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«These Teens will save the Future»: Jugendprotest im Theater

Auch wenn manche es so sehen - aber die Jugendproteste von Fridays for Future sind mehr als eine Modeerscheinung, die vergeht. Hunderttausende junge Leute in aller Welt demonstrieren für den Klimaschutz. Die Münchner Kammerspiele bieten dem Protest eine Bühne.



These Teens Will Save The Future
Das Stück «These Teens Will Save The Future» hatte Uraufführung in den Münchner Kammerspielen. Foto: Josef Beyer   Foto: dpa

Seit einem Jahr treten Jugendliche in aller Welt freitags in den Schulstreik. Ihr Anliegen: Der Klimaschutz. Ihr Vorbild: Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden.

Die Fridays for Future-Demonstrationen sind mittlerweile eine globale Bewegung. Hunderttausende Menschen in aller Welt gingen kürzlich auf die Straße und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Auch auf der Bühne ist das Thema präsent, etwa im Jungen Theater Göttingen, im Mecklenburgischen Staatstheater oder im Saarländischen Staatstheater. Nun gibt es die Klimaproteste auch an den Münchner Kammerspielen. «These Teens will save the Future» (Diese Jugendlichen werden die Zukunft retten, heißt das Stück, das Jugendlichen zwischen 11 und 20 Jahren am Freitag im Haus der Kunst in München uraufgeführt haben.

«Fridays for Future ist die wichtigste Protestbewegung in Deutschland der letzten 50 Jahre, und wir sind froh, ihr eine Bühne geben zu können», sagt Intendant Matthias Lilienthal, der gerne aktuelle Debatten thematisiert und Stellung bezieht. «These Teens will save the Future» ist wuchtiges, sperriges Theater. Den Ton setzt zu Beginn Greta Thunberg in einer Videoinstallation. Zu hören sind Ausschnitte aus zwei Reden, eine davon die bei Jugendlichen berühmte Ansprache vom 23. September beim UN-Klimagipfel in New York. «How dare you!», ruft die 16-Jährige hochemotional. «Wie könnt ihr es wagen! Ihr habt meine Träume und meine Kindheit mit Euren leeren Worten gestohlen.»

Auch die Jugendlichen im Theater machen aus ihrer Empörung keinen Hehl. «Wir sind verdammt noch mal wütend und wir sind enttäuscht», rufen sie. «Tut endlich was!». Der Blick in eine vom Klimawandel bedrohte Zukunft stimmt sie nachdenklich und ängstlich, ebenso wie Rassismus, Gleichberechtigung der Geschlechter, sexualisierte Gewalt, Homophobie. Gemeinsam die Stimme erheben, laut werden, ohrenbetäubend laut, um endlich gehört zu werden von den Erwachsenen, doch die «sind völlig zugedröhnt von ihrem Beruf und ihrem Alltag».

In dem kleinen Saal entfalten die 25 Darsteller eine ähnliche Wucht, wie die Tausenden, die sonst bei den Freitagsdemos auf großen Plätzen zusammenkommen. Doch anders als in der Masse der Demonstranten bekommen die Protestierenden im Theater ein Gesicht.

So wie Thyra, die von der Stimmung auf den Freitagsdemos begeistert ist. «Es ist fast wie eine riesige Schulklasse, wenn die Leute sich komplett verstehen und für die gleichen Ziele auf die Straße gehen», erzählt sie vor der Premiere. «Früher hat man noch mehr über Mode geredet und jetzt redet man übers Klima», sagt die 20-Jährige. Sie macht ihr Putzmittel selbst, tauscht Kleidung, statt neue zu kaufen. Und Obst und Gemüse holt sie auf dem Markt. «Sie packen es direkt in die Tasche.» So wie früher. «Wir sollten das lernen, was unsere Großeltern gemacht haben, das war nachhaltig», findet Thyra.

Die 17-Jährige Ira ist überzeugt, dass Fridays for Future viel bewegt in den Köpfen. «Natürlich wird es immer welche geben, die zwar hingehen, aber danach noch zu Starbucks gehen und sich einen Kaffee kaufen.» Aber das Interesse sei geweckt. Bei ihr sei eine «neue Aufmerksamkeit» entstanden, sie gehe offener durchs Leben.

Auf der Bühne eint alle die Leidenschaft für ihre Zukunft, die sie sich nicht von denjenigen zerstören lassen wollen, die jetzt die Macht haben. Es soll sich was bewegen, fordern sie, ohne mahnenden Zeigefinger, denn die Jugendlichen geben zu, auch nicht perfekt zu sein. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich Erwachsene einiges abschauen könnten - vor allem Hartnäckigkeit und Leidenschaft, die viele Ältere gegen Bequemlichkeit und Zynismus eingetauscht haben.

Veröffentlicht am:
28. 09. 2019
14:28 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 09. 2019
14:28 Uhr



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