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«Kunstkompass»: Gerhard Richter bleibt wichtigster Künstler

Bestenlisten sind nicht nur in Sport, Show und Wirtschaft populär. Auch in der Kunst finden Rankings große Beachtung. Dabei kommen sie teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.



Gerhard Richter
Im Kunstkompass-Ranking liegt Gerhard Richter weiterhin unangefochten auf Platz eins.   Foto: Rolf Vennenbernd

Nein, Gerhard Richter will nicht kommentieren, dass er wieder einmal den «Kunstkompass» anführt, das alljährlich publizierte Künstler-Ranking. Warum auch? Er ist Superlative wie «teuerster lebender Maler» gewöhnt.

Gerade erst kam sein Leben als Film in die Kinos, wenn auch unter anderem Namen. Es muss ihn wirklich nicht mehr interessieren, wo er im «Kunstkompass» steht.

Wobei: Wenn sein alter Rivale Georg Baselitz plötzlich auf die Pole Position vorrücken würde, wer weiß... Man darf vermuten, dass ihn das dann doch irgendwo fuchsen würde. Baselitz hat sich in diesem Jahr von Platz 4 auf Rang 3 vorgearbeitet. Platz zwei belegt nach wie vor der US-Konzeptkünstler Bruce Nauman.

Das Ganze hat natürlich viel mit Eitelkeit zu tun: Spieglein, Spieglein... Aber Rankings erfüllen auch einen handfesten Zweck: Leute, die Kunst kaufen, sind nicht unbedingt die größten Kenner der Materie. Sie haben einfach Geld und wollen es außer in Aktien, Häuser, Jachten und Rennpferde auch in Bilder investieren. In den Rankings können sie nachschauen, wo man eventuell eine Wertsteigerung erzielen könnte. Besonders interessant für sie ist die «Kompass»-Liste «Stars von morgen». Die Aufsteiger werden dieses Jahr angeführt von der in Frankfurt lehrenden Koreanerin Haegue Yang.

Künstler-Rankings gibt es schon sehr lange. So erstellte der süddeutsche Benediktiner Gabriel Bucelinus 1664 eine Liste mit dem Titel «Die Namen der berühmtesten Maler Europas». Er führte 166 Künstler auf, aber nur hinter einen einzigen Namen setzte er einen kurzen Kommentar: «Das Wunder unserer Zeit» schrieb er dahinter. Er meinte Rembrandt. Was beweist, dass sich Bucelinus unglaublich gut auskannte, denn Rembrandt lebte weit entfernt in Amsterdam und war zudem keineswegs unumstritten. Andere Künstler - deren Namen heute nur noch Experten kennen - waren viel mehr in Mode und höher dotiert. Bucelinus hatte also wirklich den Durchblick.

Die Zusammenstellerin des vom Wirtschaftsmagazin «Capital» veröffentlichten «Kunstkompass», die Kölner Künstlerin und Journalistin Linde Rohr-Bongard, legt Wert darauf, dass sie ihre Methode bis zu einem gewissen Grad objektiviert habe. Seit 1970 misst der «Kompass» die Resonanz von Künstlern in der internationalen Fachwelt. Mit Punkten bewertet werden Einzelausstellungen in großen Museen, Teilnahme an bedeutenden Gruppenausstellungen wie der Biennale in Venedig, Rezensionen in namhaften Magazinen, Ankäufe durch Museen, Ehrungen mit Auszeichnungen wie dem britischen Turner-Preis und noch einiges mehr.

Dennoch lässt sich über den Rang eines Künstlers immer streiten. So wird manch einer bezweifeln, dass Deutschland wirklich - wie vom «Kompass» behauptet - die führende Künstlernation der Welt ist, noch vor den USA. Oder dass David Hockney nicht mehr verdient als Platz 47, Ai Weiwei Platz 51 und der Fotograf Wolfgang Tillmans Platz 58.

Das Magazin «Monopol» kürte in dieser Woche ebenfalls die einflussreichste Persönlichkeit der Kunstwelt 2018 - und dort machte eben jener Tillmans das Rennen. Ein Unterschied zum «Kunstkompass» ist, dass die «Monopol»-Redaktion wirklich nur auf das jeweilige Jahr schaut, während Rohr-Bongard Daten aus fast 50 Jahren einbezieht.

Auf Platz 2 der «Monopol»-Liste landete interessanterweise die britische Künstlerin Sonia Boyce, die nichts anderes getan hat, als in Manchester ein Bild abzuhängen. Das Bild zeigt verführerische Nymphen, die aussehen wie 13 oder 14 Jahre alte Mädchen. Boyce entfachte damit eine international wahrgenommene Debatte über das Frauenbild in der Kunst. Dumm für Anleger: Eine solche Aktion kann man nicht kaufen. Sie ist einfach nur - ein Kunststück.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
10:55 Uhr

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