Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Boulevard

Liebhaber, Mörder, Papst - Michel Piccoli ist tot

Michel Piccoli hat so ziemlich alles gespielt, auch einen Papst. Mit Rollen in mehr als 220 Filmen hat der französische Schauspieler Kinogeschichte geschrieben. Nun ist er mit 94 Jahren gestorben.



Michel Piccoli
Michel Piccoli bei den Filmfestspielen in Cannes 2011. Der Schauspieler starb im Alter von 94 Jahren.   Foto: picture alliance / dpa » zu den Bildern

Er hat den Papst gespielt, Romy Schneider geküsst und Nacktszenen mit Brigitte Bardot gedreht: Michel Piccoli hat alles gespielt, was man an Rollen und Charakteren spielen kann.

In seiner über 60-jährigen Karriere hat er so viele Rollen verkörpert wie nur wenige in seiner Branche. Nun ist der französische Film- und Theaterdarsteller im Alter von 94 Jahren gestorben, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Montag berichtete.

Eine Mitteilung der Familie wurde demnach von Gilles Jacob, dem ehemaligen Präsidenten der Filmfestspiele von Cannes und Freund Piccolis, übermittelt. Darin heißt es, dass Piccoli am 12. Mai an den Folgen eines Schlaganfalls in den Armen seiner Frau und seiner Kinder gestorben sei.

Piccoli hat in über 220 Filmen gespielt. Sein Debüt gab er 1945 in «Das Geheimnis der Berghütte», weitere Rollen folgten in «Der Tod in diesem Garten» (1956) oder ein Jahr später in «Nathalie». Den Durchbruch schaffte er 1963 in Jean-Luc Godards «Die Verachtung» über einen Drehbuchautor, dessen Ehe bei den Arbeiten zu einem Odysseus-Projekt zerbricht. Darin verkörpert er den Ehemann an der Seite von Brigitte Bardot.

Piccoli hat mit den großen Diven des Weltkinos gespielt - neben Bardot auch mit Catherine Deneuve, Sophia Loren, Jeanne Moreau und Ornella Muti. Häufig war er auf der Leinwand mit Romy Schneider zu sehen, mit der er etwa «Die Dinge des Lebens», «Das Mädchen und der Kommissar» sowie «Die Spaziergängerin von Sans-Souci» drehte.

Ob in «Tagebuch einer Kammerzofe» (1964), in «Der diskrete Charme der Bourgeoisie» (1972) oder in Marco Ferreris Gesellschafts-Satire «Das große Fressen» aus dem Jahr 1973: Piccoli überzeugte durch Dominanz, Ausdruckskraft und Einfühlungsvermögen. Alle drei Streifen wurden zu Klassikern der Filmgeschichte.

Piccoli gehörte zu den seltenen Akteuren, die das Talent besaßen, immer ein wenig geheimnisvoll zu bleiben, auch wenn sie zum wiederholten Mal die Rolle des Liebhabers, Mörders oder betrogenen Ehemanns spielten. Oder wie die 2019 gestorbene Filmemacherin Agnès Varda einmal sagte: Piccoli verstehe es, seine Kunst zu verbergen, weil er die Gabe habe, sie sparsam einzusetzen.

Diese Kunst, seine Gesten und Bewegungen jedes Mal erneut zu einer Offenbarung werden zu lassen, haben viele Regisseure zu nutzen gewusst, unter ihnen Alfred Hitchcock, Luis Buñuel, Jean-Luc Godard, Claude Sautet und Costa-Gavras.

Für «Der Sprung ins Leere» von Marco Bellocchio gewann Piccoli in Cannes die Trophäe als bester Darsteller. Darin spielt er einen Untersuchungsrichter, der sich seiner Schwester entledigen will. Auf der Croisette, wo er zu den Stammgästen gehörte, war er 2011 in «Habemus Papam» von Nanni Moretti zu sehen - in der Rolle eines depressiven Papstes.

