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Boulevard

Roland Emmerich: US-Präsident Trump ist ein Idiot

Regisseur Roland Emmerich nimmt sich erstmals den Zweiten Weltkrieg vor. Zum Kinostart von «Midway» erzählt er von dem 100-Millionen-Dollar-Projekt. Und verrät, ob er nochmal das Weiße Haus sprengen würde.



Roland Emmerich
Regisseur Roland Emmerich hatte nach der Wahl von Barack Obama beschlossen, sich einbürgern zu lassen.   Foto: Tobias Hase/dpa

Regisseur Roland Emmerich (63) hat es in Hollywood weit gebracht. Nach Katastrophenfilmen wie «Independence Day» und «The Day After Tomorrow» beschäftigt sich der gebürtige Stuttgarter nun mit dem Zweiten Weltkrieg.

«Midway - Für die Freiheit» handelt von einer Seeschlacht zwischen den USA und Japan im Pazifik. Beim Interview in Berlin wirkt er entspannt - und verfällt immer mal ins Englische.

Frage: Warum haben Sie gerade jetzt einen Kriegsfilm gedreht?

Antwort: Ich wollte den Film schon vor 20 Jahren machen, bin aber jetzt ganz dankbar gewesen, dass es damals nicht funktioniert hat. Heute passt der Film besser in unsere Welt als damals.

Frage: Wieso das?

Antwort: Durch die Flüchtlingskatastrophe in den letzten fünf, sechs, sieben, acht Jahren ist unsere Welt wieder nationalistisch geworden. Es ist viel Faschismus aufgekommen. Und es ist gut, jetzt Leute daran zu erinnern, dass es mal Menschen gab, die sich für Freiheit eingesetzt haben, die für Freiheit gestorben sind.

Frage: Hat man nicht schon viel über den Zweiten Weltkrieg gesehen?

Antwort: Ja, aber der letzte Film, den wir gesehen haben, handelte von einem Rückzug. «Dunkirk» war über einen Rückzug. Und das hat mich nicht so interessiert. (...) Im Prinzip ist für mich «Midway» eine bessere Geschichte. Die Amerikaner waren unvorbereitet, sie haben improvisieren müssen. Sie hatten weniger Waffen, weniger ausgebildete Leute, schlechtere Technologie. Und sie haben das trotzdem noch zu ihren Gunsten nach sechs Monaten hingekriegt, mit viel Glück.

Frage: Die Chefin der Münchner Filmhochschule hat mal gesagt: Dass ausgerechnet Roland Emmerich durch die Technikprüfung gefallen ist, gehöre zu ihren Lieblingsgeschichten. Stimmt das eigentlich?

Antwort: Ja, absolut. Sie haben mich damals zu Videosignalen befragt. Da habe ich gesagt: «Ich verstehe nix von Video. Fragen Sie mich über Film.» Und dann hat er mich durchfallen lassen. (...) Ich habe dann auch keinen Abschluss gekriegt, aber zum Glück von meinem Professor später ehrenhalber einen Abschluss bekommen.

Frage: Sie haben damals an der Hochschule schon das eigentlich übliche Budget gesprengt. Was hat Ihr neuer Film jetzt gekostet?

Antwort: 100 Millionen Dollar.

Frage: Macht Ihnen so eine Summe noch Angst?

Antwort: Nein, ich habe ja schon Filme für 220 Millionen gedreht.

Frage: Gewöhnt man sich daran?

Antwort: Also ich finde das ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich habe zum Beispiel die kürzeste Drehzeit jemals für so einen Film in der Größe gehabt. Ich habe den Film in 65 Tagen gedreht. Und wenn man sich überlegt, wie lange der Film ist und wie viele Elemente er hat, da bin ich stolz drauf.

Frage: Gucken Sie auch mal eine Liebesschnulze?

Antwort: I love a good love story («Ich liebe eine gute Liebesgeschichte»). Die werden ja weniger gemacht. Romantic comedies sind nicht mehr so angesagt.

Frage: Wollen Sie selbst einen Liebesfilm drehen?

Antwort: Ich habe einen Stoff, der so ist. Aber da geht es ums Filmemachen, um einen Stummfilm, und es ist eine Liebesgeschichte.

