Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Boulevard

Südafrikanischer Musiker Johnny Clegg gestorben

Es gibt viele politische Lieder, aber wenige sind so einflussreich wie «Asimbonanga» von Johnny Clegg. Der in England geborene weiße Musiker sang in Südafrika gegen die Apartheid an - bis Mandela als freier Mann neben ihm auf der Bühne tanzen konnte.



Johnny Clegg
Johnny Clegg starb im Alter von 66 Jahren in Johannesburg.   Foto: Denis Farrell

Als junger Mann lernt der 1953 in England geborene Jonathan «Johnny» Clegg im südafrikanischen Johannesburg, irische und schottische Folksongs zu spielen.

Dann erlebt er an einer Straßenecke einen Zulu-Musiker mit den traditionellen Liedern der gemeinsamen, von gnadenlosem Rassismus gespaltenen Heimat.

Für Clegg ist es «eine Offenbarung» - und «das erste Fenster in eine andere Welt, von der ich nicht wusste, dass sie existiert», wie er später in einem Arte-Porträt sagt.

Das Straßenecken-Erlebnis hat die Welt des Gitarristen, Sängers, Songschreibers und Tänzers für immer verändert - und ihm letztlich den Ehrentitel «Weißer Zulu» eintragen, zu dessen Musik auch Nelson Mandela tanzte. Am Dienstag ist der nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent hochverehrte Künstler mit 66 Jahren in Johannesburg an Krebs gestorben, wie zunächst der Konzertveranstalter Real Concerts mitteilte. Zahllose Musikfans nahmen am Mittwoch mit bewegenden Worten in den sozialen Netzwerken Abschied.

Mit Liedern wie «Asimbonanga» oder «Scatterlings Of Africa» und seiner mitreißenden Stilmixtur aus Rock, Folk und afrikanischen Rhythmen war Johnny Clegg einer der weltweit wichtigsten Musiker im Kampf gegen die Apartheid. Neben den US-amerikanischen und britischen Künstlern von Phil Collins bis zu Stevie Wonder, die sich 1988 bei einem Londoner Mega-Konzert für Mandelas Freilassung einsetzten, war er die authentische Protest-Stimme seines über Jahrzehnte rassistisch regierten Landes. «Es war ein totalitäres System, das alles für Dich entschied», sagte Clegg über das Südafrika von damals.

«Johnny hinterlässt tiefe Spuren in den Herzen aller, die sich als Afrikaner betrachten», hieß es nun in einer von mehreren lokalen Medien verbreiteten Reaktion des langjährigen Clegg-Managers Roddy Quin. «Mit seinem einzigartigen Musikstil überwand er kulturelle Grenzen wie kaum ein anderer.» Auf die Tanzkünste und das musikalische Erbe seiner schwarzen Freunde sei er zunächst neidisch gewesen - «das wollte ich auch können», erzählte Clegg später gern mit blitzenden Augen. Für diese Annäherung riskierte er, seine weißen Freunde zu verlieren - und bisweilen auch Südafrikas Zensur.

Dafür wuchs Clegg in den 80er Jahren mit seinen Bands Juluka und Savuka zur anerkannten Leitfigur einer modernen südafrikanischen Popmusik heran. Er sei zudem «ein Katalysator des politischen Bewusstseins» geworden, würdigte der Schlagzeuger und Sänger Sipho Mabuse («Jive Soweto») - 1988 ebenfalls beim Mandela-Tribute von London vertreten - den Freund und Kollegen. «Johnny begab sich in eine Sphäre, in die sich nicht viele Weiße wagten.»

Clegg war aber nicht nur konsequent auf Seiten der bis zum Ende der Apartheid brutal unterdrückten Schwarzen, sondern auch sehr erfolgreich. Allein 1988 verkaufte der damals noch weitgehend unbekannte Musiker innerhalb weniger Monate fast zwei Millionen Alben, sein Mandela gewidmeter Song «Asimbonanga» machte ihn zum Star. Darin beklagte er auf Zulu «Wir haben ihn noch nie gesehen» - es ging um das Fehlen des seit 1962 im Gefängnis sitzenden, erst 1990 freigelassenen Freiheitskämpfers.

Als Mandela Jahre später heimlich neben ihn auf eine Konzertbühne tänzelte, war das «der Höhepunkt meines Lebens als Songwriter», wie Clegg in dem Arte-Film «Der weiße Zulu» sagte. «Ein Schock - pure Magie.» Auch als es musikalisch ruhiger um ihn wurde, blieb der Ruhm eines unermüdlichen gesellschaftlichen Engagements, beispielsweise auch im Kampf gegen Aids.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apartheid England Gitarristen Johnny Clegg Liedermacher und Singer-Songwriter Musikarten und Stilrichtungen Musiker Musikfans Nelson Mandela Phil Collins Popmusik Songs Stevie Wonder Sänger Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Niels Frevert

06.09.2019

Niels Freverts geglückte Krisenbewältigung

Niels Frevert gehört schon seit einer gefühlten Ewigkeit zu den besten deutschen Singer-Songwritern - wenn auch nicht zu den berühmtesten. Fünf Jahre hat er für sein neues Album gebraucht. Gut investierte Zeit. » mehr

Rocko Schamoni

04.09.2019

Rocko Schamoni verarbeitet Tod des Vaters

Multitalent Rocko Schamoni hat nach langer Pause ein neues Soloalbum draußen. Darin befasst er sich mit der eigenen Vergänglichkeit - und dem Tod seines Vaters, der während der Aufnahmen starb. » mehr

Noel Gallagher

06.08.2019

Noel Gallagher ist mit sich im Reinen

Zehn Jahre nach der Trennung von Oasis hat sich Noel Gallagher mit seinen High Flying Birds auch musikalisch von Oasis losgesagt. Die wilden Zeiten des Rockmusikers sind vorbei. Der 52-Jährige wirkt gelassener. Ein Freun... » mehr

Ed Sheeran

12.07.2019

Mehr Liebe, größere Stars: Ed Sheerans Duett-Album

2011 bringt der damals noch unbekannte Ed Sheeran ein reines Duett-Album raus - mit unbekannten Rappern. Acht Jahre später ist der Brite ein Weltstar und lädt erneut zu gemeinsamen Gesängen. » mehr

Ric Ocasek

16.09.2019

Cars-Sänger Ric Ocasek gestorben

Als Sänger von The Cars schrieb Ric Ocasek Rock-Geschichte - und eine Reihe von radiotauglichen Hits. Nun wurde er tot in seinem Haus aufgefunden. Musikerkollegen sind erschüttert. » mehr

Rammstein

02.08.2019

Rammstein können auch soft provozieren

Sie sind Meister der Ambivalenz. Kaum eine der Provokationen von Rammstein lässt sich eindeutig interpretieren. Nun greifen die Musiker im Kampf gegen Homophobie zu spektakulären Mitteln. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eröffnung der Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche Entjudungsinstitut 1939-1945“

Eröffnung Sonderausstellung |
» 12 Bilder ansehen

Brand Hütte Suhl Suhl-Heinrichs

Brand Suhl-Heinrichs | 17.09.2019 Suhl-Heinrichs
» 16 Bilder ansehen

Unfall A71 bei Meiningen A 71

Unfall A71 bei Meiningen | 16.09.2019 A 71
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:01 Uhr



^