Piccoli stand sowohl vor als auch hinter der Kamera: Nachdem er 1991 und 1994 bei zwei Kurzfilmen Regie geführt hatte, gab er 1997 sein von der Fachkritik hoch gelobtes Debüt als Regisseur mit dem Spielfilm «Alors voilà», in dem ein Vater um den Zusammenhalt seiner Familie kämpft. Er selbst war mehrmals verheiratet, unter anderem mit der französischen Chansonsängerin Juliette Gréco.

Piccoli wurde am 27. Dezember 1925 in Paris in eine Musikerfamilie italienischer Herkunft geboren. Sein Vater war Violinist, seine Mutter Pianistin. Nach seiner Schulausbildung begann er direkt mit dem Schauspielunterricht. Seinen ersten Bühnenauftritten folgten fast zeitgleich Engagements vor der Kamera. Ebenso mühelos wie er zwischen den widersprüchlichsten Rollen wechselte, navigierte er zwischen Film und Theater.

Einige seiner größten Bühnenerfolge feierte Piccoli in Arthur Schnitzlers Tragikomödie «Das weite Land», die der Schweizer Theaterregisseur Luc Bondy mit Piccoli auch für die Leinwand bearbeitet hat, sowie in dessen Ibsen-Inszenierung «John Gabriel Borkman».

Im Jahr 1995 stand Piccoli für Regisseurin Agnès Varda für ihren Film «Hundert und eine Nacht» vor der Kamera, eine Komödie und eine Hommage auf 100 Jahre Filmkunst. Darin verkörpert Piccoli Monsieur Cinéma, einen in die Jahre gekommenen Mann, der die ganze Filmgeschichte Revue passieren lassen will.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 05. 2020
21:13 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alfred Hitchcock Arthur Schnitzler Brigitte Bardot Catherine Deneuve Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren Filmemacher Französische Schauspieler Französischer Film Jean-Luc Godard Jeanne Moreau Luc Bondy Luis Buñuel Michel Piccoli Nanni Moretti Ornella Muti Regisseure Romy Schneider Schauspieler Sophia Loren Theaterregisseure
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Tonie Marshall

12.03.2020

Schauspielerin und Regisseurin Tonie Marshall gestorben

Als Schauspielerin stand sie mit Catherine Deneuve vor der Kamera. Als Regisseurin arbeitete sie mit Sophie Marceau und Audrey Tautou zusammen. Jetzt ist Tonie Marshall mit 68 Jahren gestorben. » mehr

Psycho

15.06.2020

Angst beim Duschen: Hitchcock-Schocker «Psycho» wird 60

Er drehte über 50 Filme, darunter die Klassiker «Rebecca», «Das Fenster zum Hof» und «Die Vögel». Doch mit «Psycho» entlockte Alfred Hitchcock dem Publikum die meisten Schreie. Der Gruselschocker wird nun 60 Jahre alt. » mehr

Fassbinder + Schygulla

30.05.2020

Zum 75. Geburtstag: Ein Helles auf Fassbinder

Vor 75 Jahren wurde Rainer Werner Fassbinder geboren. Er starb jung. An den wichtigsten Vertreter des «Neuen Deutschen Films» erinnert sich der Filmnachwuchs heute kaum mehr. Ein Vorbild bleibt er dennoch. » mehr

Charlize Theron

03.02.2020

BAFTA-Gewinner Joaquin Phoenix beklagt Rassismus

Bei den Britischen Filmpreisen wird Joaquin Phoenix («Joker») wie erwartet als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Seine Dankesrede nutzt der Schauspieler für scharfe Kritik. Gewinner des Abends ist ein Anti-Kriegsdram... » mehr

Burkhard Driest

28.02.2020

Schauspieler Burkhard Driest gestorben

Schauspieler, Autor, Maler - Burkhard Driest beherrschte viele Metiers. Das Rebellen-Image legte er nie ab. » mehr

Oscar-Akademie

06.06.2020

Oscar-Akademie räumt nach Vorwürfen Fehler ein

Die Film-Akademie in Los Angeles räumt Fehler ein und reagiert damit auf Vorwürfe von Schauspieler David Oyelowo, dass bei der Oscar-Abstimmung 2015 einige Wähler dem Film «Selma» eine Abfuhr erteilten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 05. 2020
21:13 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.