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Boulevard

Russischer Regisseur Serebrennikow unter Auflagen frei

Mehr als anderthalb Jahre saß der russische Kultregisseur Kirill Serebrennikow im Hausarrest. Nach internationalen Protesten ist er mit Einschränkungen nun wieder in Freiheit. Wie geht es weiter?



Kirill Serebrennikow
Die Bewegungsfreiheit bleibt eingeschränkt: Kirill Serebrennikow muss um Erlaubnis bitten, wenn er Moskau verlassen möchte.   Foto: Pavel Golovkin/AP

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow ist überraschend nach rund anderthalb Jahren aus dem Hausarrest in Moskau entlassen worden. Der 49-Jährige dürfe die Stadt aber nicht unerlaubt verlassen, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf ein Gericht der russischen Hauptstadt.

Demnach muss er bei der Polizei um Erlaubnis bitten, wenn er Moskau verlassen will. Sein Reisepass ist eingezogen. Serebrennikow sagte nach der Entscheidung, dass er nun wieder ungehindert arbeiten wolle. Menschenrechtler und die Staatsoper Stuttgart begrüßten die Entscheidung des Gerichts.

Die Justiz hatte ungeachtet internationalen Protests erst in der vergangenen Woche den Hausarrest um weitere drei Monate verlängert. Das Verfahren gegen den Kino- und Theaterregisseur steht international als inszeniert in der Kritik. Filmstars, Theaterschaffende und Politiker hatten Russland immer wieder aufgefordert, die Verfolgung liberaler Künstler zu beenden.

Die Stuttgarter Oper nahm die Nachricht mit zurückhaltender Erleichterung auf. «Wir wissen alle nicht, was die Freilassung auf Kaution für den weiter andauernden Prozess gegen ihn bedeutet», sagte Intendant Viktor Schoner, «aber ich interpretiere es als ein erstes gutes Zeichen.» Er sei sehr froh über die Nachricht.

Die Staatsoper Stuttgart brachte 2017 die Märchenoper «Hänsel und Gretel» auf die Bühne - auch wenn Serebrennikow seine Inszenierung wegen des Hausarrests nicht fertigstellen konnte. Die Idee war damals, dass er sein Werk doch noch selbst zum Abschluss bringt. Zur Zukunft des Werks wollte sich die Oper nicht äußeren. Dazu sei es noch zu früh. In jedem Fall wolle man aber Kontakt zu Serebrennikow aufnehmen, hieß es.

Die russische Justiz wirft Serebrennikow sowie weiteren Angeklagten weiterhin die Veruntreuung staatlicher Fördermittel in Millionenhöhe vor. Das Gerichtsverfahren hatte zwar im vergangenen Jahr begonnen, trat aber zuletzt auf der Stelle. Der Regisseur weist die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt beantragt, den Künstler auch künftig in seiner Wohnung festzuhalten, um weitere offene Fragen zu klären. Immer wieder gab es Vermutungen, die Ermittler hätten nichts in der Hand gegen Serebrennikow. Nun machte ein Gericht die Entscheidung der Vorwoche überraschend rückgängig.

Serebrennikow arbeitete trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit in seiner Wohnung. So führte die Staatsoper Hamburg im März seine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper «Nabucco» auf. Auch andere Häuser hatten Aufführungen trotz Abwesenheit des Regisseurs auf die Bühne gebracht. Ende März erhielt er den renommierten russischen Filmpreis «Nika» - für die beste Regie. Sein voriges Jahr auch in Deutschland gezeigter Film «Leto» erzählt die Geschichte des sowjetischen Rockstars Viktor Zoi.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
17:42 Uhr

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08. 04. 2019
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