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Mehr Boulevard als finstere Komödie: «Die Empörten»

Zum Abschluss des Premierenreigens der Salzburger Festspiele gibt es noch eine Uraufführung: Theresia Walsers Komödie «Die Empörten» versucht, die Debatte über den Rechtspopulismus mit humoristischen Mitteln einzufangen.



Salzburger Festspiele - Die Empörten
Caroline Peters (Corinna Schaad, l) und André Jung (Pilgrim) in Salzburg auf der Bühne.   Foto: Barbara Gindl/APA

Wenn es stimmt, dass eine gute Komödie im Kern eine Tragödie ist und man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, dann ist das neue Stück von Theresia Walser keine wirklich gute Komödie.

Denn bei der Uraufführung von «Die Empörten» am Sonntagabend bei den Salzburger Festspielen gluckste und kicherte das Publikum fast die ganze Zeit über kalauernden Wortwitz und offensive Situationskomik, und niemandem blieb das Lachen im Hals stecken. Streckenweise erinnerte der Abend an die unverbindliche Türenklapp-Komik eines Boulevardtheaters. Der Schlussapplaus fiel kurz aus und es gab sogar Buhrufe für die Autorin.

Dabei geht es in der «finsteren Komödie» der Tochter des Schriftstellers Martin Walser um das Aufregerthema schlechthin, den Rechtspopulismus. Hauptperson ist Corinna Schaad, Bürgermeisterin einer namenlosen voralpinen Kleinstadt, eines Postkartenidylls mit Industriegebiet. Die offenbar gemäßigt konservative Politikerin, Vertreterin Merkelscher Willkommenskultur, versucht sich mit Vernunft und Menschenverstand, aber auch einer gehörigen Portion Opportunismus gegen ihre rechtspopulistische Konkurrentin zu behaupten.

Die Gegenspielerin Elsa Lerchenberg ist eine schneidige Blondine, Typ Alice Weidel, die die üblichen Phrasen von «Überfremdung» und «deutscher Selbstzerstörung» drischt, aber insgesamt weniger unsympathisch rüberkommt als man vielleicht erwarten sollte. Jedenfalls werden sich die Protagonistinnen in ihrer politischen Wankelmütigkeit, ihrem Opportunismus und ihrem kurzfristigen Erfolgsdenken immer ähnlicher, bevor sich die Bürgermeisterin doch noch entschließt, entschlossen anzukämpfen gegen «die Gier nach dem großen Sog ins Gedärm». Doch ihr moralischer Furor gegen die braune Gefahr wirkt nach zwei Stunden recht unterhaltsamen Klamauks etwas aufgesetzt.

Das Ganze wird von einer Handlung eingerahmt, die wahlweise an «Arsen und Spitzenhäubchen» erinnert oder Alfred Hitchcocks cineastisches Kammerspiel «Cocktail für eine Leiche». Die kurz vor einer Wahl um ihre Stellung fürchtende Bürgermeisterin hat nämlich zusammen mit ihrem Bruder Anton, einem verkrachten «Lebenskünstler», die Leiche des gemeinsamen Halbbruders aus dem Leichenschauhaus entführt. Der war umgekommen, als er in eine Menschengruppe gefahren war, wobei es einen muslimischen Toten gab.

Caroline Peters als Bürgermeisterin und Silke Bodenbender als Lerchenberg verfügen über solides humoristisches Talent, doch man vermisst jene Momente, in denen die Figuren zu sich selbst kommen und das Stück auf den Punkt. Am ehesten gelingt das noch Anke Schubert als Frau Achmedi, Witwe des muslimischen Opfers, und Sven Prietz als Anton. In der Hanswurstenrolle des Gemeindeangestellten Pilgrim erinnert André Jung stark an Didi Hallervorden und heimst kräftig Applaus ein.

Es gibt diverse Running Gags, die der szenisch vor sich hin dümpelnden Inszenierung von Regisseur Burkhard C. Kosminski - einer Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart - Struktur verleihen sollen. So scheitert Pilgrim notorisch an der Lichtschranke der Rathaustür, die nur ihn mit Nichtbeachtung zu strafen scheint. Dann ist da noch ein Kreuz, das Pilgrim auf Geheiß der Bürgermeisterin (höchst widerstrebend) abhängen soll, weil Muslime betroffen seien. Doch die Betroffene hat gar nichts gegen den Schmerzensmann. «Besser als gar keine Religion», habe ihr Mann immer gesagt, sagt Frau Achmedi. Das nennt man Toleranz.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
11:32 Uhr

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dpa

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19. 08. 2019
11:32 Uhr



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