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Italiens Archäologie blickt in die Zukunft

Rom, Ostia, Agrigent, Pompeji - viele antike Stätten in Italien können trotz Corona-Krise besucht werden. Aber dort ist längst nicht alles beim Alten. Im Gegenteil, Pompejis Generaldirektor Osanna sagt: «Die Veränderungen sind epochal.»



Pompeji
Nur wenige Besucher tummeln sich in der archäologischen Ausgrabungsstätte von Pompeji.   Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Zwischen antiken Tempel und Palästen auf dem Gelände des Forum Romanum und des Palatin-Hügels in Rom merkt man den Wandel sofort. Wegen der Corona-Vorsorge wurde die Zahl der verkauften Eintrittstickets deutlich runtergeschraubt.

Weil sich die Gäste in eine Richtung bewegen sollen, ohne sich zu drängeln etwa beim Blick in die Höhe zum Tempel des Saturn, sind Teile des Wegenetzes abgesperrt. Und andernorts ist es ähnlich: In den Grabungsstätten in dem Mittelmeerland, ob in Rom, Ostia, Agrigent oder Pompeji, hat die Pandemie den Alltag massiv umgekrempelt - für Gäste und für Forscher.

«Die Archäologie in Italien tastet sich vorsichtig wieder heran an die Normalität», so beschreibt Ortwin Dally die Lage. Dally ist Leitender Direktor der Abteilung Rom beim Deutschen Archäologischen Institut. Wohin die Altertumskunde als Ganzes 2020 und darüber hinaus steuern wird, scheint schwer absehbar. Zu vieles hat gerade zwei Seiten. «Ruinenstätten wie das Kolosseum sind nach wie vor sehr leer. Das ist einerseits schön - die Italiener selber entdecken ihre Kulturschätze gerade teilweise neu. So leer hat man auch Pompeji noch nie gesehen», berichtet Dally. «Andererseits ist diese frappante Leere aber auch Anzeichen dafür, dass die Einnahmen dramatisch weggebrochen sind.»

In Rom besuchte die Präsidentin des Senats, Elisabetta Casellati, das Forum Romanum Ende Juli in einer symbolischen Geste. Ihre Landleute sollten diese Schätze vermehrt ansehen, warb die Parlamentspolitikerin mit nationalem Pathos. Der Stolz auf die antike Größe könne Kraft für die aktuelle Krise geben.

Massimo Osanna leitet die weltbekannte Ausgrabungsstätte von Pompeji am Fuße des Vesuvs. Knapp vier Millionen Besucher strömten 2019 durch die bei einem Vulkanausbruch verschüttete, antike Stadt. «Jetzt sind die Zahlen sehr stark reduziert», berichtet er. «Die Veränderungen sind epochal.» Von März bis Mai waren die italienischen Museen mit im Lockdown. Doch wie andere Museumsdirektoren betont auch der Archäologie-Professor Osanna die positiven Aspekte. Die Arbeit vieler Mitarbeiter sei auch während der Schließung weiter gegangen.

Wegen der Einnahme-Ausfälle habe die Regierung in Rom viele Millionen Euro bereitgestellt. Für Kultur-Touristen ist auffällig, dass sie sich zum Corona-Schutz in Pompeji an feste Routen auf dem Gelände halten sollen. Manche Ruinen mussten geschlossen werden, weil Eingang und Ausgang identisch waren, sagt Osanna. «Wir mussten unsere Stätten neu denken. Zwei Zugangswege waren ein Muss. Deswegen haben wir andere Stätten geöffnet, die vorher zu waren», berichtet der Generaldirektor.

Osanna wirbt für Orte, die bisher keine großen Publikumsmagneten waren. Etwa die Ausgrabungen in Oplontis, nahe dem Küstenort Torre Annunziata. Das 2000 Jahre alte Anwesen der Villa Poppaea mit wunderbar bemalten Wänden sei ein Schmuckstück.

Der deutsche Archäologe und Italien-Fachmann Dally sorgt sich denn auch nicht so sehr um die staatlichen Groß-Museen. «Die fehlenden Einnahmen machen sich vor allem in Einrichtungen bemerkbar wie zum Beispiel dem Parco Archeologico di Agrigento, die darauf zwingend angewiesen und nicht zu 100 Prozent staatlich finanziert sind», sagt er.

Noch zwei andere Dinge beschäftigen ihn: die Forschung und die Grabungen selbst. «Die Forschung ist zwar weiter gegangen. Aber es gibt große Einschränkungen. Der Zugang zu Bibliotheken und Magazinen, in denen die Exponate lagern, ist weiterhin nur schwer möglich», berichtet er. «Doch Altertumsforscher sind darauf angewiesen, dass sie die Objekte, zum Beispiel Keramiken, wirklich vor sich sehen. All das ist in der Corona-Phase kaum mehr möglich. Das behindert die Forschung.» Auch wenn mancher Fachaufsatz im Homeoffice schneller fertig wurde.

Die Grabungen seien je nach Region unterschiedlich gut möglich gewesen: «In der Toskana und am Kapitol in Rom ging für uns nicht viel weiter. Auf Sizilien dagegen konnten wir weiter arbeiten.» Geschlossene Universitäten, weniger Stipendiaten aus aller Welt - all das könnte in der Altertumswissenschaft Spuren hinterlassen. Für den Abteilungsdirektor in Rom steht fest: «Insbesondere die Probleme des Nachwuchses sind aus meiner persönlichen Sicht auch eine der zentralen Herausforderungen für die Bewältigung der Krise.»

© dpa-infocom, dpa:200811-99-127389/4

Veröffentlicht am:
11. 08. 2020
17:00 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 08. 2020
17:00 Uhr



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