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Musik-Tausendsassa Ingo Insterburg gestorben

Liedermacher Ingo Insterburg war der Kopf von Insterburg & Co. Die Band brachte Stand-up-Comedy auf die Bühne, als es den Begriff noch gar nicht gab. Nun ist die Stimme des Berliner Sängers verstummt.



Ingo Insterburg
Der Musiker und Sänger Ingo Insterburg (2010).   Foto: Jens Kalaene

Für Klaus Kinski war er «Guitar-Ingo», bis heute parodieren Fans seinen Endlosreim «Ich liebte ein Mädchen aus...»: Liedermacher Ingo Insterburg brachte als Kopf von Insterburg & Co. Stand-up-Comedy auf die Bühne, als es den Begriff in Deutschland noch gar nicht gab.

Nun ist die Stimme des Berliner Sängers verstummt. Im Alter von 84 Jahren ist Insterburg nach einer kurzen schweren Krebserkrankung gestorben, wie sein langjähriger Musik-Manager Frank Nietsch am Montag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuvor hatten die Zeitungen «B.Z» und «WAZ» berichtet.

Nietsch hat den Musiker nach eigenen Angaben bis zu dessen Tod am vergangenen Samstag in einem Berliner Hospiz begleitet. Er habe Insterburg im Sommer 1990 kennengelernt und sei seitdem an seiner Seite gewesen.

Der als Ingo Wetzker 1934 im russischen Chernyakhovsk (das frühere Insterburg in Ostpreußen) geborene Liedermacher hatte Ende der 1960er gemeinsam mit Comedian Karl Dall, dem Schauspieler Jürgen Barz und dem Autor Peter Ehlebracht die Band Insterburg & Co gegründet. Die Band erlangte Kultstatus mit einem neuen Typ von Unterhaltung: Blödel-Musik und Parodien für den einfachen Humor. Damit war sie Vorbild für Künstler wie Otto und Mike Krüger.

Bekanntestes Lied der Band war das von Insterburg vorgetragene «Ich liebte ein Mädchen aus...», dessen Parodie sich bis heute in Youtube-Videos findet. Oft werde der Name Insterburg auch mit dem Hit «Kreuzberger Nächte» in Verbindung gebracht, so Nietsch. «Das ist aber ein großer Irrtum.» Der Ohrwurm stammt vielmehr von den Gebrüdern Blattschuss.

Gelegentlich wurden Insterburg & Co als «Blödelbarden» bezeichnet. Ingo habe damit nicht so viel anfangen können. Er habe sich eher als «Musik-Komödiant» gesehen und von «Blödeleien mit Musik» gesprochen, berichtete sein langjähriger Manager.

Mehr als 55 Jahre stand Insterburg, der ein begeisterter Marathonläufer war und an mehr als 20 solcher Wettkämpfe teilnahm, auf der Bühne. Nach der Flucht aus Ostpreußen hatte es seine Familie zunächst ins sächsische Zwickau verschlagen, aufgewachsen ist Insterburg dann in Bernburg (Sachsen-Anhalt). Dort legte er auch sein Abitur ab, bevor es dann 1953 auf dem Fahrrad nach West-Berlin ging. Da sein DDR-Abitur im Westen nicht anerkannt wurde, legte er die Prüfung erneut ab.

In seiner WG in der Uhlandstraße im alten Berliner Westen lebte Insterburg, der aus einer früh geschiedenen Ehe einen erwachsenen Sohn hat, Zimmer an Zimmer mit dem inzwischen gestorbenen Schauspieler Klaus Kinski. Dessen Brechtballaden begleitete er musikalisch als «Guitar-Ingo», wie Kinski ihn auf der Bühne ankündigte.

Als das ZDF das 50-jährige Bühnenjubiläum von Komiker Otto Waalkes im November 2015 feierte, brachte Karl Dall Insterburg mit zu der großen Show. Seine beiden letzten Auftritte hatte der Berliner Liedermacher dann im vergangenen April in Eschweiler (NRW) und Bad Rothenfelde (Niedersachsen). «Danach war er ziemlich erschöpft», schilderte Nietsch. Ein Arztbesuch brachte dann traurige Gewissheit.

Ein «Musik-Tausendsassa» sei Insterburg gewesen, so Nietsch voller Bewunderung. Unter anderen habe er Gitarre, Geige, Querflöte und Saxofon beherrscht - manche gleichzeitig. Zudem baute er skurrile Instrumente: Eine Flöte aus einer Bürste, ein Saxofon aus einem Abwasser-Schlauch und ein Banjo aus einem Eimer. «Alles, was man zum Klingen bringen kann, das mach ich», habe er gesagt. Das habe ihm viel Bewunderung in seiner Branche eingebracht, so sein Manager. Vor allem sei Insterburg aber eines gewesen: «Ein hart arbeitender Mensch mit einem unglaublichen Musikgespür.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2018
14:06 Uhr

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