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Orchestervorstand steht hinter Daniel Barenboim

Nach schweren Vorwürfen von Musikern bekommt Daniel Barenboim Rückendeckung. Der Orchestervorstand spricht von unangetastetem Vertrauen für den Chefdirigenten. Intendant Schulz setzt auf angstfreien Umgang in der Oper.



Daniel Barenboim
Generalmusikdirektor Daniel Barenboim im Saal der sanierten Staatsoper.   Foto: Bernd von Jutrczenka

Im offenen Konflikt um den künstlerischen Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, hat sich der Orchestervorstand hinter den Chefdirigenten gestellt.

Mit ihrem Generalmusikdirektor feiere die Staatskapelle «durch gegenseitiges Vertrauen und in enger Zusammenarbeit» regelmäßig große künstlerische Erfolge, heißt es in einer am Freitag von der Staatsoper verbreiteten Stellungnahme. «Dieses Vertrauen bleibt gerade auch jetzt, im Februar 2019, unangetastet. Die Staatskapelle freut sich deswegen auf weitere Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit.»

Der inzwischen in München spielende Musiker Willi Hilgers hatte im Bayerischen Rundfunk (BR) schwere Vorwürfe gegen Barenboim erhoben und unter anderem von häufigen Schikanen gesprochen. Er habe Bluthochdruck bekommen und am Ende unter einer schweren Depression gelitten. Auch andere Musiker hatten namentlich oder anonym teils heftige Kritik geäußert. Barenboim hatte die Vorwürfe zu seinem persönlichen Verhalten als Generalmusikdirektor am Donnerstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zurückgewiesen.

«Die Staatskapelle Berlin hat Daniel Barenboim vor 28 Jahren zum Generalmusikdirektor gewählt und im Jahr 2000 zum Chefdirigent auf Lebenszeit ernannt», hieß es nun beim Orchestervorstand.

Intendant Matthias Schulz sagte, er stehe dafür, «dass Konflikte, die es selbstverständlich auch an einem Opernhaus gibt, bewusst und konstruktiv angegangen werden». Ein Grundpfeiler der Arbeit in der Staatsoper sei ein offener, wertschätzender und angstfreier Umgang miteinander. «Dies umfasst alle Mitarbeiter des Hauses und somit selbstverständlich auch den von uns sehr geschätzten Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm.» Daran werde weiterhin gemeinsam gearbeitet.

Die Deutsche Orchestervereinigung verwies auf die Rolle der Orchestervorstände bei Konfliktlösungen. «Wenn es zu solchen Problemen kommt, ist eigentlich der gewählte Orchestervorstand das Organ, was hier versuchen sollte, zwischen einem Chefdirigenten und den betroffenen Musikern zu vermitteln und zu einer vernünftigen Regelung zu kommen», sagte Geschäftsführer Gerald Mertens der dpa.

Es gebe immer Fälle, bei denen Chefdirigenten mit einzelnen Musikern nicht könnten. «Dann gibt es offenbar künstlerisch begründete Probleme, aber das ist dann gelegentlich nicht vom Zwischenmenschlichen zu trennen.» Ob das jeweils angemessen sei, sei immer schwierig zu beurteilen. «Ein Chefdirigent ist nun mal derjenige, der künstlerisch bestimmen muss, wie so ein Konzert klingen soll.» Die Frage sei, «wie geht man damit sachgerecht um».

Das funktioniere in der Regel über den von Musikern gewählten Orchestervorstand, den es als Schnittstelle zwischen Chefdirigent und Musikern bei fast allen Orchestern in Deutschland gebe. «Ein Orchestervorstand hat die Aufgabe, für die Aufrechterhaltung in den Aufführungen und Proben zu sorgen», sagte Mertens. «Letztlich ist er eine Art Bindeglied für den künstlerischen Produktionsprozess.»

Musiker auf diesem Niveau stünden ihr ganzes Leben unter einer extremen Belastung. Zudem spiele die persönliche Situation eine Rolle oder auch Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, wenn man mal einen Fehler spiele. Denn: «Die Fehlertoleranz liegt ja quasi bei Null.» Der Leistungsdruck sei enorm groß.

Der Solo-Paukist Willi Hilgers will nun «einen Schlussstrich» in dem Konflikt ziehen. «Ich bin wegen Daniel Barenboim an die Staatskapelle nach Berlin gegangen und dort geblieben, weil es ein fantastisches Orchester ist», sagte Hilgers auf dpa-Anfrage. «Gegangen bin ich dann aus demselben Grund, nämlich wegen Daniel Barenboim.»

Zu den konkreten Vorwürfen des Paukisten hatte Barenboim eingeräumt, gegenüber dem Musiker kritisch gewesen zu sein. «Er hatte rhythmische Schwächen, und darüber habe ich mit ihm gesprochen und das selbstverständlich auch kritisiert. Das ist nun einmal meine Aufgabe.» Barenboim sprach von einem positiven und konstruktiven Arbeitsklima in der Staatskapelle.

Hilgers sagte nun: «Ich habe den Kampf damals aufgegeben und dazu gelernt. Genau wie Barenboims Qualität als Musiker unbestritten ist, hätte ich mir gewünscht, dass auch meine Arbeit als Künstler nicht in Frage gestellt wird.» Seine aktuelle Position beim Bayerischen Staatsorchester in München unter Generalmusikdirektor Kirill Petrenko spreche für sich.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 02. 2019
16:26 Uhr

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