Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Boulevard

Parzinger verspricht Hilfe bei Rückgabe von Raubkunst

Die Diskussion um Objekte aus deutscher Kolonialzeit ebbt nicht ab. Was muss zurück? Und wenn ja: wie? Ein neuer Vorschlag verspricht Hilfe für Institutionen in den einst ausgebeuteten Ländern.



Hermann Parzinger
Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.   Foto: Maurizio Gambarini

Bei der Rückgabe von Kulturgütern und Gebeinen aus deutscher Kolonialzeit sollten Institutionen der Herkunftsländer aus Sicht der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stärker gefördert werden. «Es bräuchte einen Strukturfonds zur Unterstützung von Museen in Afrika und anderen Teilen der Welt», sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Es wäre wichtig, von staatlicher Seite einen Strukturfonds einzurichten, um Kooperationspartner deutscher Museen bei der Lösung infrastruktureller Probleme zu unterstützen, vor allem bei Kulturerhalt, also Restaurierung und Konservierung oder Digitalisierung.» Häufig fehle es an technischer Ausstattung. «Hier könnte mit überschaubarem Aufwand sehr viel erreicht werden», sagte Parzinger.

«Wir sollten nicht in einer leicht neokolonialen Geste einfach den Bau von Museen anbieten, sondern zunächst genau fragen, was unsere Partnerländer wirklich an Unterstützung brauchen.» Auch beim Kulturerhalt komme es auf Hilfe zur Selbsthilfe an. «Wir müssen die Museen in die Lage versetzen, ihre Aufgaben erfüllen zu können. Sie wissen sehr genau, was sie dafür brauchen.» Es gehe um «Capacity Building» verbunden mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen.

Deutschland hatte im August die sterblichen Überreste von 27 während der deutschen Kolonialzeit getöteten Menschen an Namibia zurückgegeben. Sie sollen künftig in einem namibischen Museum aufbewahrt werden. Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie.

Jüngst forderten mehr als 80 Wissenschaftler aus aller Welt einen neuen Umgang mit der Kolonialgeschichte. Sie sprachen sich in einem Appell unter anderem für eine zentrale Institution zur Herkunftsforschung und eine grundlegende Neuorientierung in der Aufarbeitung aus.

In Frankreich hatten die in Berlin und Paris lehrende Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der senegalesische Ökonom Felwine Sarr in einem Bericht für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron empfohlen, praktisch alle aus der Kolonialzeit stammenden Kunstwerke an die Herkunftsländer zurückzugeben.

Parzinger verwies auf die Rolle der Wissenschaft in der andauernden Debatte. «Die Provenienzforschung führt letztlich dazu, die Geschichte der Objekte zu rekonstruieren und eine Entscheidungsgrundlage zu haben, was möglicherweise unrechtsbehaftet ist, also zum Beispiel gestohlen oder in einer Militäraktion geraubt wurde und was auf anderem, legalem Wege erworben wurde.»

Dabei setzt der Stiftungspräsident auf Öffentlichkeit. «Es ist wichtig, dieses Thema wieder stärker in die Gesellschaft hinein zu vermitteln», sagte Parzinger. «Aber es gibt die dezidierte Haltung, menschliche Gebeine nicht einfach nur einzupacken und zurückzugeben, sondern sie mit den noch vorhandenen Informationen zu versehen. Es wird von uns erwartet, dass wir die Herkunft solcher Überreste genau erforschen, ehe wir sie zurückgeben. Das ist Teil unserer Verantwortung.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 12. 2018
16:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausbeutung Deutsche Presseagentur Emmanuel Macron Hermann Parzinger Kolonialgeschichte Militäroperationen Museen und Galerien Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Alte Nationalgalerie

10.05.2020

Die Berliner Museumsinsel öffnet wieder

Sonst geben sich hier Millionen Kunstinteressierte die Museumsklinke in die Hand. Seit Corona liegt die Museumsinsel in Berlin lahm. Nun öffnen sich erste Türen für sonst kaum mögliche Kunstmomente. » mehr

Humboldt Forum

04.01.2020

Grütters will niedrigschwellige Angebote

Berlins Mitte bekommt mit dem Humboldt Forum einen neuen Anziehungspunkt. Als Lockmittel sollen weite Teile des Forums keinen Eintritt kosten. Reicht das? » mehr

Flick-Sammlung

24.04.2020

Berlin verliert Flick-Sammlung

Der Namen Flick steht nicht nur für tiefste NS-Verstrickung, sondern auch für eine spektakuläre Kunstsammlung. Noch sind die Werke in Berlin zu sehen. Doch bald ist Schluss. » mehr

Kolonialkunst

08.02.2019

Museen in Paris und Berlin wollen kooperieren

Die politisch geforderte Rückgabe von Kolonialkunst stellt Museen in Europa vor große Herausforderungen. Zwei der wichtigsten Institutionen in Berlin und Paris beziehen nun Stellung. » mehr

Berliner Humboldt Forum

25.01.2020

Berliner Humboldt Forum als «neue Chance für Rückgaben»

Die Präsentation kolonialer Objekte auch im Humboldt Forum ist umstritten. Doch Verantwortliche sehen in der Eröffnung der neuen Kulturstätte auch eine Chance für künftige Restitutionen. » mehr

Udo Kittelmann

21.08.2019

Udo Kittelmann räumt Chefposten der Nationalgalerie

Als Direktor der Nationalgalerie Berlin sorgt Udo Kittelmann bisher für international beachtete Ausstellungen und spektakuläre Events. Nun hört er überraschend auf. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auto-Party in Meiningen

Party im Autokino Meiningen | 30.05.2020 Meiningen
» 61 Bilder ansehen

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis Zella-Mehlis

Brand Gartenhütte Zella-Mehlis | 27.05.2020 Zella-Mehlis
» 12 Bilder ansehen

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 12. 2018
16:15 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.