Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Boulevard

Kunsthalle Bremen zeigt Quarantäne-Fotos

Berühmte Kunstwerke nachzustellen ist keine neue Idee. Doch während der Corona-Pandemie haben plötzlich weltweit Menschen Spaß daran, ihre Interpretationen im Internet zu zeigen. Für einige ist es gar mehr als nur Freizeitvergnügen.



Kunsthalle Bremen
Selvinaz Özdemir mit einem Foto ihrer Interpretation von "Junges Mädchen (Melancholie)" von Théodore Chassériau.   Foto: Sina Schuldt/dpa » zu den Bildern

Das Bett im Gästezimmer war passend. Der Flieder aus dem Garten auch. Nach einiger Zeit hatten die Architektin Diana Spanier und ihre neunjährige Tochter Maite alle Utensilien zusammen, um das Kunstwerk «Erwachendes Mädchen» (um 1877/78) der Malerin Eva Gonzalès nachzustellen.

«Es hat etwas Stilles und Ruhiges», sagt Spanier, als sie am Dienstag vor dem Foto ihrer Tochter steht, das im Südfoyer der Bremer Kunsthalle ausgestellt ist. Ihre weiß gekleidete Tochter liegt darauf im Bett und schaut entspannt in die Kamera. «Es war ein sehr schöner Moment», erinnert sich die Mutter von drei Kindern. Bei der Aufnahme half auch Maites Bruder mit und hielt eine Decke, die im Original ein Vorhang ist.

In der Corona-Krise haben Menschen weltweit einen neuen Zugang zu Kunstwerken bekommen. Als viele Museen geschlossen waren und Tausende Frauen und Männer mit viel Zeit zuhause saßen, entwickelte sich der Trend, berühmte Kunstwerke nachzustellen und Fotos davon auf sozialen Medien zu veröffentlichen. Auch Museen griffen die Idee auf und motivierten Menschen zum Mitmachen. Die Bremer Kunsthalle zeigt nun 77 solcher Fotos in der Ausstellung «Und jetzt Du! Kunstwerke in Quarantäne nachgestellt». «Das Besondere ist, welche unglaubliche Fantasie die Teilnehmer entwickelt haben», sagt der Direktor der Kunsthalle Christoph Grunenberg.

Diana Spanier und ihre Tochter Maite sind mit sechs Fotos in der Ausstellung vertreten. «Wir haben den ganzen Katalog der Kunsthalle durchforstet und überlegt, was wir nachstellen können», erzählt die 43-Jährige. «Wir haben das aus Kunstinteresse gemacht. Dieses Projekt hat unheimlich viel Spaß gemacht.»

Zu den Werken haben Mutter und Tochter nun einen besonderen Bezug. «Meine Tochter hat dadurch viele Bilder intensiver wahrgenommen», erzählt Spanier. Die Auseinandersetzung mit Kunst sei für die Familie ein Ausgleich zu den Herausforderungen der Corona-Krise gewesen. «Uns war es wichtig, dass wir unseren Kindern etwas Positives mitgeben in dieser Zeit.» Auch das Werk «Knabe und Mädchen» (1918) von Dietz Edzard stellen beide nach.

Auch für die 25-jährige Selvinaz Özdemir aus Hannover war der Aufruf der Bremer Kunsthalle eine willkommene Abwechslung. «Ich konnte in der Zeit nicht arbeiten», erzählt die Heilerziehungspflegerin, die an einer Schule beschäftigt ist. Als sie auf Instagram ein Foto sah, auf dem «Junges Mädchen (Melancholie)» (um 1833-1835) von Théodore Chassériau nachgestellt war, habe sie gedacht: «Das kann ich bestimmt besser.»

Sie frisierte ihre Haare mit Gel, kaufte ein weißes Kleid, schminkte sich und ließ sich von ihrer Schwester mit eindrucksvollem Gesichtsausdruck fotografieren. «Nach zwei Stunden ist man melancholisch», sagt sie. Dass ihr Werk nun in einer Ausstellung zu sehen ist, sei merkwürdig und schön zugleich. «Es hat sich definitiv gelohnt.»

