut. Und wenn ich das noch nicht weiß, dann übe ich so lange und beschäftige mich so lange und manisch mit einer Sache, dass ich es mir zumindest selber glaube.

Frage: Die Geschichte in «Werk ohne Autor» ist unter anderem inspiriert durch Elemente aus dem Leben von Gerhard Richter. Wie haben Sie sich Ihrer Rolle genähert?

Antwort: Ich spiele ja niemanden nach; das ist eine eigenständige Person. Mir war vielmehr wichtig, dass ich die Rolle des Künstlers glaubhaft verkörpere. Ich muss immer viel selber machen und probieren. Um mir zu glauben, dass ich wirklich ein Künstler bin, brauche ich das Handwerkliche. Das können auch Kleinigkeiten sein wie: Wie ziehe ich eine Leinwand auf? Ich habe viel mit Öl gemalt und mit dem Maler gesprochen, der die Gemälde für den Film gemacht hat.

Mittlerweile habe ich den Luxus, dass ich mich sehr, sehr lange auf Filme vorbereiten kann. Ich muss nicht und ich will auch gar nicht so viel drehen. Ich will lieber nur wenige Filme machen und danach wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden - auch, um besser mit einer Rolle verschmelzen zu können.

ZUR PERSON: Tom Schilling, 36, gehört zu den profiliertesten deutschen Schauspielern seiner Generation. Schon als Jugendlicher arbeitete er als Darsteller, seinen Durchbruch feierte er dann im Jahr 2000 mit dem Jugendfilm «Crazy» an der Seite von Robert Stadlober. Es folgten Werke wie «Verschwende deine Jugend», «Napola - Elite für den Führer» und «Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe». Einer seiner größten Erfolge war dann die Hauptrolle in der Tragikomödie «Oh Boy». Dafür gewann Schilling zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Filmpreis. Er lebt in Berlin.

Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
11:36 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
11:36 Uhr



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