Frage: Wann sehen wir den?

Antwort: Da müssen Sie noch ein bisschen warten, weil ich jetzt erst einen Film drehe, der ist wieder so klassisch - würde ich sagen - Roland Emmerich. Und dann drehe ich einen Film, den kann man ein bisschen beschreiben als «Der mit dem Wolf tanzt» in der Maya-Welt. Und dann kommt der vielleicht.

Frage: Wie lange wird es Kino Ihrer Meinung nach noch geben?

Antwort: Also das Kino ist in der Krise, ganz schwer in der Krise. Zum Glück gibt es gleichzeitig eine neue Welt mit dem Fernsehen. Wenn man - so wie ich - Kino liebt, ist das natürlich ein bisschen traurig. Ich glaube, dass man heute weniger verschiedene Formen von Kino macht. Wenn man sich die fünf, zehn erfolgreichsten Filme des Jahres anguckt, waren das früher alle möglichen Filme. Jetzt sind es eigentlich nur noch Animationsfilme und Verfilmungen von Dingen, die man schon kennt. Das ist ein bisschen schade. Es gab mal eine Zeit, wo man sich gefreut hat auf «Jäger des verlorenen Schatzes», auf «Zurück in die Zukunft» oder die «Pate»-Filme.

Frage: Wird es in 20 Jahren vielleicht keine Kinos mehr geben?

Antwort: Es wird immer Kinos geben. Aber vielleicht wird es mehr sein wie ein Theaterbesuch. Was man aber auch sagen muss: Als ich aufgewachsen bin, waren Fernseher vielleicht so groß (hält Hände nah beieinander). Dann waren sie plötzlich so groß (hält Hände weiter auseinander) - und irgendwann werden die von hier bis da gehen. Das hat dann die Größe einer Leinwand. Und dann hat man wieder die Chance, mit ganz großen Filmen zu kommen. (...) Die kannst du dann mit deinen Freunden angucken. Kino-Night.

Frage: Mit Popcorn.

Antwort: Also ich mag ja kein Popcorn, aber du kannst natürlich auch Popcorn essen.

Frage: Warum mögen Sie kein Popcorn?

Antwort: Ich mag es einfach nicht. Speziell den Buttergeruch. Das ist halt so (lacht). Man kann sich das ja nicht so aussuchen.

Frage: Sprengen Sie in einem neuen Film eigentlich nochmal das Weiße Haus in die Luft, so wie in «White House Down»?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht. Das ist abgegessen. Weißt du warum? Ich glaube, mit Trump hat man zum ersten Mal einen Präsidenten gesehen, der ein Idiot ist. Das ist einfach ein Idiot. Und ich glaube, das hat auch bei mir verursacht, dass ich Präsidenten nicht mehr wirklich ernst nehme.

Frage: Anders als bisher?

Antwort: Man hat immer noch ein bisschen Respekt gehabt. Ich bin eigentlich nur Amerikaner geworden, weil Obama gewählt wurde. Da habe ich zu meiner Schwester gesagt: «Wenn der gewählt wird, dann werden wir Amerikaner.» Und das sind wir dann auch beide geworden. Und jetzt bereue ich es fast.

Frage: Haben Sie einen amerikanischen und einen deutschen Pass?

Antwort (nickt): Das war Bedingung.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass viele Leute Trump unterstützen?

Antwort: Das kann ich nicht verstehen. It's inconceivable («Das ist unbegreiflich»). Wann immer ich jemanden sehe, der noch an ihn glaubt, versuche ich ihn umzustimmen. Aber das ist fast wie Religion. Als würde jemand an Religion glauben und du sagst: «Es gibt keinen Gott». Es ist ein bisschen so. Es ist fast Gehirnwäsche.

ZUR PERSON: Roland Emmerich gilt als erfolgreichster deutscher Regisseur in Hollywood - und wird wegen seiner Katastrophenfilme manchmal auch «Master of Desaster» genannt. Emmerich stammt aus Stuttgart und lebt seit vielen Jahren in den USA. Vor zwei Jahren heiratete er dort seinen Partner Gerardo Omar Soto.

Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
12:01 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
12:01 Uhr



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