Die Idee, berühmte Kunstwerke nachzustellen, gibt es schon lange. Dass plötzlich weltweit Menschen daran Spaß haben, ist auch ein Verdienst der Niederländerin Anneloes Officer. Auf ihrem Instagram-Account tussenkunstenquarantaine (deutsch: zwischen Kunst und Quarantäne) hat sie beeindruckende Fotos von nachgestellten Werken veröffentlicht - immer gepaart mit dem Original.

«Ich glaube, es ist so beliebt, weil wir alle zuhause sind und jede/r mitmachen kann: mit Haustieren, den Kindern und allem, was herumliegt», sagt sie in einem Interview. «Wir kriegen mittlerweile Bilder aus Mexiko, Argentinien, Kanada, Iran.» Inzwischen hätten rund 280 000 Menschen ihren Account abonniert.

Die Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, die von diesem Mittwoch (8. Juli) bis zum 6. September zu sehen, zeigt Interpretationen von Kunst aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Nachgestellt wurden etwa Werke von Albrecht Dürer, Pablo Picasso, Caspar David Friedrich, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker und Pipilotti Rist. Neben dem Bremer Haus haben andere Museen dazu aufgerufen, Kunstwerke nachzustellen. Nach einem Bericht von Deutschlandfunk Kultur zählen dazu auch das Louvre in Paris oder das New Yorker Metropolitan Museum.

© dpa-infocom, dpa:200707-99-707847/3

Veröffentlicht am:
08. 07. 2020
11:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Albrecht Dürer Caspar David Friedrich Claude Monet Deutschlandfunk Kunsthalle Bremen Louvre Malerinnen und Maler Metropolitan Museum of Art Pablo Picasso Paula Modersohn-Becker Pipilotti Rist
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kupferstich-Kabinett

20.05.2020

Kupferstich-Kabinett richtet Jubiläumsschau ein

Das Museum in Dresden zeigt Meisterwerke aus allen Epochen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ab dem 12. Juni ist die Ausstellung im Residenzschloss zu sehen. » mehr

Pierre Soulages-Retrospektive

11.12.2019

Paris feiert Pierre Soulages zum 100. Geburtstag

Frankreich würdigt den 100. Geburtstag des «Schwarz-Malers» Pierre Soulages mit einer Doppelwerkschau in Paris. Eine davon findet im Louvre statt, der eine solche Hommage bisher nur Picasso und Chagall erwiesen hat. » mehr

Kuratorin Eva Fischer-Hausdorf

27.03.2020

Die laute Stille in den Museen

Die Säle der Museen sind verwaist, Stille herrscht auf allen Fluren. Die Corona-Krise hat die Türen fürs Publikum verschlossen. Die Kunst bleibt dahinter allein. Der digitale Besuch ist ein Provisorium. » mehr

Max Hollein

10.04.2020

Max Hollein: Es liegen harte Entscheidungen vor uns

Das New Yorkern Metropolitan Museum gehört zu den renommiertesten und am meisten besuchten Ausstellungshallen der Welt. Jetzt wird es 150 - und das hätte eigentlich groß gefeiert werden sollen. Aber wegen der Corona-Kris... » mehr

Italienerin gewinnt bei Lotterie für Picasso-Gemälde

21.05.2020

Italienerin gewinnt bei Lotterie für Picasso-Gemälde

Bei der Lotterie «1 Picasso für 100 Euro» hat eine Italienerin ein wertvolles Bild des spanischen Künstlers gewonnen. » mehr

Installation

13.07.2019

Ed Hardy geht unter die Haut - große Museumsschau

Der Kalifornier Ed Hardy gehört zu den berühmtesten Tattoo-Künstlern der Welt. Nun hält er Einzug in das de Young Museum in San Francisco. Die erste Retrospektive seiner Kunst führt nach Japan und zu Dürer. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall Streufdorf Streufdorf

Tödlicher Unfall Streufdorf | 07.08.2020 Streufdorf
» 12 Bilder ansehen

Ilmenau

Radprofis | 06.08.2020 Ilmenau
» 53 Bilder ansehen

Nena Erfurt Steigerwaldstadion Erfurt

Nena live in Erfurt | 04.08.2020 Steigerwaldstadion Erfurt
» 14 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 07. 2020
11:59 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.