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Sind Christkind und Ruprecht noch zeitgemäß?

«Stimmt es, dass es das Christkind gar nicht gibt?» Diese Frage ihres Kindes fürchten so manche Eltern. Auch für sie sind die Geschichten um die Überbringer der Geschenke oft schöne Tradition. Ist es gut, den Kindern solche Märchen aufzutischen?



In den Christkind-Postfilialen stapeln sich die Wunschzettel, Millionen von Kindern fiebern dem Weihnachtsfest und der Bescherung entgegen. Die Geschenke, so glauben sie meist, bringen das himmlische Wesen oder der Weihnachtsmann.

Genau wie am 6. Dezember der Nikolaus kommt - den sie mancherorts sogar «in echt» erleben, teilweise begleitet vom strengen Knecht Ruprecht. Doch sollten Kinder in einer solchen Fantasiewelt aufwachsen?

«Auf jeden Fall», sagt der Berliner Psychologe Peter Walschburger. «Es ist wichtig, dass man Kindern diese Illusion erhält.» Der Zauber der Geschichten sei für Kinder sogar bereichernd. Erst ab etwa vier Jahren würden sie langsam «zu kleinen Rationalisten» und erführen dann sowieso irgendwann von irgendjemandem, dass es Weihnachtsmann & Co. gar nicht gibt. Spätestens im Laufe der Grundschulzeit ist es meist soweit.

Auch Maria Große Perdekamp, fachliche Leiterin des Kinderschutzbunds Köln, sieht keinen Grund, den Kindern ihren Glauben an die Gabenbringer zu nehmen: «Es ist ein wichtiges Kulturgut, das seine Berechtigung hat, und es entspricht dem magischen Fantasiedenken von Kindern.» Außerdem hätten auch die Eltern meist Spaß an diesem Ritual.

Eine Lehrerin im US-Bundesstaat New Jersey wählte jüngst zum Entsetzen von Schulleitung und Eltern eine radikale Methode der Aufklärung: Berichten zufolge enttarnte sie vor einer Gruppe Erstklässler «Santa Claus» und den Osterhasen als Lügen. Als Konsequenz darf die Pädagogin nun nicht mehr an der Schule unterrichten, berichtete die Webseite «NJ.com».

Eltern sollten nicht von sich aus die Illusion zerstören, sondern warten, bis die Kinder fragen, rät Walschburger. «Solange die Kinder das nicht tun, kann man davon ausgehen, dass sie solche Geschichten auch genießen.» Wenn dann die Fragen kommen, könnten Eltern zum Beispiel die Legende vom wohltätigen Heiligen Bischof Nikolaus von Myra erzählen und so erklären, dass zur Erinnerung daran symbolische Rituale zum Einsatz kommen.

Apropos Nikolaus: Dessen finsterer Gehilfe Knecht Ruprecht ist der nordrhein-westfälischen Grünen-Politikerin Josefine Paul ein Dorn im Auge. Er sei nicht mehr zeitgemäß und passe nicht ins heutige Bild der Kindererziehung, sagte Paul der «Rheinischen Post». Kinder sollten sich auf den Nikolaustag freuen und keine Angst haben. «Vielleicht kann Knecht Ruprecht auch besser beim Tragen der Süßigkeiten helfen, anstatt mit der Rute zu drohen», schlug die Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik vor.

«Die Figuren sollten keine bestrafenden oder moralisierenden Rollen haben», sagt auch Kinderschutzbund-Leiterin Große Perdekamp. Ihrer Beobachtung nach hat es in den vergangenen Jahren einen entsprechenden kulturellen Wandel gegeben. Oft komme der Nikolaus allein und in seinem «Goldenen Buch» stehe eher Lob als Tadel.

Nach Ansicht von Walschburger könne man den Ruprecht aber durchaus nutzen, um Kinder daran zu erinnern, dass sie sich an gewisse Regeln halten müssen. «Das sollte aber in gütiger, zurückhaltender Weise geschehen, nicht als Drohung», sagt der Psychologe. Entscheidend sei die Art und Weise der Vermittlung: «In einer vertrauensvollen Atmosphäre, in der die Kinder sich sicher fühlen, wissen sie, dass ihnen nichts Böses geschieht.»

Veröffentlicht am:
07. 12. 2018
13:41 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 12. 2018
13:41 Uhr



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