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Streit um Sicherheit beim «Fusion»-Festival wird lauter

Seit Unglücken und Anschlägen bei Großveranstaltungen wird viel mehr auf die Sicherheit geschaut. Kulturfreunde in Mecklenburg-Vorpommern finden aber, dass es die Polizei beim «Fusion»-Festival nun übertreibt.



Gelände der Fusion
Das Wort «Kulturkosmos» steht über dem Tor der Fusion.   Foto: Bernd Wüstneck

Trotz des anhaltenden Streits um das Sicherheitskonzept beim alternativen Kulturfestival «Fusion» in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Veranstalter das Fest im Juni stattfinden lassen.

«Wir hoffen auf eine Einigung», sagte Martin Eulenhaupt für den Veranstalter Kulturkosmos am Mittwoch in Berlin. Es könne aber sein, dass die Auseinandersetzung auf juristischer Ebene fortgesetzt werde. Entzündet hatte sich der Streit an Sicherheitsbedenken des Neubrandenburger Polizeipräsidenten. Der will erstmals eine Polizeiwache und Streifen auf dem privaten Festivalgelände in Lärz durchsetzen.

Bisher sei die Polizei allein an den Ein- und Ausgängen präsent und bei Zwischenfällen sofort erreichbar gewesen, erklärten die Veranstalter. Dieses Konzept habe sich bewährt. Sie sehen im neuen Vorstoß der Polizei einen Bruch mit der Philosophie des Festivals, das auf die Freiheit der Kunst und freie Entfaltung der Gäste baue. Polizeipräsenz werde als «Bedrohung» dieser Grundidee wahrgenommen. «Die Polizei muss abrüsten und ihre Pläne zurücknehmen», forderte Eulenhaupt.

Das Fusion Festival findet seit mehr als 20 Jahren statt und ist in dieser Zeit stetig gewachsen. Unter jungen Leuten ist es bundesweit als entspanntes Musikevent nahe der Müritz bekannt. Traditionell zelten die Teilnehmer auf dem rund 100 Hektar großen Privatgelände auf einem ehemaligen Militärflugplatz. Zur Fusion vom 26. bis 30. Juni werden in diesem Jahr rund 70 000 Gäste erwartet.

Als Beweis für die friedliche Stimmung nannte ein Sprecher des Vereins Kulturkosmos die Zahl von im Schnitt 2,5 Gewaltdelikten pro Festival. Das wollte eine Polizeisprecherin in dieser Woche nicht bestätigen.

Nach 21 Toten bei der Love Parade in Duisburg 2010 und dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche 2016 mit 12 Toten werden Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen mit anderen Augen gesehen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hat Mecklenburg-Vorpommern seit 2018 eine neue Versammlungsstättenverordnung. Polizei und Landkreis hatten die Organisatoren zuletzt aufgefordert, Mängel im Konzept zu beheben und Kontrollen auf dem Gelände zuzulassen. Die Suche nach Kompromissen scheiterte bislang.

Vor Ort bedauern einige den Streit. So spricht etwa Henry Tesch, Bürgermeister der angrenzenden Stadt Mirow davon, dass Kultur und Strukturen auf diese Weise kaputt gemacht würden. «Diese Diskussion hat der Polizeipräsident zu verantworten. Das ist nichts, was die Region will.» Die Probleme seien zu lösen, wenn die Polizei wie bisher auch «anlass- und situationsbedingt» kontrolliere. «Hier fühlt sich niemand bedroht.» Das Festival sei auch eine Wirtschaftsgröße. Tesch befürchtet einen «Flurschaden» durch den Streit.

Den Vergleich mit dem tragischen Ende der Love Parade halten die Veranstalter nach eigenen Angaben für «zynisch». So sei die Schuldfrage bis heute nicht geklärt. «Bei der Fusion gab es noch nie Tote oder dauerhaft Verletzte», sagte Eulenhaupt. Die Sicherheit wird laut Veranstalter von einem professionellen Sicherheitsdienst und insgesamt mehr als 10 000 Mitarbeitern und Helfern gewährleistet. Eulenhaupt konnte am Mittwoch allerdings keine Zahlen nennen, wie viel Geld Kulturkosmos in sein Sicherheitskonzept steckt.

Am nächsten Montag solle es weitere Gespräche geben, kündigten die Veranstalter an. Die Polizei sei dabei ein Akteur unter vielen Genehmigungsbehörden. In Berlin zeigten sich einzelne Künstler empört. «Ich habe selten so viele friedfertige Menschen erlebt wie bei der Fusion», sagte Schauspielerin Meret Becker (Tatort) am Mittwoch. Diese friedliche Szene solle unterbunden werden und an anderer Stelle gebe es zu wenige Polizisten. «Da verliere ich die Freude, Bürger eines solchen Staats zu sein», ergänzte sie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
13:46 Uhr

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09. 05. 2019
13:46 Uhr



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